Der Monarch und seine Marine: Wilhelmshaven

von Susanne Abolins-Aufderheide

Kaiser Wilhelm I. (22. März 1797 - 9. März 1888) © dpa Fotograf: dpa Detailansicht des Bildes Wilhelm I.: 1861 zum König von Preußen gekrönt, 1871 zum deutschen Kaiser ausgerufen. Wilhelmshaven ist jung, noch jünger als sein Hafen. Am 17. Juni 1869 verleiht der Preußenkönig und spätere Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) im Beisein seines Ministerpräsidenten Otto von Bismarck und des Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke den Werften, Schleusen und Kajen der Kriegsmarine am Jadebusen seinen Namen. Höchstpersönlich genehmigt er die niederdeutsche Schreibweise "-haven". 

1853 hat Preußen das "Jade-Gebiet" vom Großherzogtum Oldenburg für 500.000 Taler gekauft, um dort den wichtigsten Kriegshafen an der Nordsee zu errichten. Die geografische Lage ist günstig. An der Spitze der Nordwestmündung des Jadebusens gelegen, hat Wilhelmshaven freien Zugang zum Meer. Zudem bietet die im Mittelalter durch zahlreiche Sturmfluten entstandene Meeresbucht eine ausreichende Wassertiefe, Schutz vor West- und Nordweststürmen und geringe Behinderung durch Eis im Winter.

Der Hafen steht im Vordergrund

In den Anfangsjahren stehen die militärische Nutzbarkeit und die Funktionalität des Hafens im Vordergrund. Neben den Kasernen und Arbeiterwohnungen gibt es zunächst nur die Büros der Hafenbaukommission sowie ein Hotel, Post, Apotheke und ein Kaufhaus, alles in unmittelbarer Nähe des Hafens. Bei der Erweiterung des Stadtgebietes orientieren sich die Planer an dem geradlinig verlaufenden Straßennetz rund um die Werft.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert, als das Deutsche Reich den maritimen Rüstungswettlauf mit Großbritannien aufnimmt, wächst die Stadt besonders rasch. Ende der Dreißigerjahre ragt der Bug der "Tirpitz", des größten deutschen Kriegsschiffes, vom Marinearsenal aus in die Stadt hinein. Als das Schlachtschiff am 1. April 1939 zu Wasser gelassen wird, ist Adolf Hitler zur Stelle und kündigt auf dem Rathausplatz den Bruch des deutsch-britischen Flottenabkommens an.

Kein städtisches Zentrum für Einkauf und Handel

Rathaus Wilhelmshaven - entworfen vom Hamburger Architekten Fritz Höger, der auch das Chilehaus plante. © dpa Fotograf: dpa Detailansicht des Bildes Der Hamburger Architekt Fritz Höger entwarf das Wilhelmshavener Rathaus von 1929. Hitler will Wilhelmshaven ausbauen und zusammen mit den umliegenden Gemeinden eine halbe Million Menschen an den noch einmal erheblich ausgeweiteten Kriegshafen binden. Um bei Bombenangriffen möglichst diffuse Ziele zu bieten, werden neue Wohnsiedlungen in die Fläche verteilt. Ein städtisches Zentrum für Einkauf und Handel ist nicht vorgesehen. Läden siedeln sich in Wohnstraßen an.

Während des Zweiten Weltkriegs wird die Stadt zu 60 Prozent zerstört. 40.000 Menschen werden obdachlos. Lediglich die Marineanlagen bleiben weitgehend unbeschädigt, werden aber nach Kriegsende von russischen Spezialisten demontiert. Nachdem zeitweilig alliierte Pläne zur Flutung des Hafens und der gesamten Innenstadt bestehen, beginnt mit dem Eintritt der Bundesrepublik in die NATO 1957 der Neubau des Marinehafens und der Wiederaufbau der Stadt, die mit rund 12.000 Marinesoldaten und Zivilisten zum wichtigsten Standort der Marine wird. Heute sind es noch 9.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter.

JadeWeserPort - Der Tiefwasserhafen kommt

Hinter dem Kohleterminal liegt der Geniusstrand von Wilhelmshaven. Foto von 2006. © dpa Detailansicht des Bildes Hinter dem Kohleterminal (Foto von 2006) wird der JadeWeserPort gebaut. In den 1970er-Jahren entwickelt sich die Stadt zum größten Ölhafen der Republik. Rund 20 Prozent aller Importe werden hier gelöscht und in Pipelines zu den Raffinerien an den Rhein, nach Hamburg und ins Emsland transportiert. Der JadeWeserPort mit einem Tiefwasserhafen soll nun den Wirtschaftsstandort Wilhelmshaven weiter voranbringen und die Arbeitslosenquote von rund zwölf Prozent senken. An dem Container Terminal, der 2012 den Betrieb aufnehmen soll, sollen die immer größer werdenden Containerschiffe, sogenannte Jumbo Carrier, mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Metern anlegen können. Mit einem Gesamtvolumen von 950 Millionen Euro gilt das Projekt als bedeutendstes Investitionsvorhaben Norddeutschlands.

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