Chronologie
Der gebrochene Radreifen des Unglückszuges von Eschede neben einem 1:1-Modell eines ICE-Radreifens im Gerichtssaal in Celle © dpa Fotograf: Ingo Wagner
 

Ein Radreifen führt zur Katastrophe

Ein gebrochener Radreifen ließ den ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" mit fast 300 Fahrgästen entgleisen. mehr

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Zwei Mitarbeiter eines Räumtrupps stehen vor dem verbogenen Fahrgestell eines zerstörten ICE-Waggons in Eschede © dpa Fotograf: Andreas Altwein
 

Die schwersten Bahnunglücke seit 1960

Seit 1960 kam es in Deutschland zu elf schweren Zugunfällen - eine Chronologie. mehr

 

Wie das Unglück von Eschede geschah

von Sven Glagow

3. Juni 1998: Zugunglück bei Eschede © Picture-Alliance / dpa Detailansicht des Bildes Ein Bild des Schreckens: die Unfallstelle in Eschede. Es war das schwerste Eisenbahnunglück der deutschen Geschichte: Am 3. Juni 1998 entgleist ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" im niedersächsischen Eschede und prallt mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern gegen eine Brücke. Ein gebrochener Radreifen hat die Katastrophe ausgelöst, bei der 101 Menschen sterben. 105 Menschen werden verletzt. Einige tragen bleibende Schäden davon.

Letzter planmäßiger Halt in Hannover

Intercityexpress 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" startet am Morgen des 3. Juni in München. Gegen 10.30 Uhr hält der Zug ein letztes Mal planmäßig in Hannover. Als der ICE dort um 10.33 Uhr in Richtung Hamburg abfährt, befinden sich fast 300 Menschen in dem Zug. 25 Minuten später kommt es unweit der Kreisstadt Celle zur Katastrophe: An der dritten Achse des ersten Wagens bricht ein Radreifen.

Wie der Gummireifen eines Autos ist dieser Eisenring auf das Rad aufgezogen. Er soll den Fahrkomfort erhöhen und die Wartungskosten gering halten. Nachdem der Radreifen bei Tempo 200 gebrochen ist, wickelt sich die weiche Eisenlegierung in Sekundenbruchteilen vom Rad, bohrt sich durch den Boden des Hochgeschwindigkeitszuges ins Innere des Waggons und verkeilt sich zwischen den Sitzreihen und dem Drehrahmengestell des Waggons. Ein Ende des gebrochenen und aufgebogenen Metallringes ragt aus der Unterseite des Zuges und schlägt immer wieder auf das Gleisbett. Bereits ab Streckenkilometer 56,4 hinterlässt das Metall deutliche Spuren auf den Betonschwellen.

3,6 Sekunden bis zum Stillstand

Ein Anwohner untersucht am 4.6.1998 eine beschädigte Gleisschwelle, etwa fünf Kilometer vor Eschede. In dem Ort war am Vortag ein ICE-Zug entgleist. © dpa Fotograf: Manfred Vornholt Detailansicht des Bildes Bei dem Unglück wird unter anderem eine Weiche in den Gleisschwellen beschädigt. Überlebende geben nach dem Unglück an, sie hätten vor dem Zusammenprall mit der Brücke ein anhaltendes Rumpeln bemerkt. Als der Zug schließlich rund 200 Meter vor der Brücke über die erste von zwei Weichen fährt, reißt der immer noch verkeilte Radreifen einen Teil der Weiche von den Schwellen. Es bohrt sich durch den Waggon und hebt ihn aus den Gleisen. Die Kollision mit der zweiten Weiche stellt diese um, der hintere Waggonteil rast auf ein Nebengleis. Mit hohem Tempo stellt sich der Waggon quer und springt schließlich aus den Gleisen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Waggon kurz vor einer Straßenbrücke, die über die Schienen führt.

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Zugunglück von Eschede © dpa
 
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Animation des Zugunglücks

Die letzten Sekunden des Unglückszuges in der Rekonstruktion - ein Ausschnitt aus dem Film "Eschede - Die Todesfahrt".

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Das herumgewirbelte Ende des Waggons prallt gegen einen Pfeiler der Brücke und bringt sie zum Einsturz. Während der vierte Waggon noch unter der einstürzenden Brücke hindurchschießt und schließlich in der Böschung rechts der Gleise landet, wird der fünfte Waggon von der einstürzenden Brücke begraben. Die folgenden Waggons schieben sich wie eine Ziehharmonika zusammen. Nur 3,6 Sekunden nach dem Einsturz der Brücke steht ICE 884 still. Aus dem High-Tech-Flaggschiff der Deutschen Bahn ist ein todbringender Trümmerhaufen geworden. Das ICE-Unglück von Eschede ist bis heute das weltweit schwerste Unglück, das es je mit einem Hochgeschwindigkeitszug gegeben hat.

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Harald Korb
 
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"Ich dachte, dass sich jemand vor den Zug geworfen hat"

Der Mathematiklehrer Harald Korb war auf dem Weg in den Urlaub, als der Zug ins Schlingern kam. Er erinnert sich an das Unglück, das ganz plötzlich geschah.

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Dossier
Erschöpfter Helfer am Unglücksort in Eschede © dpa Fotograf: Holger Hollemann
 

Das ICE-Unglück von Eschede

101 Menschen sterben bei der Katastrophe am 3. Juni 1998, mehr als 100 werden verletzt. mehr

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Beschlagnahmte Radachsen und Drehgestelle von ICE-Waggons des Unglückszuges von Eschede werden in einer Halle einer Kaserne in Celle auf einen Tieflader gehoben © dpa Fotograf: Holger Hollemann
 
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Das Zugunglück forderte 101 Menschenleben und ist das folgenschwerste Bahnunglück in der Geschichte der Bundesrepublik.

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Die Unglücksstelle der ICE-Katastrophe bei Eschede aus der Vogelperspektive © dpa Fotograf: Ingo Wagner
 
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Zwei Tage nach der Katastrophe von Eschede

05.06.1998 | 17:00 Uhr
NDR 2

Ein NDR Reporter schildert die Situation an der Unfallstelle 48 Stunden nach dem Unglück.

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Wie das Unglück das Leben der Betroffenen verändert hat

NDR 1 Niedersachsen

Überlebende, Hinterbliebene und Helfer mussten lernen, mit den Folgen umzugehen.

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