Videotext-Seite 150: Lesen statt Hören

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Videotext 150 - die Seite mit Untertiteln

Untertitel sind vor allem für Menschen gemacht, die gar nicht oder nur schlecht hören. Für sie sind sie der Zugang zum Fernsehen, zum wichtigsten Informationsmedium unserer Gesellschaft. Nach Angaben der Verbände gibt es in Deutschland rund 14 Millionen Menschen, die in ihrer Hörfähigkeit eingeschränkt sind. Etwa die Hälfte hat Probleme, dem Fernsehen missverständnisfrei zu folgen. Untertitel sind aber nicht nur ein Instrument der Barrierefreiheit. Sie dienen auch vielen Zuschauern - zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund - dazu, die deutsche Sprache zu lernen. Einen weiteren Nutzen haben Untertitel überall dort, wo Fernsehbilder gezeigt werden, ohne dass der Ton zugeschaltet ist - wie an Flughäfen oder in Gaststätten.   

Wiedergabe von auditiven Inhalten

Seit Einführung des Videotextes in Deutschland gehören Untertitel zum Angebot der öffentlich-rechtlichen Programme. Auch das NDR Fernsehen bietet im Teletext die Möglichkeit, sich auf der Seite 150 zu zahlreichen Sendungen Untertitel am unteren Bildschirmrand anzeigen zu lassen. Alle auditiven Inhalte - das gesprochene Wort, Geräusche oder Musik - werden dabei als Text eingeblendet, sodass der Film oder die Fernsehsendung anschaulich wiedergegeben wird.

Konsequenter Ausbau des Untertitel-Angebots

In den vergangenen Jahren hat der NDR sein Untertitel-Angebot stetig ausgebaut. Neben der Nachrichtensendung NDR aktuell und dem Vorabendmagazin DAS!, das seit 2007 täglich mit Untertiteln ausgestrahlt wird, werden zahlreiche andere Formate untertitelt: von den Expeditionen ins Tierreich über Die Nordreportage oder Lust auf Norden bis zur Landpartie oder Neues aus Büttenwarder. 2011 wurden 38 Prozent des NDR Fernsehprogramms mit Untertiteln ausgestrahlt, Ende 2012 waren es durchschnittlich 42 Prozent. Seit Oktober 2013 gehören auch die vier Landesmagazine zum Angebot - diese werden zeitgleich um 18 Uhr und 19.30 Uhr live in vier Bundesländern gesendet. Ende 2014 lag die Quote der untertitelten Sendungen im NDR Fernsehen bei durchschnittlich 71 Prozent.

Mehr Untertitelung für das Erste

Darüber hinaus untertitelt der NDR auch zahlreiche seiner für das Erste produzierten Sendungen, darunter Tatort, Polizeiruf 110, Günther Jauch, Anne Will, Titel Thesen Temperamente, Abenteuer Erde, Plusminus, Weltspiegel, Weltreisen, Das Wort zum Sonntag, die Gottesdienste sowie alle seine großen Spielfilm-Produktionen. Seit Januar 2013 versieht der NDR alle seine Erstsendungen sowie die von Radio Bremen für das Erste produzierten Sendungen mit Untertiteln.

Minutiöse Vorbereitung der Fernsehsendung

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Die Untertitel-Redakteure arbeiten eng mit den Fernsehredaktionen zusammen.

Im NDR Fernsehen gibt es im Wesentlichen zwei Arten von Sendungen: live ausgestrahlte und aufgezeichnete. Die Produktion der Untertitel ist in beiden Fällen eng mit der des Fernsehprogramms verknüpft und erfordert einen großen Aufwand. Jeder einzelne Textblock muss geschrieben und dann synchron zum Bild gesendet werden. Nur die gute Zusammenarbeit zwischen der Fernsehredaktion, Sendetechnik und den Kollegen der Untertitelung ermöglicht es, Live-Sendungen wie Anne Will oder Günther Jauch zu realisieren. Jede Sendung wird minutiös vorbereitet. Es gibt einen festgelegten Ablauf, der bestimmt, was wann zur Ausstrahlung kommt. Viele Live-Sendungen haben zudem vorproduzierte Teile in Form von Einspielern oder vorhandenen Textpassagen.

Untertitel an den Inhalt anpassen

Der Untertitel-Redakteur bereitet eine Sendung analog zum Sendeablauf vor. Er erhält von der Fernsehredaktion die Beiträge und textet sie entsprechend um. Formal unterliegen Untertitel bestimmten Beschränkungen, was eine Bearbeitung von Originalsätzen erforderlich macht. Gesprochene Sprache unterscheidet sich deutlich von geschriebener. Sie hat ihre eigenen Regeln auch im Hinblick auf die grammatischen Strukturen. Außerdem muss neben dem Untertitel-Text auch das Bild wahrgenommen werden können. Zudem achtet der Redakteur darauf, eine Sprache zu wählen, die der sprachlichen Form des Inhalts angepasst ist.

Live: Wenn es schnell gehen muss

Für einige Programmteile einer Sendung gibt es keine vorgegebenen Inhalte. Diese müssen mithilfe einer Spracherkennung live untertitelt werden. Dabei spricht der Redakteur die im Fernsehen gesprochenen Texte nach. Eine Software wandelt das Gesagte um und sendet es. Dazu muss der Redakteur in der Lage sein, die Inhalte in sendefähige Sätze umzuformulieren. Bei dieser Art der Untertitelung ist eine zeitliche Verzögerung nicht zu vermeiden.

Untertitel: Der Weg auf den Bildschirm