Dapd - Die "aggressive" Nachrichtenagentur

Die Nachrichtenagentur dapd ist erst anderthalb Jahre alt und die Investoren dahinter neu im Nachrichtengeschäft. Auch ihre Mittel und Methoden sind neu und vor allem hart. ZAPP über unbekannte Innenansichten der dapd.

Ein Film von Sinje Stadtlich und Christian Deker.

Die neue deutsche Nachrichtenagentur dapd kam aus dem Nichts. Seit 2010 ist sie voll dabei, mitten in Berlin. Ihr Image-Video wirbt hochglänzend um neue Kunden, erfolgreich.  Gerade hat dapd eine wichtige Ausschreibung vom Auswärtigen Amt für sich entschieden, kämpferisch und mit juristischem Druck. Die Eroberer dahinter sind die Finanzinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, die beiden Gründer der dapd. Ihr Geschäft: Marode Firmen aufkaufen und gewinnbringend wieder verkaufen. Ein schwer durchschaubares Firmengeflecht. Die Nachrichten, ein weiteres Investment.

Und die Inhaber machen ordentlich PR. Stellen sich selbst als Wohltäter dar. In einem aktuellen Interview für das Magazin €uro erklärt Löw: "Wir betrachten es als Dienst am Gemeinwesen, eine zweite Vollagentur neben dem Konkurrenten dpa zu unterhalten." (Ausgabe 2/2010)

Claudia Tieschky, Medienredakteurin der "Süddeutschen Zeitung": "Sie gerieren sich so, dass sie das Engagement bei der dapd als Beitrag zum Gemeinwesen sehen. [...] Was man alles bewegen kann, wenn man etwas Geld in eine Agentur wie die dapd gibt, sieht man hier. Wobei natürlich Löw und Vorderwülbecke auch erfahrene Finanzleute sind. Und die sind in der Lage mit sehr cleveren Modulen gewissermaßen, das meiste rauszuholen, was geht."

Aus einer Fusion gewachsen

Zunächst führen die Investoren zwei Module zusammen, zwei Nachrichtendienste, der deutsche Dienst der Associated Press (AP) und der Deutsche Depeschendienst (ddp),  fusionieren zur dapd. Die wirbt vollmundig mit den Mitarbeitern beider Agenturen. Dapd bietet jetzt In- und Auslandsnachrichten an und will zur Nummer eins Vollagentur in Deutschland  werden.

Steffen Grimberg, Medienredakteur bei der "taz": "Die dapd geht sehr offensiv in den Markt, sie hat ja angekündigt, dass sie dort auch wirklich die dpa sozusagen vom Sockel stoßen möchte."

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"taz"-Medienredakteur Steffen Grimberg © NDR
 
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Das Interview mit Steffen Grimberg

Die Langversion des Interviews mit dem Medienredakteur der "taz".

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Claudia Tieschky: "Das sagt über diese Agentur aus, dass sie möglicherweise etwas größenwahnsinnig ist oder dass sie in der Pubertät steckt gewissermaßen. Es sagt aber auch aus, vor allem, dass man provozieren möchte."

Auch intern provozieren die Inhaber, präsentieren die Fusion als geniales Rechenwunder: "1 + 1 = 3". Sie feiern sich als "absolute Qualitätsführer", betonen vor allem die "Preisführerschaft".

Mitarbeiter von damals sind irritiert vom Auftreten der beiden Investoren. Aus Furcht vor ihnen sprechen sie nicht offen vor der Kamera. Eine ehemalige Mitarbeiterin erzählt: "Ich habe vor allem auch die öffentlichen Auftritte der beiden als neue Agenturbesitzer als unangenehm aggressiv empfunden und habe irgendwann den Eindruck gehabt, dass ich eine Soldatin in einem Krieg bin, in dem der Gegner vernichtet werden muss."

Steffen Grimberg: "Beide sind ja sehr aggressiv losgezogen, haben eben der dpa das Todes-Glöcklein geläutet. Diese ganze Aufregung ist ein bisschen aus der Auseinandersetzung rausgenommen worden, weil die dapd-Führung auch gesehen hat, dass sie damit keinen Blumenpott gewinnen kann."

Umgang mit Mitarbeitern

Die Inhaber legen immer mehr Wert auf eine gute Außenwirkung. Sie gründen einen journalistischen Beirat und schmücken ihn mit prominenten Namen wie dem von Otto Schily. Aber nach innen scheint dieser Beirat nicht zu wirken. Denn was ehemalige Mitarbeiter berichten, schmückt dapd keineswegs. Schriftlich erklären sie: "Bei dapd herrschte extremer Druck auf die einzelnen Mitarbeiter und dementsprechend eine große Unzufriedenheit." [...] "Der interne Umgangston war katastrophal."

Und eine ehemalige Mitarbeiterin sagt: "Wenn wir uns dann beschwert haben, war immer von bedauerlichen Kommunikationspannen oder suboptimaler Kommunikation die Rede, so dass ich mich irgendwann schon gefragt habe, für was für eine Nachrichtenagentur ich da eigentlich arbeite, die es nicht schafft, eine anständige Kommunikation mit ihren eigenen Mitarbeitern herzustellen."

Nach außen pflegt dapd durchaus freundschaftliche Beziehungen mit höchsten Arbeitnehmervertretern. Auf der dapd-Gründungsparty gibt sich DGB-Chef Michael Sommer die Ehre: "Da ich selber mit einer Agenturjournalistin verheiratet bin, weiß ich ein bisschen, was Agenturarbeit ist und auch, was es heißt, wie man bei einer Agentur arbeitet. Und dann erwarte ich auch, dass sie neben der Grundlast auch ein bisschen Spitzenlast schaffen."

Über diesen Spitzen-Auftritt von Sommer gab es Unmut unter einigen Mitarbeitern, denn auf einen Tarifvertrag warten dapd-Angestellte bis heute.

Wolfgang Zehrt, Vorstand "dapd Media Holding AG", entgegnet: "Der Tarifvertrag ist im Moment einfach noch kein Thema, weil wir in der Aufbauphase sind und wir werden in der Aufbauphase sicher auch noch einige Jahre bleiben."

In Arbeitsverträgen bei dapd heißt es, Mitarbeiter müssten über die "Höhe des Gehaltes  [...] Stillschweigen" bewahren, "auch "gegenüber anderen Angestellten". Ehemalige dapd-ler meinen: "Die Gehälter bei dapd haben keine Systematik. Es gibt keine Begründungen, wer wie viel bekommt, das ist reine Willkür." [...] "Die Mitarbeiter und ihre Belange sind den Chefs von dapd völlig egal. Es herrscht die Maxime: 'Draußen stehen zehn für Deinen Job an'."

Wolfgang Zehrt: "Bei einem Wachstum, bei einer Verdopplung der Mitarbeiterzahl in drei Jahren, bei den zitierten mehr als 100 Neueinstellungen in den vergangenen zwölf Monaten, ich kann Ihnen versichern, in der Medienbranche wird untereinander viel geredet. Wenn das so stimmen würde, was Sie sagen, dann wären diese 100 auch nicht gekommen."

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Wolfgang Zehrt, Vorstand "dapd media holding" © NDR
 
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Das Interview mit Wolfgang Zehrt

Die Langversion des Interviews mit dem Vorstand der "dapd media holding".

Video starten (14:18 min)

Allerdings haben in den vergangenen zwei Jahren, und das bestätigt dapd, auch einige Mitarbeiter die neu gegründete Agentur verlassen.

Eine ehemalige dpad–Mitarbeiterin: "Ich frage mich auch nach wie vor, wieso man bei einem Unternehmen, das man selbst als gesund und solide bezeichnet hat, so viele Leute gehen lässt, um danach neue Leute einzustellen und sich damit zu rühmen, dass man so viele Neueinstellungen vorgenommen habe."

Nun geht es ruhmreich weiter mit vielen neuen Mitarbeitern und dem prestigeträchtigen Auftrag vom Auswärtigen Amt. Das Hauptkriterium bei der Vergabe war übrigens nicht die Qualität der Nachrichten, sondern der Preis. Dafür hat dapd gesorgt. Und das Auswärtige Amt gab nach: "Der Preis musste aufgrund der gerichtlichen Hinweise im Rahmen des ersten Nachprüfungsverfahrens mit 50% in die Auswertung der Angebote einfließen", heißt es in einem Schreiben des Pressereferat des Auswärtigen Amtes. Die Strategie "Preiskampf" ist aufgegangen. Die Finanzinvestoren erfolgreich. Oberflächlich alles gut bei dapd. Nur hinter der glänzenden Fassade fühlt sich der Erfolg anders an.

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