"Occupy WallStreet": Protest der Netzwerker

Stehen wir etwa vor einer echten Revolution? Einem Aufstand des Volkes gegen die Macht der Finanzwelt der Banken? In den USA demonstrieren seit fast vier Wochen Bürger in der New Yorker Wall Street. Mittlerweile hat sich der Protest auch auf andere amerikanische Städte ausgeweitet. Und was ist hierzulande? Für den kommenden Samstag ist ein internationaler Aktionstag angekündigt, der auch die Bürger in Deutschland auf die Straße treiben soll. Aber wie formiert sich eigentlich eine solche Bewegung? Und wie gehen die Journalisten damit um?

Ein Film von Daniel Bröckerhoff und Tina Schober.

Aufruhr in Manhattan. Aufgebrachte Bürger protestieren gegen die Macht der Finanzkonzerne. "Occupy Wall Street" - besetzt die Wall Street - ein Schlachtruf Tausender, der die Menschen in ihrer Wut über die Gier der Mächtigen eint, auch in Deutschland. "Besetzt Hamburg", fordern sie hier. Die Aktivisten von "Occupy Hamburg" bereiten ihre erste große Demonstration vor. Die Bilder aus den USA motivieren sie. Einer von ihnen ist Thomas Andreas Heitz: "Als erstes hab ich es wirklich übers Internet erfahren und hab mich selber sehr gewundert, warum hier in der deutschen Presse nichts zu hören war. Da ging die Bewegung bestimmt schon über eine Woche und ich hab dann selber einen kleinen Blog gemacht und mich gefragt, warum erfährt man hier nichts."

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Thomas Andreas Heintz, "occupy-Aktivist" © NDR
 
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Das Interview mit Thomas Andreas Heitz, "occupy"-Aktivist.

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Anfangs berichten tatsächlich nur wenige Online-Medien über die Proteste in den USA. Wolfgang Blau, Chefredakteur von "Zeit Online", meint: "Online-Medien greifen dieses Thema sicher etwas früher auf, weil Online-Redakteure schon viele Tage früher mitbekommen, welche Dynamik dieses Thema hat."       

Das Netz nutzen

Auch die Dynamik in den arabischen Ländern wurde von vielen Medien zunächst unterschätzt. Die Aufstände in Ägypten gipfelten in einer Revolution. Der arabische Frühling hatte seinen Ursprung im Netz, wie auch die Proteste in Spanien vor einigen Monaten und nun die "occupy"-Bewegung. In Blogs wird zum Protest aufgerufen, "occupy" wird zum weltweiten Twitter-Schlagwort. Die Protestler organisieren sich in Facebook-Gruppen, planen ihre Treffen auf Plattformen wie "meetup" und veröffentlichen ihre Botschaften in zahlreichen Videos auf Youtube.

Wolfgang Blau: "Es ist ja auch beachtlich, mit welcher Kompetenz die Organisatoren dieser Proteste vorgehen. Es gibt inzwischen ja auch einen 'Tumblr'-Blog 'We are the 99%', denen eben nicht die Mehrheit des Wohlstands in den USA gehört. Ein 'Tumblr'-Blog auf dem amerikanische Bürger Schilder vor eine Kamera halten und ihr persönliches Lebensschicksal erzählen, also eine sehr visuelle Art ihre Stimmung zu transportieren."

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Wolfgang Blau, Chefredakteur "Zeit Online" © NDR
 
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Interview mit Wolfgang Blau, dem Chefredakteur von "Zeit Online" zum Zapp Beitrag "Occupy WallStreet: Protest der Netzwerker".

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Sie erzählen ihre Geschichten im Netz und schaffen sich so ihre eigene Medienagenda. Viele Journalisten warten die Entwicklung erst mal ab, haben anfangs Probleme mit der "occupy"-Bewegung.

Bewegung ohne Führung

Christian Stöcker, Redakteur bei "Spiegel Online", erklärt: "Diese Gruppen sind für Journalisten deshalb schwer fassbar, weil sie keine klare Führungsstruktur haben in der Regel. Also man weiß nicht, wen man anrufen soll, es gibt keine Pressestelle. Es ist oft so, dass es auch keinen klar definierten Anfang und kein klar definiertes Ende für irgendwelche bestimmten Aktionen gibt."

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Christian Stöcker, Redakteur "Spiegel Online" © NDR
 
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Das Interview mit Christian Stöcker Redakteur "Spiegel Online".

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Und es fehlt an einer Gallionsfigur des Protestes. Statt charismatischer Köpfe an der Spitze ist es eine namenlose Masse.

Wolfgang Blau: "Was nach medialer Logik aber immer sehr gern gemacht wird, ist eine Personalisierung. Und das fällt in der Tat schwer [...] das ist schon ein Wesen des Internet, dass es inzwischen möglich ist, sich so dezentral zu organisieren, dass man diese eine Führungsfigur nicht mehr benötigt."

Thomas Andreas Heitz: "Dass es natürlich nicht so schön pressetauglich ist wie andere Stories, wo es einen Aufhänger gibt, eine Aktion, eine Bewegung, vielleicht auch ein Gesicht ist mir klar, aber [...], bei dieser Bewegung könnten wir auf die große Presse, auf die großen Gesellschaften, Meinungsgesellschaften, Fernsehen, TV fast komplett verzichten."

Fast. Denn weltweit bekannt wird die Bewegung erst, als die Demonstrationen in den USA eskalieren und die Bilder von Festnahmen auch im Fernsehen laufen.

Tagesthemen vom 02.10.11: "Schon vor einer Woche kam es zu einem Zwischenfall: junge Frauen demonstrieren friedlich, bis ein Polizist mit Pfefferspray auf sie losgeht." (ARD).

Christian Stöcker: "Ich glaube, in dem Fall war es eher so, dass diese Symbolbilder dazu beigetragen haben, dass diese Bewegungen oder diese Versammlungen mehr Zulauf bekommen haben. Weil sobald man einen David zeigen kann, der vom Goliath noch kleiner gemacht wird, ist es sehr viel leichter eine Emotionalität hervorzurufen bei den Leuten."

David gegen Goliath, so fühlen sie sich in Hamburg auch. Ob ihr Protest so erfolgreich sein wird wie in den USA, ist völlig offen. Doch die mediale Aufmerksamkeit haben sie jetzt. Erst mal.

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Occupy-Wallstreet-Proteste

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Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

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01.06.2012 01:15 Uhr

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Teilnehmer der Bewegung Occupy Wallstreet © picture-alliance/dpa Fotograf: Gino Domenico
 
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Finanzkrise: Bürger gegen Banken!

11.10.2011 | 21:15 Uhr
Menschen und Schlagzeilen

Nach amerikanischem Vorbild haben auch in Norddeutschland Bürger gegen die Macht der Banken protestiert.

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