Kreative PR - Piratenpartei und etablierte Medien

Die Piraten als Computeranimation. So wird der sensationelle Erfolg der neuen Hauptstadt-Partei den Zuschauern in Taiwan erklärt. Der asiatische Nachrichtensender, der das Weltgeschehen in Clips animiert, lässt die Piraten bekifft über den Strand laufen. So sind die echten Piraten in Berlin bislang nicht aufgetreten, aber ihr Politik-Stil ist dennoch gewöhnungsbedürftig. Auch für die Presse.

Ein Film von Boris Rosenkranz und Mareike Fuchs.

Endlich mal eine Partei, die im Wahlkampf nicht so dahin dümpelt. Die Piraten liefern ungewöhnliche Aktionen und willkommene Bilder für Journalisten.

Jan Thomsen, Redakteur der "Berliner Zeitung", meint: "Das Äußere ist das erste, was einem auffällt, logisch. Wenn man hingeht ins Parlament, fällt einem gleich der Blaumann auf, den gab es noch nicht im Parlament, jetzt gibt es ihn."

Steffen Kraft, Redakteur der Zeitung "der Freitag", sagt: "Gerade in Berlin ist das, ich sag mal das politische Milieu zumindest auf Landesebene relativ piefig, nach wie vor. Und als die Piraten da reinkamen, ist das natürlich, war das natürlich schön."

Und nicht nur das. Die Neulinge in der sonst so faden Politik sind auch so anders – zu hören in den Statements nach der Wahl:

"Wir sind noch ziemlich weggehämmert." (ZDF, "log in", 18.9.2011).

"Einen schönen Gruß in Ritterbutzke, wo jetzt viele Piraten feiern, die da möglich gemacht haben, feiern." (ARD, "Wahl 2011", 18.9.2011).

"Ja, ich habe auch noch eine gelbe, grüne, rote, schwarze, weiße Latzhose." (ZDF, "Markus Lanz", 20.9.2011).

Offenheit als Merkmal

Dass diese Typen bei der Wahl in Berlin neun Prozent holen, hatte kaum jemand gedacht, auch die Journalisten nicht. Die mühten sich im Wahlkampf, die Jungspunde aufs Glatteis zu führen, mit ganz klassischen Fragen.

Auf die Frage des Moderators "Wissen Sie, wie hoch die Verschuldung des Landes Berlins derzeit ist?", antwortet der Spitzenkandidat Andreas Baum: "Nein, ich weiß, dass es viele Millionen Euro sind, die genaue Zahl kann ich aber nicht sagen." - Moderator: "Es sind rund 63 Milliarden." (RBB, "Klipp und Klar – Wahl 2011", 1.9.2011).

Jan Thomsen: "Die Szene beim RBB wurde gefeiert als Sieg des kritischen Journalisten über den schwachen Piraten. Das finde ich aber ein bisschen einfach, muss ich sagen. Weil die ja wirklich offen zugeben, dass sie etwas nicht wissen und noch lernen wollen, und nicht so tun, als wüssten sie etwas, und man sie dann sozusagen bei diesem Punkt erwischt."

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Jan Thomsen, Redakteur "Berliner Zeitung" © NDR
 
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Das Interview mit Jan Thomsen, Redakteur "Berliner Zeitung".

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Statt genieren, kokettieren. Mit ihrer Offenheit punkten die Piraten bei den Wählern. Und kontern mit einem Programm, über das jeder den Schuldenstand Berlins im Internet abrufen kann.

Jan Thomsen: "Man scheitert natürlich dann sozusagen mit dem klassischen Instrumentarium von 'ich entlarve dich jetzt in deinen Thesen, weil ich die Widersprüche aufdecke'. Da sagen die ganz offen: Die Widersprüche gibt es, aber da kümmere ich mich drum und fragen Sie bitte in einem halben Jahr nochmal nach."

Steffen Kraft: "Und damit haben sie, glaube ich, etwas ganz Entscheidendes gezeigt. Nämlich dass auch die Leute, die solche Fragen nicht beantworten können, nämlich ehrlich gesagt wie die meisten von uns, auch von den Medienleuten, dass die auch ein Recht haben, trotzdem mitzumachen in der Politik."

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Steffen Kraft, Redakteur "der Freitag" © NDR
 
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Das Interview mit Steffen Kraft, Redakteur "der Freitag".

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Annährung zwischen Piraten und Journalisten

Und nun machen sie also mit, die Piraten, und geben ein Interview nach dem anderen. Und wissen schon genau, was die Journalisten von ihnen wollen.

Christopher Lauer, Abgeordneter der Piratenpartei: "Jetzt passiert was ganz Tolles: Ich zeige Ihnen das Internet, dann kriegen Sie auch Ihre Symbolbilder."

Und wer sogar schnöde Symbolbilder so locker verkauft, kriegt auch die Sympathien der Journalisten. Im Internet sind die Piraten zuhause. Hier berichten sie und laden alle ein, sie zu dort zu besuchen, zuzusehen wie sie Politik lernen. Dass sie eine Fraktionssatzung brauchen, und dass Jochen sich informiert und im Laufe der Woche in die Bibliothek geht. Es ist eine Mitmach-Strategie, die bisher offen für alle ist.

Steffen Kraft: "Die tummeln sich in sozialen Netzwerken. Es gibt im Grunde keinen, ich sag mal wichtigeren Kandidaten, der keinen Twitter-Account hat, der nicht präsent ist im Netz. [...] Aber da ist auch schon was dahinter, nämlich dass sie wirklich versuchen, die Leute mitreden zu lassen, ob jetzt Mitglied oder nicht."

Jan Thomsen: "Das ist schon spannend. Und also, es ist eine andere Methode als das Expertentum und die geschlossen Zirkel, die Klüngelrunden oder die Hinterzimmergeschichten, die üblich sind in der etablierten Politik."

Sie werden sich sicher aneinander gewöhnen. Die Journalisten sich an die lockeren Polit- Freaks und die Piraten an die an diese penetranten Fragensteller.

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Piratenpartei und etablierte Medien

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Taiwanesische Animation zur Berliner Wahl der Piratenpartei © nma.tv
 

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Blogeintrag auf berlin.piratenpartei.de vom 14.09.2011.

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Blogeintrag auf piratenfraktion-berlin.de vom 20.09.2011.

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Das Piraten Partei Logo auf einem orangenen Stofftransparent © dpa Fotograf: Kay Nietfeld
 

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