CSU-Generalsekretär: Seltsame Medienstrategie

Wer gehört werden will, muss kräftig hinlangen, denkt man traditionell bei der CSU und leistet sich mindestens einen besonders derben Hinlanger. Alexander Dobrindt, der aktuelle Generalsekretär, musste das erst lernen. Zur Amtseinführung wurde er von der "taz" zunächst sogar als Softie tituliert. Doch mittlerweile macht er der Position alle Ehre, benutzt statt des Floretts den bayrischen Holzhammer, und drischt öffentlich und hemmungslos auf alles Andersdenkende ein. Vergangenen Sonntag bei Günther Jauch hat er sich allerdings selbst ins Aus geschossen und nicht nur da. ZAPP über einen Dobrindt, der auf und abdreht.

Ein Film von Gita Datta und Stephanie Zietz.

Er soll die CSU nach vorne bringen, der Partei ein neues Image verpassen: Alexander Dobrindt, Generalsekretär und "Lautsprecher der Partei". Er selbst nennt sich "Klartextgeneral". Deutlich wird das zum Beispiel in der Sendung  "Günther Jauch". Es geht um die  Beobachtung der Linken durch den Verfassungsschutz. Dazu sagt Alexander Dobrindt: "Diese Partei ist in Teilen natürlich verfassungsfeindlich und sie gibt sich ja auch in Teilen selber ein Programm, das gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist. Und deswegen ist es ja auch vollkommen in Ordnung, dass man dann nicht nur Mitglieder dieser Partei, die Partei an sich, sondern natürlich auch Abgeordnete dieser Partei beobachtet."
Günther Jauch: "Aber wenn das so ist, dann müsste man alle 76 beobachten?"
Alexander Dobrindt;, "Es wäre richtig, dass man die Beobachtung intensiviert [...] natürlich kann dann irgendwann auch der Gang nach Karlsruhe stehen und sich die Frage eines Verbots der Linkspartei stellen." (ARD, 29.01.2012).

Verbot der Linkspartei - Dobrindt als überdrehter Provokateur

Daniela Vates, Polit-Korrespondentin der "Berliner Zeitung", erklärt: "Er betätigt sich als Wadenbeißer. Das kann man mehr oder weniger elegant machen, und er macht das einfach weniger elegant."

Videos
Daniela Vates, Politik-Korrespondentin "Berliner Zeitung" © NDR
 
Video

Das Interview mit Daniela Vates, Politik-Korrespondentin "Berliner Zeitung".

Video starten (10:45 min)

Der ARD Hörfunk-Korrespondent Stanislaus Kossakowski meint: "Es ist natürlich die Rolle des Generalsekretärs einerseits den Haudrauf zu geben, auch mal zu überziehen den Bogen. Aber in dem Fall hat er meines Erachtens den Bogen tatsächlich weit überzogen."

Strotzend vor Selbstbewusstsein, ungezügelte Angriffslust. Jede andere Partei kriegt ihr Fett weg. Um die CSU ins Gespräch zu bringen, ist Alexander Dobrindt jedes Mittel recht, etwa:
"Frau Präsidentin, sehr geehrte Demokraten, anwesende Kommunisten" (Bundestag, 21.01.2011) "Ein faules Ei bleibt ein faules Ei, auch wenn Kraft draufsteht. Und Frau Kraft hat sich mit diesem beschriebenem Wortbruch das Kainszeichen auf die Stirn gebrannt."
"Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, agitieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben."

Daniela Vates: "Ich glaube, er überlegt sich das immer schon ganz gut, und freut sich dann, wenn er irgendwie mit irgendeiner knackigen Formulierung ankommt. Ob die jetzt elegant ist oder nicht, ist dann dahingestellt. Hauptsache es gibt Resonanz darauf."

Stammtischparolen aus Bayern für Bayern. Doch im Rest der Republik wird er damit kaum ernst genommen:

"Dobrindt geht steil" spottet die "Bild am Sonntag" (7.8.2011). Ein "Generalsekretär auf Probe" höhnt die Süddeutsche Zeitung (27.4.2009) über den "Raufbold namens Dobrindt" (29.1.2010).

Dobrindt und sein politischer Ziehvater

Dass er seine provokanten Botschaften so öffentlich verbreiten kann, hat erst Horst Seehofer möglich gemacht. Vor knapp drei Jahren hob er ihn ins Amt.

Stanislaus Kossakowski: "Er hat es ja in der Parteigeschichte dem Lauf der Dinge zu verdanken, dass eben Karl-Theodor zu Guttenberg aufgestiegen war, damals zum Bundeswirtschaftsminister, und dann schnell ein neuer Generalsekretär gefunden werden musste."

Daniela Vates: "Es gab da verschiedene Varianten und letztlich ist man eben auf Dobrindt gekommen. Was für Seehofer auch ein Punkt war, war, dass er jemanden jungen da haben wollte. Er wollte keinen uralten Hasen da haben, sondern maßgeblich war auch, jemanden jungen zu haben für die Verjüngung der Partei."

Alexander Dobrindt: "Hi, heute ab 14 Uhr, live im Internet, der Parteitag der christlich-sozialen Union in Nürnberg im Netz. Da musst du dabei sein. Runter von der Couch. Rein ins Netz." (CSU-Media, 07.10.2011).

Alexander Dobrindt: "Die CSU ist eine echte Mitmachpartei. Und das sieht man an so einer Veranstaltung, wenn die Leute kommen, ihre Beiträge mit abliefern und sagen, toll, dass wir hier so eine gemeinsame Veranstaltung hier haben‘." (CSU Media, 2010).

Der Generalsekretär auf Verkaufstournee

Er soll das verstaubte Image der CSU aufpolieren, im Großen wie im Kleinen. Dazu gehört auch die Arbeit in der bayerischen Provinz. Auch für einen medienwirksamen Besuch im Kuhstall ist sich Dobrindt nicht zu schade. Von dort plaudert der CSU-Generalsekretär über die große Berliner Politik: "Wenn in Berlin alle so brav wären wie die Kühe da drin, dann wär es manchmal ruhiger."

Doch nichts ist ihm unangenehmer als politische Ruhe. Einmal fordert er dröhnend die "Taliban-Abwrackprämie". Nennt Heiner Geißler verächtlich einen "Bahnhofs-Guru" und beschimpft die Liberalen als "Gurkentruppe".

Daniela Vates: "Er stößt ja regelmäßig mit seinen Vorstößen auch auf Kritik. Das wird nicht sehr offen geäußert, das hört man immer nur so hinter vorgehaltener Hand."

Stanislaus Kossakowski: "Unter den Bundestagsabgeordneten der CSU gilt er wohl eher als wohl gelitten, aber nicht unbedingt als geliebt."

Deutliche Kritik aus den eigenen Reihen. Der Freund der klaren Worte und selbsternannte Parteisoldat der CSU, am Ende schwächt er sogar die, die er eigentlich stärken wollte.

Logo der Sendung Zapp © NDR
Nächste Sendung: 30.05.2012 23:20 Uhr

ZAPP

Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

Wiederholung der Sendung

01.06.2012 01:15 Uhr

Zur Sendungsseite
Links

Der Lebenslauf des CSU-Politikers auf dessen Website.

Link in neuem Fenster öffnen