Verharmlosung: Medienstrategie der Hells Angels

Dicke Oberarme und eine noch dickere Maschine, möglichst tätowiert und einen entschlossenen Gesichtsausdruck - so präsentiert sich der klassische Motorradrocker gern. Allen voran die Mitglieder der "Hells Angels", der bekannteste Biker-Vereinigung in Deutschland. Alles Easy Rider. Denn, nein, gefährlich seien sie nicht, betonen sie stets, und inszenieren ihr Image als 'dein Freund, der Rocker, nett und hilfsbereit'. Leider haben die "Hells Angels" mit Nettigkeit wenig zu tun.

Ein Film von Gita Datta und Stephanie Zietz.

So sehen sich die Mitglieder der "Hells Angels" am liebsten: als Cowboys der Straße, als wilde Kerle. Die Autorin des NDR Features "Die neue Macht der Rocker", Gita Ekberg, meint: "Sie wissen eben auch um die Macht der Bilder und Macht der Bilder heißt in dem Moment [...] wenn da Leute in Kutte auftauchen mit schweren Maschinen, das sie versuchen, dieses Bild auch immer wieder so in die Öffentlichkeit zu transportieren, um eben von ihren anderen Dingen, die sie tun, abzulenken."

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Gita Ekberg, Autorin "Die neue Macht der Rocker" © NDR
 
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Das Interview mit Gita Ekberg, Autorin "Die neue Macht der Rocker".

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Denn die Realität sieht anders aus: Kriminalität und Gewalt. Doch negative Schlagzeilen sind unerwünscht. Die "Hells Angels" regieren den Rotlichtbezirk wie in Hannover, wollen dabei aber nicht von Fernsehkameras gestört werden: "Wir wollen mit euch nichts zu tun haben, macht das da hinten, kein Thema, filmt Eure anderen Straßen, uns scheißegal. Unsere Straßen hier wollen wir nicht haben." - Weiteres Hells-Angels-Mitglied: "Hör mal, die Linse nicht auf mich, sonst hau ich dir das Ding in Graben. Ja, ich kann da genau reingucken. Guck ich hier weiter rein, hau ich dir das Ding in Graben, alles klar? (NDR, 45 Minuten, 10.10.11).

Solche Bilder alarmieren die Öffentlichkeit. Und das erschwert die Geschäfte. Eine eigene Medien-Website soll das Image gerade rücken.

Sprecher: "Willkommen bei 'Hells Angels Media'. Wir möchten euch an dieser Stelle ganz kurz darüber informieren, warum wir diese Seite eingerichtet haben. Wir der 'Hells Angels MC' sind der Meinung, dass Medien da draußen über uns nur noch einseitig berichten." (www.hellsangelsmedia.com).

Für Christine Kröger vom "Weser Kurier" haben sie "gemerkt, dass immer mehr Medien ihnen und ihrer PR-Strategie nicht auf den Leim gehen und kritisch über diese Organisation berichten, so dass sie also versuchen, sich eigene Plattformen aufzubauen, über die sie ihre Sicht der Dinge kommunizieren wollen".

Imagepflege auch über Soziales Engagement

Die Mitglieder der "Legion 81", einer Unterstützerorganisation der "Hells Angels", gründeten den Sozialladen e.V. und luden zur Eröffnung auch Heide Simonis. Sie ahnte wohl nicht, wen sie medienwirksam besuchte. Es war eine gelungene PR-Aktion für die "Hells Angels".

Andreas Kühn vom LKA-Niedersachsen: "Das Image wird insbesondere dadurch versucht aufzubessern, dass man sich sozial engagiert. Das wiederum erfolgt aber nicht uneigennützig, sondern durch dieses soziale Engagement, so ist unsere Bewertung, macht man sich gesellschaftsfähig. Und mit dieser Gesellschaftsfähigkeit erreicht man dann, ja, das Erfüllen der eigenen wirtschaftlichen Interessen."

Wirtschaftliche Interessen, getarnt als Gutmenschentum. Der vorbestrafte Pressesprecher Django, alias Rudolf Triller, legt noch einen drauf und diffamiert die Helios Klinik, die eine Spende der "Hells Angels"s ablehnte: "Mich erinnert die Haltung der Helios Klinik in Schwerin an ein Lied, ich glaub sogar aus der ehemaligen DDR, in dem es um die Verletzlichkeit von Kindern geht. Der letzte Satz des Liedes lautete: 'Menschen ohne Rückgrat haben wir schon genug.' Ich hoffe, Förderverein und Klinikleitung fühlen sich angesprochen. Ach ja, die Spende. Die 1.200 Euro kamen mittlerweile einer Familie zu gute, in der ein kleiner Junge an Leukämie leidet. Das Geld wurde dankbar angenommen." (www.hellsangelsmedia.com).

Promis als Fürsprecher

Für die Erfüllung der eigenen Interessen wird auch ein ehemaliger Bundesrichter vor den PR-Karren gespannt. Heinrich Maul soll beantworten, ob er in dem Vorgehen der Polizei gegen die "Hells Angels" einen Trend erkennt? In dem Video-Interview meint er: "Soweit es um einzelnen Straftaten einzelner Mitglieder geht, die es dann auch schon gibt, dann wird man die verfolgen können und müssen, aber dass man gegen die Organisation in dieser Weise vorgeht, da kann ich eigentlich keinen rechten Grund erkennen." - Hells-Angels-Mitglied: "An der Stelle ein Weckruf in die betreffenden Amtsstuben und muffigen Verbotsbüros in Schleswig-Holstein, Bremen und Pforzheim. Na, schon aufgewacht? Was auch immer geschehen wird, wir werden jedenfalls dafür sorgen, dass eure Namen bekannt werden und nie wieder aus dem Internet verschwinden." (www.hellsangelsmedia.com).

Auch wenn die "Hells Angels" keinen Hehl daraus machen, dass nur ihre Gesetze gelten, finden sie immer wieder prominente Fürsprecher, wie Rötger Feldmann alias Brösel. Stolz wird das mit "Brösel + 'friends 81'" signierte Filmplakat von den Rockern präsentiert.

Auch Ben Becker trägt zur Imagepflege der "Hells Angels" bei. In seiner Biografie schwärmt er von ihrer "Unnahbarkeit und Gefahr" und genau diese Ausstrahlung besitzt eine "Schönheit" für ihn. Becker gesteht, "Mich interessiert nicht, was die angeblich sonst so treiben".

Gita Ekberg: "Wenn ein Schauspieler wie Ben Becker sich entschließt, für die Hells Angels Werbung zu machen, dann freuen die sich natürlich einen Ast ab, weil mehr Öffentlichkeit können sie doch gar nicht bekommen."

In einem seiner Lieder heißt es : "Ich wäre so gern so wie Du, ein Hells Angels". Es ist eine Ode an die Rocker. Ganz nah ist Becker den Hells Angels auch in ihrem Film "81, The Other World". Ben Becker, ein Schauspieler als prominenter Unterstützer einer kriminellen Rockertruppe - das ist für die "Hells Angels" gelungene PR. Eine Strategie der Verharmlosung, die aufzugehen scheint. Und so können die netten Rocker von nebenan weiter ihren dunklen Geschäften nachgehen.

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Medienstrategie der Hells Angels

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Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

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Dossier
Rückenansicht der Hells Angels und Bandidos. © Hells Angel: picture-alliance/ dpa,  Banditos: dpa, Hintergrund: picture-alliance/ dpa/dpaweb Fotograf: Hells Angel: Franz-Peter Tschauner, Banditos: A2824 Franz-Peter Tschauner, Hintergrund: Frm
 

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