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Menschen, die herzkrank sind stellt man sich anders vor. Nicht Basketball spielend, über Bänke steppend, auf dem Ergometer tretend oder Hantel schwingend. Als ich auf Einladung von Rudolf Eismann zum SC Melle 03 fahre, um zu erleben, was Herz-Reha-Sport tatsächlich heißt, hätte ich nie gedacht, dass ich beim Training mit den 40- bis 86-Jährigen auch selber aus der Puste kommen würde. Aber so war es.
Der Besuch in Melle hat Vera Cordes imponiert. Ob mit Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Bypässen oder Stents in der Brust: Die Herz-Reha-Sportler nutzen ihre Chance und fordern sich.
Der Verein ist der fünftgrößte in Niedersachsen und hat mehr als 6.000 Mitglieder. 800 davon gehören zur Reha-Abteilung - die Herzsportler inklusive. Als ich eintreffe, erhalte ich erst mal nette Gastgeschenke vom Vorstand. Unter anderem ein Original-Vereinstrikot. Dunkelrot mit weißer Schrift. Perfekt integriert geht's los: Warmlaufen, rückwärts, vorwärts, seitwärts und immer wieder Puls messen. Die Übungs- und die Trainingsgruppe machen an diesem Abend extra für mich gemeinsame Sache. 35 Männer und Frauen, die in ihrem Leben schon etliche Probleme mit der Pumpe hatten, flitzen um mich herum. Darunter sogar ein Teilnehmer mit Defibrillator in der Brust, einem Elektroschockgerät also, weil er schon mehrmals reanimiert werden musste. Ich bin beeindruckt von dem Elan, den alle an den Tag legen. Niemand - so wird mir versichert - lässt den Donnerstagabend freiwillig sausen. Ein Glück, dass Visite dienstags läuft!
Vera Cordes beim Interview mit Rudolf Eismann vom SC Melle 03.
Was dazu kommt: Dieser Sport wird von den Krankenkassen bezahlt, weil er ärztlich verordnet ist. "Und außerdem haben wir unheimlich viel Spaß dabei", versichert mein Gastgeber Rudolf. Er hat früher beim VfL Osnabrück Handball gespielt hat - "sogar ganz weit oben in der Liga" und kommt auf ein weiteres großes Hobby zu sprechen: das Züchten von Brieftauben. Die Tauben hat er zwar inzwischen abgeschafft, aber dafür entwickelt er heute Software, die weltweit genutzt wird, um zu messen, wie schnell die Täubchen von A nach B fliegen - und das sogar unter Einbeziehung der Erdkrümmung. Faszinierend. Doch darüber müssen wir uns ein anderes Mal unterhalten, denn Trainerin Gabi und die anwesende Ärztin behalten den Überblick und "scheuchen" uns freundlich, aber bestimmt zum Ergometertraining.
Der Gastbesuch in Melle hat mir imponiert ... und zu denken gegeben: Ob mit Herzschwäche, Rhythmusstörungen, drei Bypässen oder einem halben Dutzend Stents in der Brust: Die Meller Herz-Reha-Sportler nutzen ihre Chance und fordern sich. Sie wissen: Sport ist für ihr Herz die beste Medizin. Mancher, der in seinem Leben vor dem Infarkt keinen Schritt in eine Sporthalle getan hat, ist jetzt fitter denn je. Karlheinz (Name geändert) zum Beispiel, der im Februar einen Herzinfarkt hatte: "So ein Rezept für Sport und Spaß lösen Sie doch viel lieber ein als eins für Pillen!"