Sendedatum: 21.10.2009 23:05 Uhr  | Archiv

Wie die HSH Nordbank die Öffentlichkeit verhöhnt

von Anne Ruprecht, Stephanie Zietz

Es war der Moment auf den Journalisten monatelang gewartet haben. Die Manager der HSH Nordbank stellen sich der Presse. Nach ewigem Schweigen der Manager hatten sich so viele Fragen bei den Journalisten angehäuft. Vor allem an den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher. Aber beantwortet wurde keine. Statt Statements gab es Schnittchen, statt Antworten Apfelsaft. So unverschämt geht man mit dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit um.

Er ist aus seinem Versteck gekommen. Von ihm gibt es kaum Bilder, aber den Namen von Dirk Jens Nonnenmacher, dem Chef der HSH-Nordbank, kennt fast jeder. Er ist in der Krise ist er berühmt geworden. An seiner Seite steht bei der HSH Hilmar Kopper, der Aufsichtsrat. Mit Steuermilliarden wurde die HSH vor dem Ruin gerettet.  Aber kaum jemand  weiß, wie es der Bank wirklich geht.  immer neue Enthüllungen dringen nach draußen:

"Millionenprämie für Nordbank-Chef Nonnemacher" (Die Welt vom 11. Juli 2009).
"Dr. No.“ In Erklärungsnot" (Focus Nr. 43 vom 19. Oktober 2009).
"Bank-Chef unter Verdacht" (Süddeutsche Zeitung vom 28.09.2009).
"Sie sind im Visier des Staatsanwalts" (Hamburger Morgenpost vom 17. Oktober 2009).

Die Journalisten warten seit Monaten auf Antworten. War Nonnenmacher in Risikogeschäfte verwickelt? Wie rechtfertigt er seine Bonusmillionen? Heute will die Bank zwei neue Vorstände präsentieren.  Nonnenmacher wagt sich vor die Kameras – angeblich. Peter Hornung, Redakteur bei NDR-Info, sagt: "Es wurde ja schon irgendwie gemutmaßt, ob es ihn überhaupt gibt, oder ob es nur ein Phantom ist. Man hat immer die gleichen Bilder von ihm gesehen. Es gab ja nichts."

Christian Kersting schreibt für die Bildzeitung und meint: "Er kneift seit Monaten, er hat bisher, wenn ich das richtig gesehen habe, zwei Interviews gegeben."

Peter Kleffmann, NDR-Reporter für das "Hamburg Journal": "Ich weiß nicht, ob sich Herr Nonnenmacher der Illusion hingibt, dass man tatsächlich nur seine Vorstände vorstellt und dann vielleicht nichts weiter passiert, keine Fragen beantwortet. Eigentlich interessieren diese Vorstände hier ja keinen wirklich, sondern man will endlich die Fragen loswerden, die seit Monaten an Herrn Nonnenmacher oder Herrn Kopper ja eigentlich offen sind."

Ein PR-Deasaster

Und es kommen immer neue Fragen hinzu. Hat Nonnenmacher frühere Risikogeschäfte mitzuverantworten? Hat er die Krise mitverursacht? Recherchen von NDR-Info sorgen für Wirbel.

Peter Hornung fasst zusammen: "Das war ein Desaster für die Bank, überhaupt war das ein PR-Desaster wie die Bank in den letzten Wochen und Monaten auf die Skandale reagiert hat. Es gab keine Stimme, es gab kein Gesicht. Weder Nonnenmacher noch einen Pressesprecher." Christian Burmeister von der Hamburger Morgenpost meint: "Die Kommunikationspolitik der Bank war in der Vergangenheit ja eher darauf ausgelegt, zu beschwichtigen, zu vertrösten und zu dementieren. Wenn wir das heute Abend, heute Nachmittag hier wieder erleben, das wäre dann natürlich dann eigentlich ein neuer Tiefpunkt."

Der neue Tiefpunkt zeichnet sich ab. Denn die Bank hat in ihre Eingangshalle geladen. Nur hier sind die Journalisten geduldet. Eine feste Uhrzeit für den Auftritt Nonnenmachers erfährt niemand. Wieder einmal heißt es für die Journalisten Warten und Wegelagern. Peter Hornung meint: "Angemessen wäre, wenn man eine ganz normale Pressekonferenz ansetzen würde, wo man sich auch mal hinsetzen kann, wo man in die Bank rein kann, wo die Bank Offenheit zeigen würde. Aber hier zwischen Tür und Angel ein kurzes Statement, das finde ich absolut unangemessen."

Peter Kleffmann, der NDR-Fernsehreporter, sagt: "Die sind ja fast schon humorvoll, das hier vorne im Foyer zu machen. Mit Transparenz hat das ja gar nichts zu tun. Vor allen Dingen, es zeigt ja auch so ein bisschen: Der normale Journalist, der normale Bürger ist anscheinend dem Vorstand egal." Dürre Erklärungen, gedruckte Statements. Hinhalten, Hofhalten. Selbst auf einfachste Fragen gibt es ausweichende Antworten.

Martin Niessen, Redakteur beim ZDF, ist empört: "Also, ich habe den entscheidenden Hinweis, wie die HSH-Nordbank mit der Öffentlichkeit umgeht, gerade von dem Pressesprecher bekommen. Er sagt mir auf meine Frage, wie lange das denn noch dauern würde, ich sollte mich doch bitte bei dem Journalisten beschweren, der das ganze hier aufgedeckt hat."

Wie Schmutzfinken behandelt

Selten haben die Journalisten so dreiste Antworten bekommen. Selbst von der HSH-Nordbank noch nicht. Der Rechercheur und Reporter wird hier wie ein Schmutzfink behandelt, den man mit belegten Brötchen abspeist. Artur Fischer-Meny, Reporter vom "Alster-Radio", meint dazu: "Ich hätte gerne statt der Schnittchen lieber Statements gehabt und ich hätte statt des Apfelsafts gern auch lieber Antworten gehabt. Das scheint heute Abend nicht der Fall zu sein. Gerade kam die Ansage, man möchte sich jetzt zwar hinstellen, aber man muss danach sofort wieder in die Sitzung. Das heißt es werden auch  keine Nachfragen erlaubt sein und da fühl ich mich ziemlich verarscht auf deutsch gesagt, ja."

Am Abend endlich lassen sich die Banker blicken. Ein absurdes Schauspiel beginnt. Dirk Jens Nonnenmacher begrüßt die anwesenden Pressevertreter: "Meine Damen und Herren, herzlich Willkommen in den Räumen der HSH-Nordbank! Die Mitarbeiter der HSH-Nordbank haben in den vergangen Wochen und Monaten,  hervorragende Arbeit geleistet." Hilmar Kopper ergänzt: "Ja meine Damen und Herren, es ist mir eine große Freude, dass wir uns mal gemeinsam hier nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Zukunft der HSH-Nordbank beschäftigen können." Statt großer Freude - Fronten und Fragen.

Das Interesse der Öffentlichkeit ist offenbar lästig 

Ein Journalist fragt: "Herr Nonnenmacher warum haben Sie die risikoreichen Omega-Geschäfte denn genehmigt?"

Statt Dirk Jens Nonnenmacher antwortet Hilmar Kopper: "Wir sollten dieselben Fragen nicht immer wieder neu stellen, meine Damen und Herren." Auf dieselben Fragen aber gab es nie Antworten. Bis heute nicht.

Eine Journalistin fragt: "Herr Nonnenmacher, seit Monaten gibt es immer neue Schlagzeilen um Ihre Person. Warum stellen sie sich erst jetzt der Presse und antworten nicht auf diese Fragen?" Dirk Jens Nonnenmacher antwortet: "Wissen Sie, ich glaube es ist in der Vergangenheit so viel von jedem hier erzählt, gemutmaßt und so weiter worden, dem habe ich de facto hier nichts hinzuzufügen."

Eine unverfrorene Antwort - vorgetragen mit einem herablassenden Lächeln.

Wieder fragt ein Journalist: "Ich meine, Sie können die Spekulationen ja beenden, indem sie selbst etwas dazu beitragen zur Aufklärung." Nonnenmacher aber will nicht aufklären. Wieder versteckt er sich. Das Interesse der Öffentlichkeit ist ihm offensichtlich lästig. Die Nachfragen für ihn ein Witz. In dieser Situation sagt Hilmar Kopper: "Glauben Sie mir, mir tut das sehr leid, aber ich kann dazu nicht mehr sagen." - Ein Journalist ruft dazwischen: "Nein, aber Herr Nonnenmacher kann." - Hilmar Kopper: "Nein das kann er auch nicht."

Eine Journalistin fragt: "Warum stellt sich Herr Nonnenmacher wieder den Fragen nicht? Wo er doch diese Bank leiten soll und aus der Krise führen soll. Was erweckt das für einen Eindruck?" - Hilmar Kopper fragt nach: "Was erweckt das für einen Eindruck?" - Die Journalistin entgegnet: "Na, Herr Nonnenmacher steht in der zweiten Reihe und..." - Hilmar Kopper antwortet: "Sie erwarten doch von mir, dass ich etwas dazu sage." - Die Journalistin meint dazu: "Ich denke aber, dass sehr viele Journalisten hier Fragen an Herrn Nonnenmacher hätten." - Hilmar Kopper: "Na gut dann versuchen Sie es."

Dirk Jens Nonnenmacher tritt vor und meint später: "Ich glaube, das Ziel ist heute nicht eine Pressekonferenz abzugeben, sondern ich glaube, wir sollten jetzt mal die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen und mit dem Blick nach vorne hier schauen. Wir haben jetzt hier zwei neue Kollegen und werden hier noch mal deutlich mehr Schwung in die Restrukturierung der Bank um zur wieder strategischen Ausrichtung bekommen. Und ich glaube, das soll es von meiner Seite aus heute gewesen sein."

Den Bezug zur Realität verloren

Und wieder gibt es keine Antworten. Weder für die Journalisten noch für die Steuerzahler. Der Redakteur Christian Burmeister von der Hamburger Morgenpost meint: "Ich bin eigentlich fassungslos. Und ich glaube, das geht den meisten Kollegen auch so. Es war auch, finde ich, insgesamt ein unsouveräner Auftritt, dann sozusagen zu fliehen. Man merkte so richtig den Fluchtimplus, der die Manager ergriff. Und, ja, das ist das alte Schema."

Peter Kleffmann, NDR-Reporter meint: "Eigentlich hat er ja nur gesagt, er beantwortet keine Fragen, und ja ziemlich kaltschnäuzig ja auch gesagt, 'wir wollen die Vergangenheit ruhen lassen'. Ich meine, jeder Versuch das aufzuarbeiten, man kann, glaube ich, in so einer brisanten Situation ja nicht die Vergangenheit ruhen lassen, wenn die quasi mit ihren Folgen bis in die Gegenwart nachwirken."

Der Bildzeitungsredakteur Christian Kersting sagt: "Es war der Versuch, in die Offensive zu kommen. Und der ist gründlich in die Hose gegangen."

Ein abstruser Auftritt – voller Arroganz. Als hätten diese Banker den Bezug zur Realität längst verloren.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.10.2009 | 23:05 Uhr

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