Umstritten: Megaupload-Gründer Schmitz im Knast

Gitter statt Glitter. Der illustre Internet Millionär Kim Dotcom, wie er sich selbst nennt, bleibt in Haft. Der Richter sieht Fluchtgefahr. Dabei hatten sich die Piraten aus Deutschland und Hacker aus aller Welt ganz schön ins Zeug geworfen für den Mega-Upload-Macker, letztere legten sogar die Internetseite des US-Justizministeriums lahm. Doch diesmal setzen sich die "Kämpfer für ein freies Netz" womöglich für den Falschen ein. ZAPP über Aufstieg und Fall eines zwielichtigen Internetstars.

Ein Film von Boris Rosenkranz.

Er zeigt sich gern als Mann in Saus und Braus, erfolgreich, millionenschwer - eine Medienfigur auf dem Weg nach ganz oben. Und nun ist er ganz unten. Kim Schmitz alias Kim Dotcom steht vor Gericht. Er soll mit Megaupload, einem umstrittenen Speicherdienst für Musik und Filme, die Unterhaltungsindustrie um rund 500 Millionen Dollar gebracht haben. Vorige Woche stürmt die Polizei Schmitz‘ Villa in Neuseeland, nimmt Mr. Dotcom fest, beschlagnahmt Bargeld, teure Autos. Das Ende der Überholspur.

Konrad Lischka, Redakteur bei "Spiegel Online", meint: "Jetzt ist ihm das ein bisschen entglitten. Jetzt ist es sein Fuhrpark und die Flamingos und all die Dinge, die er uns nicht gezeigt hat."

Dabei hatte alles so schön angefangen. In den 1990er-Jahren wird Schmitz in Deutschland  als Hacker bekannt. Er macht windige Geschäfte, knackt Computer, verkauft sein Wissen und gelangt sehr schnell an sehr viel Geld. Die bunten Blätter feiern ihn. "Bild" schwärmt vom "deutschen Hightech-Märchen" (8.12.2000), zeigt die dicke Hose in Pose, und raunt: "Die Männer, mit denen er heute Geschäfte macht, früher zitterten sie vor ihm."

Konrad Lischka: "Das war schon eine andere Welt, Computer waren nicht überall präsent, es hat sie nicht jeder jeden Tag benutzt, und man konnte viele Dinge erzählen, ohne dass es Leute gab, die das nachprüften oder nur irgendwie dachten: Ist das überhaupt plausibel?"

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Konrad Lischka, Redakteur "Spiegel Online" © NDR
 
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Das Interview mit Konrad Lischka, Redakteur "Spiegel Online"

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Schöne Geschichten für die Medien

Und so entstehen Legenden, über einen, der Helmut Kohls Kreditlimit auf Null gesetzt haben soll und angeblich Greenpeace fremdes Geld überwies. Der große Kim zelebriert in fröhlichen Talkrunden sein Image:

Kim Schmitz: "Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon über 2.000 Server gehackt, also darunter die Telekom oder AT&T, also meistens die Telefongesellschaften, aber auch Geheimdienste oder Organisationen wie das Pentagon oder NASA."
Nachfrage Moderatorin: "Da waren Sie auch schon drin? Haben Sie Frau Lorenz nicht getroffen?" (NDR Talk Show, 20.10.2000).

Es sind schöne Geschichten, die Medien gern verbreiten. Belege gibt es keine. Schmitz feiert weiter, stellt sein Luxus-Leben zur Schau und gibt den Boulevard-Magazinen, was sie wollen: geile Bilder. Er chartert Ferraris, rast mit Freunden zum Formel 1-Rennen nach Monaco, begleitet vom Privatfernsehen und seinen eigenen Kamerateams:

Kim Schmitz: "Ganz geil, oder? Alter."
Sprecher: "Kim, the Schmitz, macht’s möglich."
Kim Schmitz: "Also wenn ich sowas mache, muss ich das natürlich jedes Jahr toppen. Und dieses Jahr haben wir noch viel größere Boote, eine Riesenterrasse, um das Rennen zu verfolgen, und noch viel mehr interessante Leute." ("Kimble goes Monaco").

Vom Medienliebling zum "Großmaul"

Ein schrilles Leben für die schrillen Blätter. 2001 schleppt Schmitz eine Ex von Dieter Bohlen ab. "Bild" ist mit in der Karibik beim "heißen Liebesurlaub mit dem Computer-Millionär" (31.1.2001), zeigt Kim und Kollegen exklusiv beim Planschen im Pool.

Konrad Lischka: "Kim Schmitz ist offensichtlich jemand, der gerne in den Medien ist und auch die Medien durchaus instrumentalisiert, zur Selbstdarstellung. Und sonst würde ich ihn, wenn ich als erstes irgendwie einfach ein Wort bräuchte, dann würde ich sagen: Das ist ein Geschäftsmann."

2001 will er die angeschlagene Internetfirma Letsbuyit.com retten, bietet Millionen. Der Konkursantrag wird zurückgezogen, die Nachricht geht über die Ticker. Und der Aktienkurs explodiert. Schmitz hatte günstig Letsbuyit-Aktien gekauft, kurz bevor die Agenturen die Rettung melden, und dann teuer wieder abgestoßen. Dafür landet er vor Gericht und wird wegen Insiderhandels verurteilt.

Da ist Schmitz längst in vielen Medien nicht mehr das Wunderkind, sondern ein "Großmaul" ("Stern", 28.9.2000), die "Jenny E. der New Economy" ("Der Spiegel", 05.02.2001) und auch für "Bild" ist das Genie bald nur noch der "dicke Internet-Gauner" (22.3.2002).

Der fühlt sich von kritischen Journalisten schlecht behandelt, missverstanden, will Hilfe von ganz oben: "Jetzt, finde ich, ist es auch an der Politik, sich hier einzusetzen, dass also hier mal eine Trendwende passiert, dass Jungunternehmer in Deutschland, speziell Jungunternehmer, die auch zu ihrem Erfolg stehen, nicht runtergemacht werden von den Medien." (Sat1, Harald Schmidt Show, 2001).

Einige Journalisten fürchten Schmitz und seine Anwälte, bis heute, wollen vor der ZAPP Kamera nicht über ihn reden. Einschüchtern, drohen, auch das kann Kim Schmitz.

Konrad Lischka: "Wir haben E-Mails geschickt. Und es hat jemand geantwortet auf Englisch und Deutsch, der zu verstehen gab, dass er Kim Schmitz ist. Und hat schon zu verstehen gegeben, dass durchaus man die Berichterstattung beobachten werde und jeden Fehler nutzen werde, um rechtlich dagegen vorzugehen. Das ist das eine, das andere ist die Sprache, die tatsächlich zum Teil vulgär war und wie soll ich sagen, den Eindruck erweckte, dass da jemand vielleicht auch verletzt war von früherer Berichterstattung."

Es war still um das Medienphänomen Kim Schmitz, aber nur zwischendurch. Jetzt ist Mr. Dotcom zurück. Geschichten und Bilder liefert er immer noch. Regie allerdings führen nun andere.

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Von Boulevardschlachten über Rosenkriege bis hin zu den Image-Kampagnen der Polit-Szene - ZAPP blickt hinter die Kulissen der Medienwelt.

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01.06.2012 01:15 Uhr

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Kim Schmitz gibt sich gern als findiger Internetunternehmer und Lebemann.

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