Hannover: Die Messestadt im Grünen
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Rechteckig, gold-gelb gebacken, 52 Zähne: Ob Jung oder Alt - den "Leibniz-Butterkeks" von Bahlsen kennt in Deutschland wohl fast jeder. Vor über 120 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Volksgebäcks. Die Firma, die mit wenigen Mitarbeitern begann, hat sich bis heute zu einem weltweit agierenden Keksimperium entwickelt.
Ausgangspunkt ist Hannover im Jahre 1889: Hermann Bahlsen kehrt, nachdem er als Zuckerimporteur in London gearbeitet hat, in seine Heimatstadt zurück. Die Stadt ist im Aufbruch: Immer mehr Menschen kommen vom Land in die Stadt und suchen Arbeit in den Fabriken. Der 30 Jahre alte Bahlsen entscheidet sich, sein Gründerglück in Niedersachsen zu versuchen: Ein Fabrikgeschäft für englisches Gebäck steckt in Schwierigkeiten, Bahlsen übernimmt die Bäckerei mit zehn Angestellten. Er nennt seine Firma "Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen" - eine deutsche Bezeichnung für "cakes" gibt es damals noch nicht. Ahnung vom Backen hat Bahlsen kaum, aber aus London kennt er Teegebäck.
Wie die Konkurrenz verkauft Bahlsen das lose Gebäck anfangs aus der Tonne. Die Geschäfte laufen gut. "Er hat in England Rezepte gekauft und sich Mitarbeiter gesucht, die ihm Produkte entwickelt haben", erklärt Michael Bahlsen, der heutige Firmeninhaber, den Erfolg seines Großvaters. Bis heute ist das Rezept für den berühmten Leibniz-Keks ein Geheimnis und noch immer wird auf Grundlage des Originals gebacken.
Namensgeber für den Keks ist der berühmte Hannoveraner Gottfried Wilhelm Leibniz, deutscher Philosoph, Wissenschaftler und Mathematiker, der 1716 in Hannover starb. Hermann Bahlsen wollte besondere Namen für seine Produkte. Er sagte selbst einmal: "Meine Buttercakes sollen einen Namen, eine Persönlichkeit haben." Neben dem Leibniz-Keks gibt es einen "Duve-Keks" und einen "Albert-Keks", ebenfalls in Anlehnung an deutsche Philosophen.
Fließbänder hat Bahlsen in seiner Fabrik noch vor dem amerikanischen Automobilbauer Henry Ford.
1893 baut er eine Fabrik, in der 100 Arbeiter für ihn tätig sind. Der Leibniz-Keks mit seinen 52 Zähnen wird zu einem Markenprodukt in Deutschland. Bei der Weltausstellung in Chicago erhält Bahlsen für seinen Keks die Goldmedaille. "Leibniz Cakes wird in ähnlicher Form von der Konkurrenz unter anderem Namen nachgemacht; der feine Butter-Geschmack ist indes nur diesem Fabrikate eigen", heißt es in der Begründung der Jury.
Hermann Bahlsen hat es als Unternehmer geschafft, doch er ist stets bemüht, sein Unternehmen weiter zu verbessern. So geht er auf Europa-Tour und knüpft Kontakte zu Biskuitfabrikanten in England und Frankreich. Und er lässt am Potsdamer Platz in Berlin eine der ersten Leuchtreklamen in der kaiserlichen Hauptstadt anbringen: Auf dem Dach der Bellevue-Apotheke macht Bahlsen Reklame für den Leibniz Cake.
Aus Amerika übernimmt er die Idee der luftdichten Verpackung. So macht er seine Kekse lange haltbar. Die Kleinpackungen werden unter anderem am Bahnhof verkauft - mit dem Slogan "Was isst die Menschheit unterwegs? - Na selbstverständlich Leibniz-Keks." Die schnelle Mahlzeit für unterwegs ist geboren.