Zu Guttenbergs Beziehungen zur Springer-Presse

von Maik Gizinski, Stephanie Zietz

Nun ist er also weg. Karl-Theodor zu Guttenberg und alles ist gesagt. Könnte man meinen, stimmt aber nicht. Denn über seine Freundschaft zur "BILD"-Zeitung wurde zwar viel gemunkelt, doch über die persönlichen Beziehungen, auch zu "BILD"-Chef Kai Diekmann, kaum berichtet. Dabei ist die Nähe zwischen dem Freiherrn und den wichtigen Köpfen der "BILD" wirklich bemerkenswert. Zapp über eine Zweckfreundschaft, die ihren Zweck jetzt verloren hat.

Einer, der nicht gehen wollte, geht am Ende doch. Karl-Theodor zu Guttenberg gibt auf. Ein Medienstar mag nicht mehr.

Karl-Theodor zu Guttenberg: "Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel beigetragen habe, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie." (01.03.2011)

Die Wucht der Medien und ihre Wirkung: Anfangs noch Komplizen seines steilen Aufstiegs. Doch am Ende standen nur noch wenige Journalisten in der Gunst des Ministers. Von seinem Rücktritt erfuhren zuerst nur die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident und die "BILD"-Zeitung. Das Ministerium schweigt noch, da meldet "BILD" schon exklusiv den Guttenberg-Rücktritt: "Plagiats-Affäre: Guttenberg tritt heute zurück" (Bild.de, 01.03.2011).

Ulrike Simon, Medienjournalistin der "Berliner Zeitung", meint: "Das ist ein Zeichen dafür, dass die Bande zwischen dem Verteidigungsministerium in Persona Guttenberg und der "BILD"-Zeitung offensichtlich doch sehr groß sind und sehr eng sind."

Thomas Nehls vom ARD-Hörfunkstudio Berlin erklärt: "Das ist sicherlich ein Ausweis guter Beziehungen und ja auch weiter nicht schlimm. Wenn die allerdings so genutzt werden, wie sie genutzt werden, dass "BILD" immer als erstes, vor allen anderen Medien erfährt, was Sache ist, auch bei anderen Politikern übrigens, dann wird es problematisch."

Eine Allianz zweier erfolgreicher Männer

Aber es passt so gut. Minister zu Guttenberg und Kai Diekmann, Chefredakteur der "BILD"-Zeitung. Zwei erfolgreiche Männer, und eine Allianz von Deutschlands beliebtestem Politiker und der auflagenstärksten Zeitung.

Nehls: "Bei jedem gesellschaftlichen Ereignis, noch dazu, wenn es von Springer ausgeht, und da gibt es viele in Berlin, sind die zu Guttenbergs mit von der Partie. Ich hab es auch selber erleben können und da ist ja schon der Unterschied dann auszumachen zwischen einem freundlichen 'Guten Tag', auch einem distanzierten, wie es sich eigentlich gebührt zwischen Politik und Journalismus, und eben dem, was dort abläuft, eine Herzlichkeit, vielleicht auch eine gute Freundschaft, die keiner von beiden, in dem Fall Diekmann und zu Guttenberg, verhehlt."

Videos
Thomas Nehls, Korrespondent des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin © NDR
 
Video

02.03.2011 | 23:05 Uhr

Das Interview mit Thomas Nehls, Korrespondent des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin.

Video starten (12:01 min)

Eine gewachsene Freundschaft, die sich lohnt für Guttenberg: "Wir finden die Gutt!" (15.12.2010), gibt "BILD" früh den Kurs vor. Und bringt den Minister in Top-Gun-Pose und 3D ("Bild heute in 3D", 28.08.2010). Auch zuletzt in der Krise hält das Blatt zu seinem "Minister Liebling im Sturm" ("Bild am Sonntag", 23.1.2011). Als Guttenberg in der Plagiatsaffäre unter Druck gerät, klagt das Springer-Blatt "Welt" über "Attacken auf Guttenbergs Autorität" (25.2.2011). Und "BILD" beschreit: "Gut! Guttenberg bleibt!" (19.2.2011).

Nehls: "Man hat den Eindruck, als ob da keine Redaktionskonferenzen stattfinden, sondern Kai Diekmann jeden Tag auf eine Kommandobrücke steigt und Befehle ausgibt. Also fast ein bisschen wie bei der Bundeswehr."

Pro Guttenberg

Und Diekmanns Soldaten spuren. Auch in den Talkshows trommeln sie für Guttenberg. Anna von Bayern, Guttenbergs Biografin und Redakteurin bei "Bild am Sonntag". Im  Blatt schwärmt  von Bayern von den "Sehrguttenbergs" ("Bild am Sonntag" 19.9.2010). Und sie ist seit langem befreundet mit dem Freiherrn: "Ich hab ihn ja erlebt in der Zeit, wo er die Doktorarbeit geschrieben hat und beziehungsweise in diesen ganzen Jahren, wo er wie er wirklich da immer wieder dran saß [...] Man muss sich vorstellen, er arbeitet also seit Ende der 90er-Jahre daran. Der hat in der Zeit vier, fünf verschiedene Computer gehabt. Damals arbeitet man mit Disketten. [...] Das ist einfach enorm anstrengend, er ist auch ein Mensch." (ARD, "Menschen bei Maischberger", 22.2.2011).

Und auch er gehört zur Truppe: Nikolaus Blome, der Chef des Bild-Hauptstadtbüros. Unermüdlich zieht er ins Feld für seinen Verteidigungsminister: "Es sind schon Leute für kleinere Sachen gegangen und vom Karussell geflogen, aber es sind auch schon Leute mit größeren Sachen sitzen geblieben." (WDR, "hart aber fair", 23.2.2011).

"Der stellt sich da hin und sagt: "Ich entschuldige mich, ich bitte um Verzeihung, ich bitte, wenn man so will, um eine zweite Chance, und jetzt antwortet eben die große Mehrheit: 'Okay, du kriegst sie'." (Phoenix, "Augstein und Blome", 27.2.2011).

"Solange die Leute draußen in so großer Mehrheit, nach echten Umfragen, der Meinung sind: Der ist noch glaubwürdig, dann muss man das akzeptieren." (ZDF, "Maybrit Illner", 24.02.2011).

Die echten Umfragen bastelt BILD sich selbst. Doch auf Bild.de wünschen sich 58 Prozent der Nutzer plötzlich einen Rücktritt des Ministers. "Bild" erklärt diese Umfrage für ungültig. Und lässt lieber noch einmal abstimmen. Beim zweiten "Guttenberg-Entscheid" (23.2.2011) stimmt dann auch das Ergebnis: Satte "87 % stehen nun plötzlich zu Guttenberg" (24.2.2011).

Ein Geben und Nehmen?

"Bild" gibt alles, damit Guttenberg nicht fällt, damit er weiter strahlen kann. Als starker Politiker, der Gegenwind aushält. Und Guttenberg bedankt sich auf seine Weise, mit netten Gesten zum Beispiel. "Bild"-Mann Blome hat ein Buch geschrieben. Und als Stargast bei der Buchvorstellung war angekündigt: der Minister Guttenberg.

Simon: "Man tut ja einiges füreinander, das ist ja ein Geben und ein Nehmen. Und in diesem Fall sollte Herr Blome etwas dafür bekommen, wie die "Bild" sich positioniert oder positioniert hat gegenüber Guttenberg."

Videos
Ulrike Simon, Medienjournlistin der Berliner Zeitung © NDR
 
Video

Das Interview mit Ulrike Simon, Medienjournalistin der Berliner Zeitung.

Video starten (09:23 min)

Jetzt ist etwas dazwischen gekommen. Guttenberg ist gescheitert. Die Springerpresse mag Politiker stürzen können. Im Amt halten kann sie sie nicht.

Zapp plus

Zu Guttenberg und Springer

Der Beitrag im Flash-Player mit vielen Zusatzinformationen. mehr

Logo der Sendung Zapp © NDR
Nächste Sendung: 29.02.2012 23:20 Uhr

ZAPP

Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

Wiederholung der Sendung

02.03.2012 02:30 Uhr

Zur Sendungsseite
Weitere Informationen
Der Bundesverteidigungsminister Guttenberg (CSU) gibt im Ministerium eine Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen in Bezug auf seine Doktorarbeit Stellung © dapd Fotograf: Oliver Lang
 

Das Ende des Medienlieblings zu Guttenberg

23.02.2011 | 23:05 Uhr

In der Krise entzieht sich Guttenberg den Nachfragen der Medien. mehr


Guttenbergs PR-Show in Afghanistan

15.12.2010 | 23:05 Uhr

Neuer Höhepunkt der medialen Selbstinszenierung des Glamourpaares. mehr