AKTUELLES AUS DER REGION
Über Beiersdorf
Beiersdorf-Labor im Jahr 1914. © dpa
 

Beiersdorf: Erst Apotheke, nun Kosmetik-Riese

Mit einer neuen Art des Verbandmulls begann Ende des 19. Jahrhunderts die Erfolgsgeschichte der Beiersdorf AG. mehr


Beiersdorf legt kräftig zu

Für den Nivea-Hersteller zahlt sich der Konzernumbau offenbar aus. (Meldung vom 24.01.2013) mehr

 

Eine Creme erobert die Welt

von Kathrin Weber, NDR.de

Eine Dose Nivea-Creme von 1925. © Beiersdorf AG Detailansicht des Bildes Blaue Dose, weißer Schriftzug - so kennt sie jeder. Seit 1925 sieht Nivea-Creme so aus, die Verpackung hat sich bis heute kaum verändert. Eine kleine blaue Aluminium-Dose mit weißer Creme. Jeder kennt sie, weltweit - von Costa Rica bis Madagaskar. Was die Großmutter in ihrer Jugend in der Apotheke kaufte, findet die Enkelin heute noch - in jedem Super- oder Drogeriemarkt. Nivea-Creme ist die älteste und erfolgreichste Hautpflegecreme der Welt. Entwickelt wurde sie vor 100 Jahren in Hamburg-Eimsbüttel von dem Apotheker und Beiersdorf-Besitzer Dr. Oscar Troplowitz.

Eucerit macht den Unterschied

Dr. Oscar Troplowitz im Jahr 1890. © Beiersdorf AG Detailansicht des Bildes Oscar Troplowitz kaufte Beiersdorf 1890 und machte aus der kleinen Firma ein weltweit tätiges Unternehmen. Um die neue Hautpflegecreme herstellen zu können, griff Troplowitz auf die geniale Erfindung eines anderen Mannes zurück: Eucerit. Der Chemiker Dr. Isaac Lifschütz hatte diesen Emulgator entwickelt. Er ermöglichte es, Öl und Wasser zu binden - eine Grundvoraussetzung, um eine Creme von stabiler Konsistenz zu erhalten. Troplowitz kaufte das Patent an Eucerit und mischte es mit Wasser, duftenden Ölen und etwas Glycerin zu einer geschmeidigen Creme. Er verpackte sie in kleine gelbe Aluminiumdosen mit blauer Schrift und nannte sie Nivea - die Schneeweiße. Der Name geht auf die weiße Farbe der Creme zurück und leitet sich von dem lateinischen Wort "nix" ab, das Schnee bedeutet.

Siegeszug um die Welt

Eine Dose Nivea-Creme von 1911. © Beiersdorf AG Detailansicht des Bildes Gelb, mit Jugendstilranken und leicht verspielt - so sah die erste Dose für Nivea-Creme aus. Im Dezember 1911 verkaufte Beiersdorf die erste Nivea-Creme in Apotheken und Drogerien - die große Dose zu einer Mark. Nicht nur die Deutschen fanden Gefallen an der praktischen Hautpflege, die neben Fett auch Feuchtigkeit spendete und damit eine Weltneuheit war. Bereits drei Jahre später hatte das Unternehmen Vertretungen in mehr als 40 Ländern und machte fast die Hälfte seines Umsatzes in Übersee. Heute gibt es Nivea-Creme in mehr als 200 Ländern, jedes Jahr werden gut 100 Millionen Dosen verkauft.

Der Erfolg der Creme made in Hamburg hat sicher auch damit zu tun, dass schon Troplowitz auf Reklame setzte. Zur Einführung im Dezember 1911 warb Beiersdorf mit Plakaten und Zeitschriften für sein neues Produkt, später folgten Kino- und Radiowerbung. Auch gesellschaftliche Veränderungen gingen nicht spurlos an Nivea vorbei. Als die Menschen ihre Freizeit mehr und mehr im Freien verbrachten und ein gesunder Teint die vornehme Blässe als Ideal ablöste, verpasste das Unternehmen der Creme 1925 eine neue schlichte Optik - blaue Dose mit weißer Schrift.

Da weiß man, was man hat

Diese Optik ist bis heute geblieben, die Kosmetik- und auch die Markenwelt von Nivea haben sich hingegen stark verändert. Von der Anti-Faltencreme über den Handbalsam bis zum Feuchtigkeitsgel für Männer gibt es heute für jeden Hauttyp und jeden Anspruch ein spezielles Produkt. Wem das zu kompliziert ist, der greift weiterhin zur runden, blauen Dose und weiß genau, was er bekommt.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/chronologie/neunzehnhundert/niveacreme101.html
Hintergrund

Die Geschichte der Marke Nivea

NDR Info

Am 23. Juni 1905 wird Nivea beim Kaiserlichen Patentamt als Marke eingetragen, noch bevor es ein Produkt dazu gibt.

Audiobeitrag starten (14:51 min)
Kurzporträt

Oscar Troplowitz

Troplowitz wird 1863 im oberschlesischen Gleiwitz geboren. Nach dem Pharmaziestudium und einer Promotion in Philosophie kommt er 1890 nach Hamburg. Dort kauft der 27-Jährige die von Paul Carl Beiersdorf gegründete "Fabrik dermotherapeutischer Produkte" und baut sie mit neuen Produkten zum erfolgreichen Großunternehmen aus.

1896 entwickelt Troplowitz den Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm, der später als Tesa-Film den Markt erobert. 1901 folgt der medizinische Klebeverband Leukoplast, 1909 der Lippenpflegestift Labello, für den der umtriebige Unternehmer das Drehhülsengehäuse entwickelt.

Troplowitz ist auch sozial und politisch engagiert: Er reduziert die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter, zahlt ihnen Weihnachts- und Urlaubsgeld, führt den Mutterschutz ein und gründet eine Pensionskasse. Als Abgeordneter der Linksliberalen sitzt er in der Hamburger Bürgerschaft. Auch als Kunstliebhaber macht sich der Unternehmer einen Namen: Bereits 1909 erwirbt er als erster deutscher Privatsammler einen Picasso.

1918 stirbt Troplowitz an einem Hirnschlag und wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Der Hamburger Kunsthalle vermacht er eine bedeutende Gemäldesammlung. Heute ist eine Straße direkt am Gelände der Beiersdorf AG in Hamburg-Eimsbüttel nach ihm benannt.