Sendedatum: 21.09.2011 23:20 Uhr  | Archiv

Zensiertes Netz - Türkei beschränkt Internet

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Zurzeit ist Präsident Gül in Deutschland.

Seit Recep Tayyip Erdogans Partei AKP vor neun Jahren an die Macht gekommen ist, ändert sich das Bild in der Türkei immer mehr zugunsten der gemäßigten Islamisten. Zwar bekräftigt Präsident Abdullah Gül auf seiner derzeitigen Deutschlandreise den Wunsch nach einer EU-Vollmitgliedschaft. Doch im Land bestimmt der Konservatismus vielerorts das Straßenbild. Öffentliche Freitagsgebete sind inzwischen zum festen Bestandteil des Alltags geworden, und die Andersdenkenden werden immer mehr eingeschränkt.

Besonders umstritten sind die Pläne der Regierung, das Internet weiter zu beschränken. Bis zu 20.000 Seiten sind bereits jetzt für die Internetnutzer nicht zugängig. Nicht nur die Seiten der sogenannten kurdischen Separatisten, sondern auch harmlose Seiten wie die vom Männermagazin Playboy.

 

Türken demonstrieren gegen Pläne der Regierung © NDR

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Ein Film von Halil Gülbeyaz.

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"Familien-" und "Kinderpakete" für einen sicheren Internetzugang?

Die türkischen Behörden gehen noch einen Schritt weiter und haben im August beschlossen, dass sich die Einwohner in den kommenden Monaten für den Zugang ins Netz für ein Paket entscheiden sollen, etwa ein sogenanntes Kinder- oder ein Familienpaket. Das würde bedeuten, dass Hunderttausende Internetseiten für den türkischen Nutzer versperrt werden.

Politiker wie der Verkehrsminister Binali Yildirim argumentieren damit, dass Familien bereits ihren Internetvertrag kündigen, um ihre Kinder vor unerwünschten Websites zu schützen. Kritische Fachleute lächeln nur über solche Argumente der Politiker. Denn ein Programm, das die jugendgefährdenden Internetseiten filtert, würde nur ein paar Euro kosten. Wenn die türkische Regierung es ehrlich meine und nur Glückspiele und Pornoseiten verbieten wolle, dann solle sie doch diese Programme an diese Menschen kostenlos verteilen, sagen sie.

Demonstrationen gegen Internetzensur

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Tausende demonstrierten gegen die Internetzensurpläne der Regierung.

Kaum wurde die verschärfte Internetzensur bekannt, da gingen Tausende Menschen in vielen türkischen Städten spontan auf die Straße und demonstrierten gegen das Vorhaben.  Schnell gab es Versuche, die Demonstranten zu diffamieren. Sie wurden von manchen Politikern beschuldigt, Pornoanhänger zu sein.

Viele Menschen in der Türkei wollen die Internetfilter nicht hinnehmen. Hacker-Gruppen haben bereits angekündigt, das Filter-System anzugreifen und den Nutzern auf Wunsch Hilfe zu leisten.

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.09.2011 | 23:20 Uhr

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