Urlaubsziele
Sehr schöner Anblick vom Tollensesee. Fotografiert von Dorothee Faehnrich aus Neubrandenburg. © NDR Fotograf: Dorothee Faehnrich aus Neubrandenburg
 

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Badekultur in Norddeutschland

von Stefanie Grossmann
Herrenbadestrand in Norderney. © picture-alliance / akg-images Bis in das 18. Jahrhundert galt es als unkultiviert, im Meer zu baden. Dann entdeckten Mediziner die positive Wirkung des Badens auf den Körper.

Bereits 1793 fragte der Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg im Göttinger Taschen Calender: "Warum Deutschland noch kein öffentliches Seebad hat?" Dabei waren Mediziner wie der Travemünder Arzt Johann Georg Walbaum schon damals überzeugt, dass sich Seebäder positiv auf die Gesundheit auswirken würden. In England tauchten bereits 1751 Fürsten auf Anraten ihrer Hofärzte ins Meer. Das war eine Sensation, denn bisher kannten die Menschen nur die Badefreuden der Römer und Griechen im Binnenland. Das Meer galt als unheimlich und unkultiviert, sprich nicht zur körperlichen Erbauung geeignet. Doch die Empfehlungen der Mediziner setzten sich allmählich durch, und während sie Meeresbäder vor allem als Gesundbrunnen für die Industriearbeiter empfahlen, traf sich der Adel aus gesellschaftlichem Anlass in den neu entstehenden Seebädern. Denn nur die Oberschicht konnte sich diese Sommerreisen auch leisten.

Doberan - erstes deutsches Seebad

Die Einrichtung eines Seebades ließ sich ohne Genehmigung der Obrigkeit und ohne Gönner sowie Geldgeber nicht bewerkstelligen. Der Adel war es auch, der in Norddeutschland das erste Seebad gründete. In Doberan - auf dem Heiligen Damm - stieg im Sommer 1793 Friedrich Franz I., Herzog von Mecklenburg-Schwerin, auf Anraten seines Leibarztes Professor Samuel Gottlieb Vogel mit seinem Gefolge in die Fluten. Was mit einem Zelt und einem Wagenschuppen 1794 begann, wurde zum sommerlichen Treff der weiten Welt: In wenigen Jahren wurde das Seebad Treffpunkt adliger Prominenz aus dem In- und Ausland, die ihr Geld im Kasino und auf der Rennbahn ließ und dem Landesvater Gewinne bescherte.

Was in Mecklenburg entstand, wollten andere auch: Immer mehr Küstenorte an Nord- und Ostsee planten Seebäder auf Papier und Sand. 1797 entstand auf Norderney das zweite Seebad, 1802 folgte Travemünde.

Wyk auf Föhr versprach "reine Gesundheit"

Badestrand in Wyk auf Föhr um 1900. © Friesen Museum / Wyk auf Föhr Detailansicht des Bildes Um 1900 gab es in Wyk auf Föhr bereits regen Badebetrieb am Strand. Das erste nordfriesische Seebad wurde 1819 in Wyk auf Föhr errichtet. Am 15. Juli öffnete das "Haus am Sandvall" seine Tore. Überzeugt von der Heilkraft des Meeres und der Luft, initiierte der Landvogt von Colditz mithilfe von Aktionären das Seebad und bot sowohl warme Bäder als auch das Baden im Meer an. Im ersten Jahr logierten 61 Badegäste in Bürgerhäusern. Ein Inselapotheker überprüfte die Qualität des Badewassers und lud die Gäste an seinen Mittagstisch.

Die Gründung des Seebades erfolgte auch aus wirtschaftlicher Not, denn die gewinnbringenden Walfangzeiten waren vorbei, und die Napoleonische Seehandelsblockade schadete der Insel zusätzlich. Anders als viele andere Seebäder verzichtete Wyk auf den Ruf eine glänzende Badeanstalt zu werden. Unter dem Schutz des dänischen Königs verkaufte man im Wilhelminen-Seebad auf Föhr die "reine Gesundheit" - mit bescheidenen Annehmlichkeiten. Doch der Badebetrieb begann zu florieren, bald kamen die Gäste auch, weil er gesellschaftliches Leben abseits vom Alltag versprach. Ab 1842 begann die glanzvollste Zeit für die Wyker. In der "Königszeit" kam der dänische König Christian VIII. alljährlich mit seinem Hofstaat auf die Insel. In seinem Gefolge strömte per Schiff alles herbei, was dazugehören wollte - auch die elegante Welt. In Wyk entstand eine Residenz mit Königshaus und -garten.

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Chronologie
Damen am Badekarren Norderney um 1910. © picture-alliance / akg-images
 

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Bauwerke
Seebrücke Heringsdorf bei Nacht © www.usedom.de
 

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Mit 508 Metern ist sie die längste Seebrücke in Deutschland. mehr

Buch zum Thema

Badeleben an Nord- und Ostsee
Kleine Kulturgeschichte der Sommerfrische.
von Jutta Kürtz
Verlag Boyens & Co., 1994
96 Seiten mit vielen Abbildungen

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