Autorenabzocke? Die Methoden beim "Landspiegel"

Wohnen, Kochen, Gärtnern, hochglänzend und doch bodenständig - das ist zurzeit die Erfolgsformel auf dem Zeitschriften-Markt. Die "Landlust" hat es vorgemacht, und ganz viele machen es nach. So auch der "Landspiegel". Nur dass der zwar Wellness, also Wohlgefühl verspricht, aber nicht hält. Zumindest nicht für freie Autoren. ZAPP über den Mist dahinter.

Ein Film von Grit Fischer.

Der "Landspiegel" ist ein Magazin, das dem Leser Romantik, heile Welt und Wellness verspricht. Seit gut einem Jahr erscheint dieser Titel alle zwei Monate mit einer Auflage von 120.000 Heften. Marion Seigel und Darius Harwardt sind zwei freie Autoren, die von der Redaktion des "Landspiegels" angeworben wurden.

Marion Seigel: "Ich bin über ein Autorenportal im Internet angesprochen worden von einem Redaktionsmitglied der Redaktion 'Landspiegel', der einen Text von mir aus dem Bereich Altenpflege/Demenz gelesen hat und gemeint hat, ich sei doch bestimmt auch geeignet, das Dossier Generationenkonflikt zu bearbeiten, weil ich ja so viel über dieses Thema weiß. Das kam mir erst mal nicht ungewöhnlich vor, weil ich schon ein paar Mal angesprochen worden bin."

Darius Harwardt: "Ich dachte aha, das ist ein Magazin, was sich für Nachhaltigkeit einsetzt und auch irgendwie offensichtlich gesellschaftliche Verantwortung und so schreibt. Also war ja eigentlich ein ganz gutes Renommiere und ich dachte mir, umso besser, wenn ich da meinen Beitrag zu leisten kann, freue ich mich natürlich."

Also nahm Darius Harwardt das scheinbar gute Angebot an und schrieb für den "Landspiegel" ein großes Dossier. Rund 1.300 Euro sollte er dafür bekommen wie seine Kollegin Marion Seigel. Seit Mitte vergangenen Jahres kämpfen sie nun um ihr Honorar.

Darius Harwardt: "Per E-Mail kam gar keine Antwort und telefonisch wurde ich dann darauf hingewiesen, ja, es würde sich alles ein bisschen verzögern, der Druck wäre irgendwie später und deswegen würden auch die Honorare später ausgezahlt werden und so weiter. Das habe ich am Anfang auch noch geglaubt."

Wer zahlt das Honorar?

Doch bis heute ist das Geld nicht eingegangen und das, obwohl  es einen Vertrag gibt. Den sollten die Autoren nicht mit dem "Landspiegel", sondern einer Firma namens FOOXX GmbH schließen. Der Verlag, in dem der "Landspiegel" erschien. Deshalb verwies der Herausgeber des Magazins, Horst Heiko Weising, die Autoren mit ihrer Honorarforderung an die FOOXX GmbH. Er selbst könne nichts tun. Dabei hat dieser Horst Heiko Weising die Verträge selbst unterschrieben, als Generalbevollmächtigter der Firma FOOXX.

Darius Harwardt: "Es ist für mich sehr undurchsichtig. Ich hab mich natürlich dann auch aus eigenem Interesse viel damit beschäftigt und bin auf ein sehr unübersichtliches Geflecht von irgendwelchen Firmen oder Scheinfirmen gestoßen, die irgendwie mit 'Landspiegel' oder der FOOXX GmbH zusammenhängen. [...] Da muss irgendwie eine Taktik hinterstecken, das scheint irgendeine Verschleierung zu sein."

Verschleierung? Die Recherche führte nach Bad Honnef. Laut Autorenvertrag ist hier die Adresse der FOOXX GmbH. Doch eine FOOXX sucht man hier vergeblich, findet dafür aber die "Landspiegel"-Redaktion. Die erklärt ZAPP: Sie würden seit August gar nicht mehr mit FOOXX zusammenarbeiten. Neuer Versuch in Königswinter: Laut Handelsregister sitzt die FOOXX GmbH hier. Aber an dieser Adresse steht das Bahnhofsgebäude. Ein paar Kilometer weiter in Bonn: Die FOOXX GmbH hat sich umbenannt in FOOXX newmedia GmbH. Neuer Name und wieder eine neue Adresse. Aber die Firma ist auch hier nicht zu finden. Vielleicht ja, weil diese FOOXX newmedia Ende letzten Jahres Insolvenz angemeldet hat.

Darius Harwardt: "Das scheint irgendwie offensichtlich eine Masche zu sein und dann sind wir jetzt auf insgesamt, ja über sechs Fälle gestoßen, bei denen Autoren im Prinzip ihre Bezahlung nicht oder nur zum Teil erhalten haben oder wesentlich später erhalten haben und es lief eigentlich in fast allen Fällen ähnlich ab wie bei mir."

Marion Seigel: "Ich hab den Eindruck, dass das alles Briefkastenfirmen sind. Dass das alles irgendwie immer, wenn das eine nicht mehr klappt, dann ziehen wir um, dann haben wir eine neue Adresse, dann löschen wir irgendeine GmbH aus dem Handelsregister, dann machen wir da eine neue und dann setzten wir da einen neuen Geschäftsführer ein. Aber die ganzen beteiligten Personen haben irgendwie noch immer miteinander zu tun."

Anstehende Insolvenz

Auf ZAPP Anfrage reagierte FOOXX erst heute, verweist auf die anstehende Insolvenz.  Die Verbindung zur Internetseite ist abgestellt, aber ihr Inhaber ist noch zu finden. Er heißt  Horst Weising, so wie der Herausgeber des "Landspiegels" - der, der ja FOOXX und "Landspiegel" stets voneinander trennt. Jetzt erscheint  der "Landspiegel" in einem anderen Verlag: der mars.MGM corporation - mit Sitz in New York und Klingelschild in Bad Honnef. Merkwürdig, auch deren Internetseite funktioniert nicht. Inhaber der Seite ist Horst Weising. Eine zufällige Verbindung?

Marion Seigel: "Wir haben uns inzwischen zusammengetan. Wir sind ein paar freie Autoren, die alle für den 'Landspiegel' gearbeitet haben und die alle auf ihr Honorar warten, und wir sind gerade dabei zu prüfen, ob wir nicht eine Strafanzeige wegen Betrugs machen."

Dass die Autoren je an ihr Geld kommen werden, daran glauben sie schon gar nicht mehr.

Darius Harwardt: "Mir geht es vor allem darum irgendwie, dass diese verantwortlichen Personen nicht mehr weitermachen können mit diesem Geschäft, weil ich ja getäuscht wurde in ganz perfider Art und Weise."

Marion Seigel: "Ich selber rechne mir keine Chancen aus. Ich möchte nur nicht, dass die so einfach weitermachen können, so ungestraft, ja? Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass das hier in unserm Land möglich sein kann."

Der Herausgeber des "Landspiegel", Horst Weising, war nicht zu einem Interview vor der Kamera bereit, beruft sich auf die anstehende Insolvenz der FOOXX newmedia. Der "Landspiegel": Romantik, heile Welt und Wellness für den Leser. Für die Autoren eher eine Horrorgeschichte.

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