Stand: 14.11.2013 19:00 Uhr

Anti-Terror-Kampf aus Deutschland

von Alexander Tieg, Team Recherche
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US-Soldaten präsentieren Kriegs-Drohnen in Grafenwöhr in Bayern.

Amerika führt seinen Krieg gegen den Terror auch aus Deutschland. Seit den Anschlägen vom 11. September ist in der Bundesrepublik ein dichtes Netz geheimer US-Strukturenentstanden: Amerikanische Agenten spitzeln von Norden in Ostfriesland bis nach Garmisch-Partenkirchen in Bayern. Viele dieser Aktivitäten geschehen mit dem Wissen der Bundesregierung.

Umfassende Recherche von NDR und SZ

Ein Team aus Journalisten von NDR und "Süddeutscher Zeitung" hat systematisch die verborgenen Sicherheitsstrukturen der Amerikaner ausgeleuchtet. In den vergangenen eineinhalb Jahren werteten sie Datenbanken aus, sprachen mit Insidern und besuchten die geheimen US-Orte in Deutschland. In den kommenden Wochen werden der NDR und die SZ täglich neue Details ihrer Recherchen veröffentlichen.

Allein die US-Army hat derzeit etwa 43.000 Soldaten in der Bundesrepublik stationiert, verteilt auf mehr als 40 Militärstützpunkte. Drei Milliarden Dollar gab die amerikanische Regierung im Jahr 2012 in Deutschland aus - mehr Geld verschlang nur der Einsatz in Afghanistan. Das US-Militär teilt die Welt in sechs Regionen auf, jeder ist ein Armee-Kommando zugeordnet. Nur zwei davon sind nicht in den USA stationiert: das Kommando für Europa (EUCOM) und das Afrika-Kommando (AFRICOM). Beide sitzen in Stuttgart.

Hinterzimmer-Deal für US-Standort in Stuttgart

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Die Kelley Barracks in Stuttgart: Von hier werden Drohnen-Einsätze in Afrika koordiniert.

Die Soldaten in den Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen entscheiden, wann und wo US-Kampfdrohnen Raketen in Afrika abfeuern. Hier laufen die Geheimdienstinformationen zusammen. Hier werden die Satellitenbilder ausgewertet. Hier werden die Zielpersonen für Amerikas Drohnenkrieg in Somalia bestimmt. Das amerikanische Afrika-Kommando sitzt seit Oktober 2007 in Deutschland. Über die Stationierung hat der Bundestag nie abgestimmt, es gab keine öffentliche Debatte. Die Entscheidung war ein Hinterzimmer-Deal. Doch die Informationen, die in Stuttgart über Leben und Tod entscheiden, werden auch von den deutschen Partnerdiensten geliefert. Aus Befragungen von Asylbewerbern zum Beispiel, oder aus Gesprächsprotokollen abgehörter Telefonate.

Enge Verbindungen zwischen USA und Deutschland

Die Verquickungen zwischen den deutschen und amerikanischen Behörden sind eng. Wie ist es sonst möglich, dass der Secret Service an deutschen Flughäfen Verdächtige festnimmt? Warum liegt die Planungszentrale für CIA-Foltergefängnisse ausgerechnet in Frankfurt am Main? Weshalb trainieren US-Soldaten in Bayern, wie man Killer-Drohnen steuert? Die deutschen Ministerien verstummen, wenn es um die Aktivitäten der US-Dienste geht. Es lägen keine Erkenntnisse vor. Die Behörden schieben die Zuständigkeit untereinander weiter - und am Ende weiß niemand, ob die Amerikaner in der Bundesrepublik eigentlich überwacht werden. Und wenn ja: Von wem?