Helgoland: Kleine Insel ganz groß
Deutschlands einzige Hochseeinsel ist in vielerlei Hinsicht einmalig. mehr
Feierliche Zeremonie auf einem Trümmerfeld: Zur Übergabe Helgolands an die Bundesrepublik werden die Flaggen gehisst - ein Bild mit Symbolkraft.
"Hisst Flagge!" - mit diesen Worten ist am 1. März 1952, fast sieben Jahre nach dem Ende des Naziregimes, auch für Helgoland der Krieg endgültig vorbei. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Friedrich-Wilhelm Lübke nimmt die Insel feierlich in Besitz. Am Südhafen der Hochseeinsel wehen die bundesdeutsche, die Helgoländer und die schleswig-holsteinische Flagge. Schon in der Nacht haben Helgoländer Fischer mit grünen, roten und weißen Signalfeuern - den Farben der Inselflagge - die neue Ära eingeläutet. Auf dem Festland läuten die Kirchenglocken - Helgoland gehört wieder zu Deutschland.
Was offizielle Eingaben der Bundesrepublik nicht zu bewerkstelligen vermochten, haben zwei Heidelberger Studenten mit einer einsamen Protestaktion erreicht: die Briten zur Rückgabe Helgolands zu bewegen. Kurz vor Weihnachten 1950 setzen der damals 22-jährige René Leudesdorff und der 21-jährige Georg von Hatzfeld in Begleitung zweier Journalisten auf die unbewohnte Insel über. In einer "friedlichen Invasion" besetzen sie den Roten Felsen, hissen die deutsche, die europäische und die Helgoländer Flagge und harren zwei Tage und Nächte in eisiger Kälte inmitten von Trümmern und Bombenkratern aus.
Sie wollen ein Zeichen für ein friedliches Europa und gegen die Wiederbewaffnung setzen und fordern die Freigabe der Insel. Ihre Aktion ist unerwartet erfolgreich: In ganz Europa berichtet die Presse darüber, weitere "Inselbesetzer" folgen in den nächsten Wochen dem Beispiel der beiden Studenten und setzen auf die Insel über. Schon bald nehmen die Briten die Verhandlungen mit der Regierung Adenauer auf. Nur wenige Wochen später, am 21. Februar 1951, beschließt die britische Regierung, die Insel zurückzugeben.
Der U-Boot-Bunker, den die Nazis um 1942 erbauen, ist ein wichtiges Ziel der großen Sprengung im April 1947. Er wird komplett zerstört.
Dass Helgoland auch nach Kriegsende in britischer Hand bleibt, ist eine Folge seiner strategisch günstigen Lage in der Nordsee. Ab 1935 ließen die Nationalsozialisten die Insel zur Festung ausbauen, geplant war ein riesiger Flottenstützpunkt. Die Seefestung Helgoland besaß einen Militärflugplatz und ein riesiges Bunkersystem samt U-Bootbunker.
Am 18. und 19. April 1945 fliegen die Briten mit 979 Flugzeugen den letzten großen Bombenangriff des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist Helgoland. 285 Menschen, großteils Soldaten, sterben, die meisten Einheimischen können sich in die Bunker retten. Ihre Häuser werden jedoch komplett zerstört. Einen Tag nach den Bombardements wird die Insel evakuiert, die rund 2.500 Helgoländer müssen aufs Festland ziehen. Sie reihen sich ein in Millionen von Vertriebenen, die infolge des Krieges ihre Heimat verlassen müssen. Am 11. Mai besetzen die Briten die Nordseeinsel.
Kilometerhoch steigt die Rauchwolke nach der Sprengung in den Himmel. Es ist die größte Explosion mit konventionellen Sprengstoff in der Geschichte.
Die Helgoländer sind fort, doch auf der menschenleeren Insel lagert weiter Munition, überall gibt es Bunker und andere militärische Anlagen. Die Briten beschließen, mit einer gewaltigen Sprengung sämtliche Militäranlagen zu zerstören. Am 18. April 1947 um 13 Uhr mittags zünden sie rund 6.700 Tonnen Sprengstoff an verschiedenen Stellen der Insel - die größte Explosion mit nicht-nuklearem Sprengstoff in der Geschichte der Menschheit. Eine kilometerhohe Rauchwolke steigt in den Himmel. Bis heute hält sich die Information, dass die Briten mit der "Operation Big Bang" die gesamte Insel sprengen wollten. Historische Unterlagen sprechen dagegen. Demnach geht es den Briten um eine vollständige Zerstörung aller militärischen Anlagen - dass sie dabei auch Teile der Insel selbst zerstören könnten, nehmen sie allerdings billigend in Kauf. Insgesamt verliert Helgoland durch die Sprengung rund 70.000 Quadratmeter.