Handelsblatt

Zapp: In dem Lehrmaterial "Finanzielle Allgemeinbildung" des Handelsblattes wird die Deutsche Vermögensberatung DVAG als Sponsor genannt. Im Vorwort heißt es, "wir freuen uns über die Bereitschaft der DVAG [...] die Unterrichtseinheit gemeinsam mit uns zu realisieren und uns als Kooperations- und Praxiskontaktpartner mit ihrem Fachwissen zu unterstützen." Wie haben Sie die Produktion gemeinsam realisiert? Und wie ist das Fachwissen der DVAG konkret eingeflossen?

Handelsblatt: Die "Handelsblatt macht Schule-Materialien" werden vom Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg erstellt. Die Unterrichtseinheit ist strikt in zwei Teile getrennt. Die kompletten ersten 46 Materialien (Seite 1 - 122) werden redaktionell unabhängig vom IÖB erstellt. Alle verwendeten Quellen sind dabei eindeutig gekennzeichnet ausgewiesen und nachzuvollziehen. Lediglich auf den letzten vier Seiten stellt sich die DVAG als möglicher Praxispartner vor. Dies wird in den Lehrerhinweisen auch exakt so dargestellt.

Zapp: Wenn Sponsoren nicht nur finanzieren, sondern auch mit Fachwissen zur Seite stehen, besteht dabei nicht die Gefahr, dass Sponsoren den Inhalt zu stark beeinflussen?

Handelsblatt: Diese Gefahr besteht aufgrund der strikten Trennung, wie oben beschrieben, nicht. Die Aus- und Aufarbeitung der Thematik überlassen wir dem IÖB. Diese Trennung von Praxisteil und wissenschaftlicher Aufbereitung wird von Anfang an so klar getrennt und hat nie zu Problemen geführt.

Zapp: Mit welcher Summe hat die DVAG das Handelsblatt bei der Realisierung des Lehrmaterials "Finanzielle Allgemeinbildung" unterstützt?

Handelsblatt: Die DVAG unterstützt "Handelsblatt macht Schule" finanziell, damit die Einheit in ausreichender Auflage zur Verfügung gestellt werden kann.

Zapp: Kritiker beanstanden an dem Lehrmaterial, dass die DVAG sehr positiv dargestellt wird und Kritik ausgespart wird. Warum ist das so?

Handelsblatt: Dem ist nicht so. In den ersten 46 Materialien, die unabhängig von dem Partner erstellt wurden, finden Sie durchaus auch kritische Beispiele und Handelsblatt-Artikel, die die Sachverhalte im Bereich der "Finanziellen Allgemeinbildung" aus unterschiedliche Perspektiven beleuchten. Interessanterweise werden diesen 95 % der Einheit, die den eigentlichen inhaltlichen Input darstellen, von Kritikerseite kaum bis zu keine Beachtung geschenkt.

Die Materialien werden nur auf aktive Bestellung und ausschließlich an Lehrer versendet. Die Einheit ist für Lehrer konzipiert, und nicht für Schüler. Die Lehrperson kann somit selbst entscheiden, welche Materialien und vorgeschlagenen Aufgabenstellungen sie an die Schüler austeilt und welche Bestandteile in der Klasse thematisiert werden sollen.

Nur die Darstellung des Praxispartners (Seite 124 - 127 von insgesamt 128 Seiten) wurde selbst von der DVAG erstellt und beinhaltet deren Leitlinien und Unternehmensprofil.      

Zapp: In dem Lehrmaterial wird auch die Tätigkeit des Vermögensberaters bei der DVAG als Berufsziel vorgestellt, dabei heißt es, die Karriereaussichten bei der DVAG seien laut einer Ratingagentur exzellent.  In einer Studie des Bundesverbraucherschutzministeriums über Finanzvermittler heißt es hingegen zu den Erwerbsmöglichkeiten von Finanzberatern: "Der Beruf wirft nur für einen kleinen Kreis von Vermittlern hinreichend viel ab, um überhaupt davon leben zu können." Davon findet sich nichts in Ihrem Unterrichtsmaterial, warum nicht?

Handelsblatt: Ziel der Unterrichtseinheit ist es, den Schülern Strukturwissen zum Thema finanzielle Allgemeinbildung zu vermitteln.  Die Förderung der Berufsorientierung von Schülern ist kein Bestandteil  des Konzepts. Aus diesem Grund haben wir in der Vergangenheit davon abgesehen unterschiedliche Quellen und Alternativen zum Thema Berufswahl vorzustellen.

Zapp: In dem Lehrmaterial wird die DVAG als einziger Praxiskontaktpartner empfohlen. Verbraucherschützer vermuten dahinter das Ziel zum einen den "Verkauf von Finanzdienstleistungs-Produkten, zum anderen die Anwerbung von zukünftigen Vermögensberatern". Was sagen Sie dazu?

Handelsblatt: Die Unterrichtseinheit hat zum Ziel, Strukturwissen zum Thema Finanzielle Allgemeinbildung zu vermitteln. Es geht in keinster Weise darum, bestimmte Produkte zu bewerten, zu bewerben oder zu verkaufen. Vielmehr geht es darum, den Schülern Instrumente an die Hand zu geben, um ihre finanzielle Situation richtig einzuschätzen und dementsprechend die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die DVAG als Praxispartner ist lediglich ein Beispiel  - und ist auch so zu sehen. Da es uns nicht um einen Produktverkauf geht, ist es nicht notwendig, mehrere Anbieter von Versicherungen u.ä. aufzuzählen. Die Auswahl des "richtigen" Versicherungsgebers ist an dieser Stelle nicht die Zielsetzung der Unterrichtseinheit.

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