Gedenkstätten im Norden
Gedenkstein am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945" © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen
 

Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Konzentrationslagers. mehr


Die KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

Ein Mahnmal und mehrere Ausstellungen erinnern an die Opfer. mehr


Stätte des Erinnerns in Ladelund

Die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins. mehr


Gedenkstätte erinnert an die "Hölle im Moor"

In Esterwegen steht ein Mahnmal für die 15 Konzentrationslager im Emsland. mehr

Literatur

Bergen-Belsen 1943-1945

von Eberhard Kolb
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3-525-36264-1


Ihr sollt die Wahrheit erben

Die Cellistin von Auschwitz
von Anita Lasker-Wallfisch
Rowohlt, Reinbek
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 3-499-22670-7


Die Tore öffnen sich

Authentischer Bericht über das englische Hilfswerk für Belsen
von Derrick Sington
Lit, Münster
Erscheinungsdatum: 1995
ISBN: 3-88660-622-8


Tagebuch aus einem Lager

von Loden Vogel
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3-525-35132-1


"Wir Kinder von Bergen-Belsen"

von Hetty E. Verolme
aus dem Englischen von Mirjam Pressler
Beltz, Weinheim und Basel
Erscheinungsdatum: 2005

 

Die letzten Tage des KZ Bergen-Belsen

von Britta Probol
Die Leichname hunderter ermordeter oder an Hunger und Seuchen gestorbener Gefangener liegen in einem Massengrab des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. © dpa - Bildarchiv Als britische Truppen im April 1945 das Konzentrationslager Bergen-Belsen erreichten, stießen sie auf sie Massengräber mit Hunderten Toten.

Richard Dimbleby berichtete für die BBC von der Front. Mit seinen "War Reports" hatte er den Radiohörern daheim schon das Geschehen an Schauplätzen wie Afrika, der Normandie, selbst an Bord von Kampfbombern der Royal Air Force nahegebracht. Am 17. April 1945 begleitete er britische Soldaten in ein zwei Tage zuvor befreites Konzentrationslager 16 Kilometer nördlich von Celle in Niedersachsen. Dimbleby war ein geschätzter und routinierter Kriegsreporter - doch seinen Bericht aus dem Lager kassierte die BBC zunächst ein: Für die Sendeleitung klangen die Beschreibungen zu unglaublich, ja schlichtweg unglaubwürdig. Erst mit 24 Stunden Verzögerung - Dimbleby hatte inzwischen seine Kündigung angedroht - ging der Report schließlich doch über den Äther. Jenseits des Ärmelkanals wurde er zu einem der berühmtesten in der Rundfunkgeschichte. Der letzte Satz blieb haften im Ohr: "Dieser Tag in Belsen", so Dimbleby, "war der schrecklichste in meinem Leben."

 

Holocaust

Der Begriff steht für den Massenmord an Juden unter dem NS-Regime von 1939 bis 1945. Der systematischen Vernichtung fielen mehr als sechs Millionen Menschen in Europa zum Opfer.

Ursprünglich stammt das Wort Holocaust aus dem Griechischen (= vollständig verbrannt) und bezeichnete Brandopfer. In den 1940er-Jahren verwendeten britische Autoren den Begriff erstmals für die Morde an den Juden, ab den späten 1950er-Jahren setzte er sich auch in den USA durch. In Deutschland verbreitete sich das Wort, nachdem es 1979 in einem US-Fernsehfilm benutzt worden war.

Viele Juden verwenden statt Holocaust den hebräischen Begriff Schoah ( = Unheil, Katastrophe). Er bezeichnet ausschließlich den Mord an Juden, während Holocaust teilweise auch in anderen Zusammenhängen benutzt wird.

Der Name Bergen-Belsen sollte für lange Zeit in der britischen Holocaust-Wahrnehmung weit vor Auschwitz rangieren. Denn das Konzentrationslager in Niedersachsen ist das einzige, das von britischen Truppen befreit wurde. Und es ist eines der wenigen, das die SS nicht zuvor evakuiert hatte. Was das Grauen von Bergen-Belsen noch heute so gegenwärtig macht, sind die Bilder und Tondokumente aus dem völlig überfüllten und verwahrlosten Lager, die britische Fotografen und Kamerateams nach der Befreiung eingefangen haben. Bilder von ausgemergelten Menschen in zerlumpter Häftlingskleidung, von lebenden Skeletten mit leerem Blick und von Leichnamen, nackt im Staub liegend oder zu Halden aufgestapelt - Bilder, die die Weltöffentlichkeit schockierten.

Kampflose Übergabe

Am 15. April 1945, nachmittags um drei, erreichten britische Streitkräfte des 63. Panzerabwehrregiments unter Oberst Taylor das Konzentrationslager in der Südheide. Vorausgegangen war ein lokales Waffenstillstandsabkommen, eingefädelt auf Anordnung Himmlers - ein bis dato einmaliges Ereignis im Kriegsverlauf. Eine Zone von 48 Quadratkilometern rund um das KZ wurde neutralisiert und die SS zog vereinbarungsgemäß drei Viertel des Personals ab: Rund 250 Wachleute machten sich unbehelligt aus dem Staub. Nur rund 50 Mann aus der Verwaltung und 30 Aufseherinnen blieben zurück, darunter der neue Lagerkommandant seit Dezember 1944, SS-Hauptsturmführer Josef Kramer. Sein vormaliger Wirkungsbereich war Auschwitz-Birkenau gewesen. Deutsche Infanterie und ein ungarisches Regiment ersetzten - mit weißen Armbinden versehen - die SS-Wachmannschaften. Laut dem Abkommen sollten diese Soldaten nach der Übergabe frei zu den deutschen Linien abziehen.

Unklar bleibt, was Reichsführer SS Himmler zum Befehl der kampflosen Übergabe bewogen hatte. Doch eine maßgebliche Rolle spielte offenbar die Seuchengefahr. Unter den entkräfteten Lagerinsassen grassierten Ruhr, Bauchtyphus und Tbc. Vor allem wütete seit rund zwei Monaten eine Fleckfieberepidemie, die täglich mehr Opfer forderte. Dadurch war weder an eine Verteidigung noch an eine Räumung des Lagers zu denken.

Zum Jubeln zu schwach

Aufnahme eines Verbrennungsofens mit geöffneten Türen, inmitten einer Hütte, rechts davor ein kleiner Tisch. © picture alliance Detailansicht des Bildes Das kleine Krematorium von Bergen-Belsen reichte nicht aus, um die vielen Toten zu verbrennen. Als Captain Derrick Sington, Führer einer britischen Propagandaeinheit, per Lautsprecherwagen im Lager dessen Übernahme durch die Engländer verkündete, war er zunächst auf Jubel eingestellt - und nicht auf "die nur halbgläubigen Hochrufe dieser fast verlorenen Männer". Doch "der größte Teil der am Leben gebliebenen Häftlinge", so erinnert sich die Jüdin Lola Fischel, "hat die lang ersehnte Befreiung nicht vernommen". Viele waren vor Hunger apathisch oder vom täglichen Grauen abgestumpft. "Wir hatten so lange von Dreck und Tod umgeben gelebt", erläutert Anita Lasker-Wallfisch, "dass wir es kaum noch merkten." Für die spätere Mitbegründerin des English Chamber Orchestra, die als Cellistin des Mädchenorchesters von Auschwitz überlebte, gehörten die Leichenhaufen in Bergen-Belsen "sozusagen zur Landschaft". Erst wenige Tage vor dem Eintreffen der Briten hatte sie mit ihrer Schwester auf Kommando der SS Verstorbene quer durchs Lager in ein Massengrab zerren müssen.

Das große Sterben in Belsen hatte im Januar 1945 begonnen, da waren es 1.000, im Februar schon 7.000, im März dann 18.000 Tote. Das kleine Krematorium reichte längst nicht mehr aus, um alle Leichen zu verbrennen.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/chronologie/nszeitundkrieg/bergenbelsen108.html
Überblick
Gedenkstein an die Ofer des Holocaust auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr

Zeitzeugen berichten
Walter Kaatz (in der Mitte) mit Feuerwehrkameraden (Foto: Kaatz, privat).
 

Als Feuerwehrjunge in Belsen

Walter Kaatz reparierte als 17-Jähriger am Tag nach der Befreiung die Wasserversorgung in dem KZ. mehr


Eine Schürze voller Lebensmittel

Als Zwölfjährige erlebte Ceija Stojka die Ankunft der Briten in Bergen-Belsen. mehr

Erinnerungen
Blumen an einem Gedenkstein in Bergen-Belsen © picture-alliance/ dpa/dpaweb Fotograf: Rainer Jensen
 
Audio

Gebildete Polen gezielt verfolgt

15.09.2009 | 16:45 Uhr
NDR 1 Niedersachsen

Maria Jaworska, eine Überlebende des Lagers Bergen-Belsen, ist zurück nach Bergen gekommen, um Realschülern von ihrer bewegenden Geschichte zu erzählen.

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"Leichenberge zwischen den Baracken"

16.09.2009 | 14:45 Uhr
NDR 1 Niedersachsen

Danuta Krajewska hat das KZ Bergen-Belsen überlebt. Die Polin erlebte dort als 18-Jährige Erniedrigung, Gewalt und Hunger.

Audiobeitrag starten (02:39 min)

Schüler treffen auf Holocaust-Zeitzeugen

11.09.2009 | 17:00 Uhr
NDR 1 Niedersachsen

"Vergesst nie, was das Böse anrichten kann", sagt Joseph Ron, Überlebender der KZ Buchenwald und Bergen-Belsen.

Audiobeitrag starten (01:18 min)
Links

Informationen zur Ausstellung, zur Geschichte des Lagers und zu aktuellen Veranstaltungen.

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Seine Vorgeschichte als Kriegsgefangenenlager, seine "untypische" Stellung und die Entwicklung bis 1945 - vom Deutschen Historischen Museum knapp aufbereitet.

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Sammel- oder Arbeitslager, planmäßige Vernichtung, Häftlingsgruppen und Lagerhierarchien: das Deutsche Historische Museum informiert.

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