Der Hamburger Hafen
Mehr als Container und Warenumschlag - ein Blick hinter die Kulissen. mehr
Vom Stintfang, oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken, hat man den schönsten Blick auf die Werft.
Gegenüber den Landungsbrücken in Hamburg erstreckt sich das riesige Werftgelände von Blohm + Voss. Die Anlagen gehören ins Stadtbild wie der Michel oder die Alster - ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1877. In den 1920er-Jahren beschäftigte die Werft mehr als 10.000 Mitarbeiter - und war einer der größten Arbeitgeber der Hansestadt. Bekannte Schiffe wie die "Europa", "Bismarck", "Wilhelm Gustloff", "Gorch Fock" oder "Cap Arcona" liefen hier vom Stapel.
Die beiden Gründer der Werft sind allerdings "Quiddjes" - Zugezogene aus Lübeck und Fockbeck bei Rendsburg. Wie sind Hermann Blohm und Ernst Voss nach Hamburg gekommen, was verbindet sie und wie haben sie es geschafft, ein Unternehmen von Weltruf aufzubauen?
Diplom-Ingenieur Hermann Blohm bringt den Unternehmergeist ein.
Hermann Blohm kommt 1848 in Lübeck zur Welt. Er stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus: Sein Vater, Georg Blohm, ist erfolgreicher Überseehändler. Hermann Blohm ist seit frühester Kindheit von der Dampfschifffahrt fasziniert und beginnt seine Lehrzeit bei Kollmann und Scheteling, der späteren Lübecker Maschinenbau Gesellschaft (L.M.G). Es folgen eine praktische Station in Bremen, ein Studium der Ingenieurwissenschaften in Hannover und Zürich sowie Anstellungen in Rostock und Hamburg. 1873 geht Blohm nach England, in das zu der Zeit weltweit führende Land im Dampfschifffahrtsbau. Er erweitert sein Fachwissen durch Tätigkeiten bei verschiedenen Werften und Ingenieurbüros.
1876 kehrt der Lübecker zurück in seine Heimatstadt - mit dem festen Entschluss, den Engländern nachzueifern und eine eigene Werft aufzubauen. Diese soll zusammen mit der finanziell angeschlagenen L.M.G. entstehen, denn Blohm ist davon überzeugt, dass Maschinen- und Schiffbau in einem Betrieb vereinigt werden sollen. Doch dann stellt der Hauptaktionär von L.M.G zu hohe finanzielle Forderungen, Blohm zieht sich daraufhin zurück.
Er orientiert sich nach Hamburg - ein Glücksfall, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte: Er lernt den gerade aus England zurückgekehrten Ingenieur Ernst Voss kennen. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und vereinbaren, zusammen eine Werft aufzubauen.
Maschinenbauingenieur Ernst Voss ist das technische Genie.
Auch Voss verfügt über ein umfangreiches Fachwissen im Maschinen- und Schiffbau, das er sich mit sehr viel Fleiß und Ehrgeiz von der Pike auf angeeignet hat: 1842 wird er in Fockbeck bei Rendsburg in einfachen Verhältnissen geboren, sein Vater ist Hufschmied. Nach dem Besuch der Dorfschule beginnt er mit 15 Jahren eine Maschinenbau-Lehre bei der Büdelsdorfer Carlshütte und entwickelt bereits eine Dampfmaschine. Sein Ehrgeiz ist groß: Neben seiner Arbeit - täglich 13 Stunden - nimmt Voss mehrere Jahre Privatunterricht in Mathe, Englisch und Stenografie. Im Zeichnen ist er so gut, dass er bereits mit 16 Jahren eine bronzene Medaille von der Zeichenschule des Rendsburger Arbeiter-Vereins erhält, Jahre später bekommt er für verschiedene Entwurfzeichnungen sogar eine Silbermedaille der Akademie der Künste in Berlin. 1863 beginnt der damals 21-Jährige ein Maschinenbau-Studium am Polytechnikum in Zürich, das er mit besonderer Auszeichnung frühzeitig abschließt.
1864 geht Voss - wie Hermann Blohm - nach England. In London entwickelt er eine Maschine, bei der eine Zentrifugalpumpe durch eine Dampfmaschine angetrieben wird. Auf der Maritimen Ausstellung im französischen Le Havre wird die Konstruktion mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Mit dem Schiffsmaschinenbau kommt Voss erstmals in Sunderland in Kontakt. Hier arbeitet er für die Firma North Eastern Engineering, danach folgt eine Station in Glasgow bei der zur damaligen Zeit weltweit bekanntesten Werft Randolph Elde & Co.
Zusammen mit seinem Schwager Wilhelm Kalkmann will er 1870/71 in Wittenbergen vor den Toren Hamburgs eine Werft gründen. Die Planungen sind schon sehr weit vorangeschritten, doch dann fällt Kalkmann im Deutsch-Französischen-Krieg - Voss muss seine Pläne begraben. Mit 33 Jahren macht er sich schließlich selbstständig. Er arbeitet als Zivilingenieur für Schiff- und Maschinenbau für die Seeschiffversicherungs-Gesellschaft Lloyd's. Durch Zufall lernt er Hermann Blohm kennen: "Im Herbst 1876 besuchte mich in meinem Kontor ein Ingenieur, Herr Hermann Blohm, der aus Glasgow kam und mir einen Gruß von einem meiner dortigen Freunde überbrachte. Er gefiel mir gut, und da das Gefallen auf Gegenseitigkeit beruht haben muss, so besuchte er mich von Zeit zu Zeit auf meinem Kontor", erinnert sich Ernst Voss. Natürlich sprechen die beiden auch über Schiffsbau und die Idee, eine Werft zu gründen - per Handschlag besiegeln sie ihre Zusammenarbeit.