Luxus auf See: Vom Beginn der Kreuzfahrten
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Der "Imperator" lief 1913 erstmals aus dem Hamburger Hafen aus.
Schon der Name des Ozeanriesens ist ungewöhnlich. Eigentlich ist es üblich, für Schiffe weibliche Namen zu wählen. Aber Kaiser Wilhelm II. zog einen männlichen Artikel vor: So lief am 23. Mai 1912 das neue Flaggschiff der Hamburg-Amerika-Linie, der "Imperator", vom Stapel - und der Kaiser klatschte mit seinem Gefolge begeistert Beifall, als der Riesendampfer im Elbwasser aufschwimmt. Wilhelm II. war es auch, der das Passagierschiff kurz zuvor bei Nieselregen im Hamburger Hafen getauft hatte. Der feierliche Akt erfolgte nur wenige Wochen, nachdem in der Nacht zum 15. April 1912 die "Titanic" auf ihrer Jungfernfahrt gesunken war.
Der "Imperator" war zur damaligen Zeit das größte Schiff der Welt - mit 268 Metern Länge und 30 Metern Breite. Tausende Arbeiter auf der Vulkan-Werft im Hamburger Hafen hatten den Dampfer erbaut. Nach der Taufe ging es zunächst an den weiteren Ausbau. Im April 1913 war der "Imperator" schließlich fertiggestellt. Die Baukosten betrugen 40 Millionen Mark. Rund 4.000 Passagiere konnten an Bord gehen. Zum Vergleich: Die "Titanic" bot nur Platz für 2.400 Passagiere, die heutige "Queen Mary 2" kann 3.090 Reisende beherbergen.
Albert Ballin wollte mit luxuriöser Ausstattung Passagiere für die Atlantik-Überfahrt gewinnen.
Der Vater des kühnen Schiffbaus hieß Albert Ballin (1857-1918), Generaldirektor der Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (kurz: HAPAG). Der "Imperator" war das erste Schiff einer neuen Schnelldampfer-Flotte, mit der eine wöchentliche Abfahrt von Europa nach Amerika garantiert werden sollte. Die beiden anderen Schiffe der "Imperator-Klasse" waren die "Vaterland" (Stapellauf: 1913) und die "Bismarck" (Stapellauf: 1914). Die beiden jüngeren Dampfer wurden bei der Hamburger Werft Blohm + Voss gebaut. Die Größe der drei Schiffe wurde erst 1935 von dem französischen Dampfer "Normandie" übertroffen.
Der "Imperator" war das erste Schiff einer neuen Schnelldampfer-Flotte, mit der eine wöchentliche Abfahrt von Europa nach Amerika garantiert werden sollte. Die beiden anderen Schiffe der "Imperator-Klasse" waren die "Vaterland" (Stapellauf: 1913) und die "Bismarck" (Stapellauf: 1914). Auftraggeber war Hapag-Chef Albert Ballin. Die drei Schiffe wurden deshalb auch als Ballins "dicke Dampfer" bezeichnet.
Der "Imperator" war nicht in erster Linie als schnelles Schiff gedacht. Ballin überließ die Geschwindigkeits-Rekorde anderen, er setzte lieber auf Komfort. Die höchsten Ansprüche sollten erfüllt werden. Für die Passagiere glich die Atlantik-Überfahrt dem Aufenthalt in einem Grand-Hotel. 1.200 Mann Besatzung kümmerten sich um ihr Wohlergehen. Für den kulinarischen Genuss war das Ritz-Carlton zuständig.
Die geschickte Anordnung der großen Schiffssäle - Restaurant, Wintergarten und Festsaal - auf einer Ebene vermittelte ein bis dato einmaliges Raumgefühl auf einem Schiff. Auch das Marmor-Hallenbad im Pompejischen Stil, das über drei Decks reichte, war ein Novum. 908 Passagiere konnten die Überfahrt in der 1. Klasse verbringen. Die Bordzeitung erschien täglich in zwei Sprachen.
Viele Zeitgenossen zeigten sich begeistert vom "Imperator".
Im Juni 1913 lief der "Imperator" von Cuxhaven zur Jungfernfahrt nach New York aus. Einer der ersten Passagiere war der Journalist Alfred Kerr: "Als ich das Riesendeck entlangsah, überkam mich ein Gefühl frohlockender Bewunderung, das ich im hohen Gestänge des Eiffelturms gespürt hatte. Ein Glück über technischen Mut." Der "Imperator" sei das "entwickelste Schiff der Erde, weil es nicht allein das Notwendige, sondern das Überschüssige gibt", lobte Kerr. Damals ahnte wohl niemand, welch wechselhafte Geschichte das Schiff vor sich hatte.
Der "Imperator" fuhr nur ein Jahr lang die Nordatlantik-Route, dann brach der Erste Weltkrieg aus. Seine letzte Reise unter der HAPAG-Flagge unternahm der "Imperator" im Juli 1914. Der Kriegsausbruchs führte zu einer Zwangspause. Mehr als vier Jahre lang lag das Schiff im Hamburger Hafen fest. Nach Kriegsende nutzte zunächst die US-Armee den Dampfer, um insgesamt 25.000 US-Soldaten von Frankreich zurück nach Amerika zu bringen.
Am 27. April 1919 hatte der "Imperator" zum letzten Mal den Hamburger Hafen verlassen. Ein Augenzeuge schrieb damals: "Fröhliche Weisen waren bei der ersten Triumpffahrt über den Ozean erklungen, nunmehr klang der Ton der Dampfpfeifen wie ein schmerzlicher Abschiedsgruß über die Stadt, die das Schiff niemals wiedersehen sollte." 1921 wurde der "Imperator" im Rahmen der Reparationszahlungen an die britische Cunard-Reederei übergeben. Mehr als 20 Jahre lang fuhr der Dampfer unter seinem neuen Namen "Berengaria" über den Atlantik. Viele Millionäre, Filmstars, große Künstler, aber auch Zigtausende "einfache Leute" erlebten eine der Überfahrten. Auch Kreuzfahrten in die Karibik wurden später angeboten.
Ende 1938 bricht die "Berengaria" zu ihrer letzten Fahrt in den britischen Hafen von Jarrow auf. Dort beginnt die Verschrottung. Aber infolge der Kriegswirren ist das legendäre Schiff erst 1946 komplett abgewrackt.