Foht-Affäre: Neue Vorwürfe

Sie singen von Liebe, Sehnsucht, Herzschmerz. Volksmusik soll Balsam für die Seele sein. Und für Millionen ist sie das auch. Sie hören deutsche Schlager und schauen MDR. Der ARD-Sender ist die Heimat für Fans von Helene Fischer und Co. Udo Foht jahrelang der Zeremonienmeister. Der große Zampano war MDR Unterhaltungschef. Er hat die Volksmusik-Stars prominent inszeniert und dabei mit hohen Summen jongliert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb bereits wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Nun tauchen neue Vorwürfe auf. Diesmal gegen den Manager von Helene Fischer.

ZAPP - Autor/in: Jasmin Klofta, Lutz Ackermann, Birgit Wärnke, Cristian von Brockhausen

Ein Film von Jasmin Klofta, Lutz Ackermann, Birgit Wärnke und Cristian von Brockhausen.

Sie hat es nach ganz Oben geschafft: Helene Fischer gehört zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands. Mit pompösen Inszenierungen füllt sie große Konzerthallen wie in Frankfurt, am vergangenen Wochenende:

Reporterin: "Woher kennen Sie Helene Fischer?"
Drei Männer am Einlass, erster Mann: "Aus dem Fernsehen."
Zweiter Mann: "Ich würde sagen auch aus dem Fernsehen."
Dritter Mann: "Nach und nach hat einem das dann gefallen und dann ist man Fan geworden."

Um Helene Fischer ins Fernsehen zu bringen, soll ihr Manager Geld bezahlt haben. Das jedenfalls prüft die Staatsanwaltschaft Leipzig. Nach Recherchen von Panorama ermittelt die gegen den Künstlermanager wegen des Verdachts der Bestechung. Gegen Helene Fischer selbst wird nicht ermittelt. Im Dezember 2011 durchsuchen Ermittlungsbehörden die Hamburger Geschäftsräume des Managements von Helene Fischer. Sie beschlagnahmen Akten und Belege. Der Manager soll offenbar gleich mehrfach hohe Summen, insgesamt 40.000 Euro, auf das Konto von Udo Foht gezahlt haben.

Er war 20 Jahre lang der Unterhaltungschef des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Volksmusik-Branche hofierte ihn. Seinen Job hat Foht inzwischen verloren. Auch er steht unter Verdacht, wegen Bestechlichkeit in mehreren Fällen. Ob es sich bei den Zahlungen des Managers von Helene Fischer wirklich um Korruption handelt, das Geld dazu bestimmt war, die Sängerin ins Fernsehen zu bringen, ist derzeit noch unklar.

Britta Bannenberg, Korruptionsexpertin: "Wenn jemand Abteilungsleiter bei einem Sender ist, dann hat er natürlich eine große Entscheidungsmacht, was gesendet wird, ob etwas gesendet wird und ob es vielleicht sogar produziert wird. Und auf der anderen Seite gibt es eine große Anbieternachfrage danach, gesendet zu werden. Und um das sicher zu stellen, kann man natürlich dann nachhelfen mit privaten Zahlungen. Das ist aber illegitim und eindeutig begründet dieses den Verdacht der Korruption."

Gute Zusammenarbeit zwischen Sender und Sängerin

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob der Manager von Helene Fischer sie oder andere seiner Künstler in MDR-Sendungen platziert hat. Sicher ist nur: Helene Fischer wurde im MDR prominent in Szene gesetzt. 2007 sendet der MDR sogar einen 45minütigen Musikfilm über Fischer, ganz nah, ganz persönlich. Auf die gute Zusammenarbeit zwischen dem MDR und Helene Fischer ist der Sender stolz. Eine MDR-Moderatorin betont gerne den Anteil des Senders: "Eine Karriere, die ohne den MDR nie so rasant verlaufen wäre." ("Schlager einer Medienstadt", 2009)

Dokumente, die uns vorliegen, belegen: Im Jahr 2007 beginnen die Zahlungen von Fischers Manager an Foht. Mehrfach wird im Buchungstext "Helene Fischer" erwähnt. Circa 20.000 Euro gingen auf Fohts Konto im Zusammenhang mit einer Tournee von Helene Fischer. Auch 2009 zahlte der Manager, erst 15.000 Euro, ein paar Tage später 5.000 Euro. Dieses Mal gekennzeichnet als "Darlehen”. Der genaue Zweck ist bis heute unklar.

Britta Bannenberg: "Das klingt so, als wollte das Management hier Klimapflege betreiben. Das heißt, auf Dauer ein günstiges Klima schaffen, dass die Dame weiter im Geschäft bleibt. Auch so etwas ist ja nicht unbekannt in Korrptionsstrukturen."

Allerdings flossen die Zahlungen von Fischers Manager zu einem Zeitpunkt, als Helene Fischer bereits bekannt war. Der Manager will zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.  Wir haben auch Udo Foht um ein Interview gebeten, vor der Kamera will er derzeit nichts sagen. Schriftlich weist er die Tatvorwürfe zurück: Er habe "nie berufliche Gegenleistungen oder sonstige Vorteile für private Darlehen gewährt". Dem MDR sei "kein Schaden entstanden, im Gegenteil". Der MDR nimmt derzeit keine Stellung, unterstützt aber die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.  Ob Helene Fischer von den Zahlungen wusste, ist unklar. Anfragen an sie bleiben unbeantwortet. Die laufen über ihren Manager, das ist weiterhin derselbe.

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ZAPP | 10.10.2012 | 23:20 Uhr

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