Otto IV. - Einziger Welfe auf dem Kaiserthron
Am 4. Oktober 1209 wird Otto IV. in Rom zum deutschen Kaiser gekrönt. Seine Regentschaft ist jedoch nur von kurzer Dauer. mehr
Das alte Adelsgeschlecht der Welfen verbinden heute viele Menschen mit dem im Jahr 1954 geborenen Oberhaupt des Hauses Hannover: Ernst August. Als Ehemann von Caroline von Monaco ist der dreifache Vater nicht nur Norddeutschen aus der Boulevard-Presse bekannt. Neben Auftritten bei Society-Events sorgt Ernst August, Prinz von Hannover, immer wieder mit handfesten Skandalen buchstäblich für Schlagzeilen: Die Fernsehbilder des mit einem Regenschirm auf einen Kameramann einprügelnden Adeligen aus dem Jahr 1998 sind vielen noch in lebhafter Erinnerung.
Sorgt mit Skandalen immer wieder für Schlagzeilen: Ernst August, Prinz von Hannover, hier mit Ehefrau Caroline von Monaco .
Öffentliche Empörung gibt es auch, als der offenbar stark alkoholisierte Ernst August während der Weltausstellung in Hannover gegen den türkischen Pavillon uriniert. Für die Attacke auf einen Disco-Besitzer in einem kenianischen Hotel wird er zudem im Jahr 2004 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 445.000 Euro verurteilt. Aufgrund einer neuen Beweislage rollt das Landgericht Hildesheim den Prozess erneut auf. Im März 2010 kommen die Richter schließlich zu einem milderen Urteil und verurteilen den Welfen für die ausgeteilten Ohrfeigen zu 200.000 Euro Geldstrafe.
Als Ernst August, Prinz von Hannover, 1999 Caroline von Monaco heiratet, zeigt eine kleine Anekdote den Glanz und die weltpolitische Bedeutung, die das Haus Hannover einst hatte: Für seine Heirat mit der Monegassin bittet der Welfe die britische Königin Elizabeth II. um ihre Genehmigung. Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1772, dem "Royal Marriages Act", waren alle Nachkommen König Georgs III. bis ins Jahr 1967 offiziell dazu verpflichtet, den amtierenden britischen Monarchen bei einer Eheschließung um seinen Segen zu bitten.
Georg I. ist der erste Welfen-König von England und in Personalunion Kurfürst von Hannover. Ausschnitt eines zeitgenössischen Kupferstichs von Jacobus Houbraken.
Die enge Verbindung des Hauses Hannover mit dem britischen Königshaus geht auf das Jahr 1714 zurück: Der Kurfürst von Hannover besteigt als Georg I. den englischen Thron. Ein Welfe steht erstmals an der Spitze eines weltumspannenden Kolonialreiches - und für rund 120 Jahre soll sich an dieser Personalunion nichts ändern.
Möglich wird die Übernahme der Krone des Inselreiches durch den "Act of Settlement", ein Thronfolgegesetz aus dem Jahr 1701. Dort ist geregelt, dass nur protestantische Nachkommen des Hauses Stuart Anspruch auf den englischen Thron haben. Im Alter von elf Jahren verstarb jedoch Wilhelm, der Herzog von Gloucester und einzige Sohn von Königin Anne. Die Dynastie der Stuarts stirbt aus. Als Sohn von Sophie von der Pfalz, der Enkelin des englischen Königs Jakobs I., tritt Georg Ludwig von Hannover das englische Thronerbe an. Bis heute verlieren alle Mitglieder des englischen Königshauses sämtliche Ansprüche, den Thron zu erben, wenn sie einen katholischen Partner heiraten.
Wilhelm IV. ist von 1830 bis zu seinem Tod im Jahr 1837 König von Großbritannien und Hannover. 1833 stimmt der Monarch einer liberalen Verfassung für das Königreich Hannover zu.
Unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich stellen Europas gekrönte Häupter auf dem Wiener Kongress (1814-1815) die alte Staatenordnung wieder her, die Napoleon durch seine Feldzüge und Eroberungen aus den Angeln gehoben hatte. Das ehemalige Kurfürstentum Hannover wird mit geringfügig erweitertem Territorium zum Königreich erhoben, nachdem es während der französischen Besatzung als selbstständiger Staat von der Landkarte verschwunden war.
Zwar haben viele liberale Bürger als Freiwillige in den Armeen der europäischen Könige und Fürsten gegen Napoleon gekämpft, doch ihren Wünschen nach Verfassungen und Rechtsstaatlichkeit wird vielerorts durch die alten Mächte nicht entsprochen. Auftrieb gibt den liberalen Kräften in ganz Europa allerdings die Pariser Julirevolution von 1830, die mit der Einführung eines verfassungsgebundenen Bürgerkönigtums in Frankreich endet. Unter dem Druck der Pariser Ereignisse stimmt der König von Hannover, Wilhelm IV., 1833 einer Verfassung zu, die aus dem Welfenreich eine konstitutionelle Monarchie macht.
Von 1837 bis 1901 ist die Welfin Viktoria Königin von Großbritannien und Irland.
Als König Wilhelm IV. Heinrich von England ohne männliche Nachkommen im Jahr 1837 stirbt, besteigt nach welfischem Erbrecht, das eine weibliche Thronfolge nicht zulässt, sein Bruder als Ernst August II. den Thron des Königreichs Hannover. Im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland wird die legendäre Königin Viktoria Monarchin. Sie ist die Tochter von Wilhelms 1820 verstorbenem Bruder Eduard August, dem Herzog von Kent und Strathearn. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1901 dauert die Regentschaft der Welfin. Mit der Krönung Viktorias endet die Personalunion zwischen dem Haus Hannover und dem britischen Königshaus.
Holzstich der Göttinger Sieben: Wilhelm Albrecht, Friedrich Christoph Dahlmann, Heinrich Ewald, Georg Gottfried Gervinius, Jakob und Wilhelm Grimm sowie Wilhelm Eduard Weber.
Als eine seiner ersten Amtshandlungen setzt Ernst August II. das Staatsgrundgesetz von 1833 außer Kraft. Zu den liberalen Verfassungsvätern gehörte der Historiker und Staatsrechtler Christoph Friedrich Dahlmann, der als Vertreter und Professor der Universität Göttingen in der Ständeversammlung des Königreiches sitzt. Zusammen mit sechs weiteren Professoren der Universität, zu denen auch die Brüder Grimm gehören, protestiert er in einem Brief gegen den königlichen Staatsstreich.
In Windeseile werden Kopien des Briefes an Universitäten in ganz Deutschland verteilt, die eine Welle der Solidarität mit den Protestierenden auslöst. Um seine Autorität zu wahren, entlässt der König "Die Göttinger Sieben" aus dem Universitätsdienst und verweist sie des Landes. Heute gelten die streitbaren Professoren als Wegbereiter der liberalen Revolution von 1848 und des ersten frei gewählten gesamtdeutschen Parlaments in der Frankfurter Paulskirche.

Sieben Gelehrte verfassen eine Protestation gegen das aufgehobene Staatsgrundgesetz. Dieses hatte Ernst August König von Hannover am 1. November 1837 aufgehoben.