Holocaust - Das beispiellose Verbrechen
Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr
Zehntausende Menschen starben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Im Frühjahr 1940 traf SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß in einer ehemaligen Kaserne der polnischen Armee nahe der Stadt Oswiecim ein. Kurz zuvor hatte die SS-Führung beschlossen, ein Internierungslager für polnische Häftlinge zu errichten. Hier sollten Kriegsgefangene und Angehörige des polnischen Establishments eingesperrt und systematisch zugrunde gerichtet werden, um so den nationalen Widerstand der Polen gegen die deutsche Besatzung zu brechen. Als am 14. Juni 1940 die ersten 728 polnischen Häftlinge auf dem Kasernengelände eintrafen, konnte keiner von ihnen ahnen, dass sie soeben an einem Ort angelangt waren, der fortan als Inbegriff einer von Menschen errichteten Hölle auf Erden gelten sollte: Auschwitz.
Auschwitz erlangte traurige Berühmtheit aufgrund seiner einzigartigen Stellung innerhalb des NS-Lagersystems. Es wurde zum größten aller Lager und - neben dem weitaus kleineren Majdanek - zum einzigen, welches gleichzeitig Konzentrations- und Vernichtungslager war. Die Selektion an der Rampe von Auschwitz-Birkenau, bei der darüber entschieden wurde, wer zur "Vernichtung durch Arbeit" bestimmt war und wer sofort vergast werden würde, war die historische Nahtstelle zwischen Lager und Völkermord.
Trotz der Einzigartigkeit und der Symbolkraft von Auschwitz war das System der Konzentrationslager von Beginn an integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Bereits kurz nach der Machtübernahme 1933 errichtete die SA sogenannte wilde Lager, in denen sie tatsächliche oder vermeintliche Gegner des Regimes internierte. Diese wurden mit brutalsten Methoden so zugerichtet, dass sie - wenn sie jemals frei gelassen wurden - als gebrochene Menschen nach Hause kamen, von denen kein Widerstand mehr zu erwarten war.
Die Systematisierung der Lager begann im Mai 1934 mit dem Befehl Heinrich Himmlers an den Dachauer Kommandanten Theodor Eicke, das Lager zu erweitern und zu reorganisieren. Damit erhielten die Lager eine neue Bedeutung und wurden von einem "befristeten Repressionsinstrument" zu einer "Dauereinrichtung zur präventiven Inhaftierung all jener […], die die Machthaber in Zukunft als Gegner definieren sollten", wie der Soziologe Wolfgang Sofsky schreibt.
Das von Eicke erstellte "Dachauer Modell" sah die Einteilung der Häftlinge in verschiedene Gruppen sowie Zwangsarbeit bis zum körperlichen Zusammenbruch vor. Zusätzlich legte Eicke eine Reihe von offiziellen Strafen fest, die allerdings auch willkürlich vom Lagerpersonal verhängt werden konnten. Da in den Lagern für Vergehen wie Fluchtversuche ohnehin das Standrecht galt, war auch die Ermordung von Häftlingen jederzeit möglich. "Die Regeln schrieben den Terror fest und setzten zugleich die Willkür frei", stellt Sofsky fest. Auch Rudolf Höß ging durch die "Eicke-Schule", ebenso wie viele andere spätere SS-Führer.