Apple: Wenig Transparenz, viel Show

Immer und überall erreichbar, mit allen und jedem vernetzt. Der mobile Mensch, auf ihn hat es Apple abgesehen und sich eine eigene Fangemeinde geschaffen. Die Marke steht für unkomplizierte, unbegrenzte Kommunikation. Hat für alles eine Antwort. Nur wenn kritische Fragen gestellt werden, dann fehlt dem Apfel der Biss. ZAPP über die faulen Stellen von Apple.

Jasmin Klofta und Ajmone Kuqi über die faulen Stellen von Apple.

Es menschelt im neuen Apple-Werbespot. Sein Smartphone soll zur Familie gehören, mitten drin bei allen wichtigen Momenten und Entscheidungen. Johannes Wedenigg von der Werbeagentur "webguerillas" erklärt, "das ist so ein bisschen das Heile-Welt-Image der Firma Apple, die Technologie als Freund des Menschen." Doch diese präsentierte heile Welt ist nicht in China. Dort, wo Apple im Akkord seine Produkte herstellen lässt. Dort trauert ein Vater um seinen Sohn. Er hat sich das Leben genommen wie inzwischen 15 weitere Arbeiter von Foxconn, einer Zulieferfirma von Apple.

Im Rahmen eines Kongresses äußert sich Apple-Chef Steve Jobs zu den Selbstmorden. Eiskalt rechnet er vor: "Die haben dort 400.000 Menschen. 13 Selbstmorde pro Halbjahr bei 400.000 sind 26 pro Jahr. Bei 400.000 Menschen oder lassen Sie uns sagen: sieben pro Hunderttausend Leuten. Das ist immer noch unter der Selbstmordrate in den USA, die beträgt elf pro Hunderttausend." (dt. Übersetzung).

Schwierige Arbeitsbedingungen bei den Zuliefer-Firmen

Hinter dem glänzenden Apple-Imperium stehen schmutzige Zuliefer-Firmen, die seit Jahren von Organisationen wie Germanwatch scharf kritisiert werden. "Die Arbeitsbedingungen sind für die Arbeiterinnen und Arbeiter oft sehr hart, die müssen viele Stunden am Tag arbeiten, zehn bis zwölf Stunden am Tag, an sechs bis sieben Tagen in der Woche [...] und verdienen dafür einen viel zu geringen Lohn, zumindest keinen Lohn von dem sie wirklich leben können", erklärt Cornelia Heydenreich von Germanwatch.

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Cornelia Heydenreich, Referentin für Unternehmensverantwortung bei Germanwatch © NDR
 
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Interview mit der Cornelia Heydenreich, Referentin für Unternehmensverantwortung bei der Organisation Germanwatch.

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Apple nimmt beim Verkauf eines iPhones etwa 460 Euro ein. Für die Bezahlung der Arbeiter gibt es aber nur 4,60 Euro aus. Bei seinen Recherchen in China stößt der freie Wirtschaftsjournalist Hannes Koch immer wieder auf das Problem der Überstunden. Üblich sind bis zu 100 Stunden zusätzlich pro Monat. Aber nur 36 sind erlaubt. "Das heißt, dass die Zahl der Überstunden bei Foxconn die Zahl im chinesischen Arbeitsgesetz bei weitem übersteigt und das wiederum widerspricht dem Verhaltenskodex, dem sich Apple selber gegeben hat. Denn dort steht drin, dass die regionalen Gesetze, nationalen Gesetze des Landes, in denen die iPhones, iPads hergestellt werden, eingehalten werden müssen", sagt Koch.

Bekannte Probleme

Und es ist nicht das einzige Mal, dass Apple-Zulieferer gegen chinesisches Gesetz verstoßen und Apple gegen seine selbst aufgestellten Regeln. In den Wintek-Fertigungshallen in Suzhou wurde das hochgiftige N-Hexan eingesetzt. Es ist in China verboten. Trotzdem haben Arbeiter Touchscreens von iPhones mit dem gefährlichen Lösungsmittel gereinigt. Es macht die Produktion einfach effizienter. Die scheinbar sichere Arbeitskleidung schützt die Geräte zwar vor Staub, doch die Menschen nicht vor den schädlichen Dämpfen. 137 Arbeiter wurden vergiftet. Apple weiß von der Katastrophe. Die Betroffenen haben Apple einen Brief geschrieben. Doch sie erhielten keine persönliche Antwort.

Hannes Koch: "Bei konkreten heiklen Punkten sind sie sehr zurückhaltend und versuchen, sich irgendwie heraus zu lavieren. Und eine Taktik dabei ist, einfach keine richtigen Antworten auf die heiklen Fragen zu geben, also Stichwort Überstunden, zu viel Überstunden im Vergleich zum chinesischen Arbeitsgesetz, dazu sagen sie einfach nichts."

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Der freie Wirtschaftsjournalist Henning Koch © NDR
 
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Interview mit dem freien Wirtschaftsjournalisten Hannes Koch.

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Keine Stellungnahme

Überstunden, Todesfälle, Giftstoffe. Fragen dazu: unerwünscht. Apple will auch Zapp keine Antworten geben. Sie lassen wissen: Zu bestimmten Themen nehmen sie "generell" keine Stellung. Die Skandale von Wintek und Foxconn sind Apple gerade mal drei Seiten in einem Bericht über seine Zulieferer wert. Doch für Jobbs ist das offenbar die neue Transparenz:  "Ich glaube wirklich, in unsere Branche und vielleicht in allen Branchen, dass Apple die beste Arbeit dabei leistet, die Arbeitsbedingungen bei unseren Zulieferern zu prüfen. Wir sind außergewöhnlich gewissenhaft und außergewöhnlich transparent was das angeht." (dt. Übersetzung)

Cornelia Heydenreich: "Wir finden, dass Apple nicht sehr transparent ist als Unternehmen, zum Beispiel veröffentlicht Apple nicht, wer seine Zulieferer sind." Denn wenn Lieferanten nicht genannt werden, können die Bedingungen dort nicht überprüft werden. Doch Apple will offenbar seine engen wirtschaftlichen Beziehungen zu den fragwürdigen Firmen verschleiern und redet lieber über seine schönen Produkte.

Erfolgreiche Marke

Johannes Wedenigg: "Apple konzentriert sich sehr stark auf seine Produkte und auf die Qualität der Produkte beziehungsweise die Funktionen, die ein Produkt vermitteln kann. Und das ist letztlich auch das, was bei den Konsumenten ankommt. Alle anderen Sachen werden auch ganz bewusst aus der Kommunikation heraus gehalten."

Mit Erfolg: Der Verkauf läuft wie geschmiert. In den ersten drei Monaten 2011 verkauft Apple 18 Millionen iPhones und 4 Millionen iPads weltweit. Es ist zur wertvollsten Marke geworden. Die Skandale um die Arbeitsbedingungen in China scheinen an Apple abzuperlen. Das erarbeitete Image macht sich bezahlt.

Johannes Wedenigg: "Es drückt sich auch in einem gewissen Charakter dieses Startups aus, den sich Apple trotz der 40jährigen Geschichte bewahrt hat."

Cornelia Heydenreich: "Und das Image einfach erst einmal grundsätzlich positiv da ist und es noch als ein relativ kleiner Hersteller immer noch gesehen wird, der irgendwo in einer Nische arbeitet. Aber das ist in den letzten ein, zwei Jahren nicht mehr so. Apple ist einfach auch ein sehr großer Hersteller und, ja, es gehört dann einfach auch dazu, mehr Verantwortung zu zeigen."

Mehr Verantwortung zeigen, damit Menschen bei Apple nicht nur eine Rolle in der Werbung spielen.

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Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

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01.06.2012 01:15 Uhr

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