Das Interview mit dem Litigation-PR-Spezialisten Uwe Wolff.
Video starten (21:53 min)Es war ein spektakulärer Prozess: Zuerst wird die amerikanische Studentin Amanda Knox in Italien wegen Mordes zu 26 Jahren verurteilt. Nach vier Jahren Haft, am 3. Oktober 2011, kommt dann das Berufungsgericht zu dem Urteil: unschuldig.
Ein Film von Julie Kurz.
Als Amanda Knox wenig später in ihrer Heimatstadt Seattle ankommt, wird sie nicht nur von Freunden und Unterstützern empfangen und gefeiert, sondern auch von mehr als 150 Journalisten. Sogar eine Art kurze Pressekonferenz findet statt. Das Wort übernimmt ihr PR-Agent, David Marriott. Denn Amanda Knox ist sein Fall. Seine Agentur hat in den vergangenen Jahren alles dafür getan, die junge Frau in ein positives Licht zu setzen. Denn "Medienberichte können auch die Gerichte beeinflussen", wie der PR-Experte Uwe Wolff meint.
Diese Art der prozessbegleitenden Public Relation heißt Litigation PR und kommt gerade aus den USA auch nach Deutschland.
Als der Prozess gegen Amanda Knox begann, wurde sie gerade in den italienischen Medien "als personifizierter Teufel dargestellt", erklärt die ARD-Korrespondentin Fraua Ferlemann. Sie sei kalt und hätte kein Herz. Deswegen bekam sie den Namen "Engel mit Eisaugen", auch in den deutschen Medien. Unterstützt wurde dieses Image wohl auch durch das anfangs noch unbeschwertere Auftreten von Amanda Knox bei Gericht. Statt verstört zu sein lächelte sie, flirtete mit den Kameras. Beim zweiten Prozess bot sich dann ein anderes Bild: Amanda Knox blickte zu Boden, sie war ungeschminkt, trug graue Kleidung - das Image eines Unschuldsengels. Begleitet wurde der Imagewandel mit einer Medienkampagne in den USA. Amanda Knox' Vater war sogar zu Gast bei Oprah Winfrey.
Die Kampagne soll mehr als eine Millionen Dollar gekostet haben. Und sie war augenscheinlich erfolgreich. Da ist es nur ein Nebenaspekt, dass der italienische Staatsanwalt sich über den Druck der Medien beklagt hat. Amanda Knox ist jetzt wieder frei. Die Agentur arbeitet an der Wiederherstellung ihrer Reputation und der Vermarktung ihrer Geschichte. Und bis heute ist der Fall noch nicht völlig aufgeklärt.