Udo Foht: Undurchsichtige Beraterverträge

König der Volksmusik, so ließ er sich gerne nennen. König der Finanzjongleure wäre wohl ein besserer Titel für ihn. Seit mehreren Wochen plagt sich der MDR mit der Affäre um den ehemaligen Unterhaltungschef Udo Foht herum. Die Medien entwirren immer weiter das Geflecht aus verschiedenen Firmen, die sich gegenseitig Geld gegeben haben. Und immer wieder steckt Udo Foht da irgendwie drin. Nach ZAPP Recherchen ist eine Firma besonders in den Fokus geraten: "Just for Fun" heißt sie. "Just for Foht" wäre wohl passender.

ZAPP - Autor/in: Jasmin Klofta, Gita Datta

Ein Film von Jasmin Klofta und Gita Datta.

In diesem Berliner Wohnhaus hat die Firma "Just for Fun" ihren Sitz. Sie ist immer wieder in den Schlagzeilen, denn viele dubiose Zahlungen sind hier gelandet. 10.000 Euro von einem Berliner Musikmanager, 20.000 von einer Leipziger Produktionsfirma, 30.000 Euro von einem Burda-Manager. All diese Zahlungen soll Udo Foht, der inzwischen suspendierte Unterhaltungs-Chef des MDR, veranlasst haben. Er hatte immer wieder Firmen oder Produzenten gebeten, kurzfristig mit Geld auszuhelfen - undurchsichtige Finanztransaktionen oftmals mit der Zieladresse "Just for Fun".

Steffen Grimberg, Medienredakteur der "taz", meint: "Der Verdacht drängt sich auf, dass das eine Art Sparbuchse oder kleine Geldumverteilstation von Herrn Foht war."

Marc Neller, Redakteur von "Die Welt" sagt: "Die Firma „Just for Fun“ ist in dieser ganzen Foht-Affäre im Grunde genommen die Black Box."

In diese "Black Box", die Firma "Just for Fun", soll nach ZAPP Recherchen auch Geld vom MDR geflossen sein. Es soll um Rechnungen in Höhe von rund 160.000 Euro gehen, angeblich für Beratungsleistungen von "Just for Fun". Der MDR geht inzwischen dem Verdacht nach, dass in diesem Zusammenhang Scheinrechnungen erstellt wurden. Dabei hatte der Sender bislang betont, ihm sei kein finanzieller Schaden entstanden. Ein dubioser Vertrag, der viele Fragen aufwirft, denn eigentlich war der Vertrag mit "Just for Fun" auf ein Jahr befristet, das vereinbarte Honorar rund 40.000 Euro. Doch die Zahlungen gingen zwei Jahre lang weiter. Am Ende zahlte der MDR an die Firma rund 160.000 Euro, das Vierfache. Die Leistung: beispielsweise "Formatbeobachtungen".

Steffen Grimberg: "Wenn irgendjemand drei Sätze mit ihnen redet, kann das entweder ein nettes Gespräch gewesen sein unter Kollegen oder eine hoch dotierte Beratertätigkeit. [...] Und da hat man dann zufällig mal abends auf dem Hotel Fernsehen geschaut und dann war das eine teure Marktbeobachtung. Also das ist aber auch bekannt, gerade bei den kreativen Berufen gibt es diesen Unsicherheitsfaktor."

Was ist Zufall, was Kalkül?

Ob es überhaupt Gegenleistungen gegeben hat, ist unklar. Und es gibt noch mehr Ungereimtheiten. Die rund 160.000 Euro sollen so gestückelt worden sein, dass die Rechnungssummen von "Just for Fun" immer unter 5.000 Euro lagen. Denn bei über 5.000 Euro hätten zwei Personen im MDR die Geldanweisung abzeichnen müssen. War das Zufall oder Kalkül von den Machern von "Just for Fun"?

Steffen Grimberg: "Die Firma ist, wenn man so will, eine Art kleine Holding für eine Firmengruppe, die eine ganze Menge Dinge macht, die aber kaum was mit Fernsehen zu tun haben."

Die Firma läuft auf den Kaufmann Renè Bohacek. Als Geschäftstätigkeit werden Hilfsdienstleistungen für kulturelle Veranstaltungen, Hausmeistertätigkeiten, sowie Ausführung von Holz- und Bautenschutzarbeiten genannt, nicht jedoch explizit TV-Beratungen. Am Telefon wollte Bohacek ZAPP keine Fragen beantworten, auch schriftlich reagiert man nicht und vor Ort treffen wir keinen an. Aber zwischen Bohacek und Foht gibt es eine Verbindung: Carsten Weidling - Bohaceks ehemaliger Schulfreund und Zögling von Udo Foht.

Weidling moderierte diverse Sendungen im MDR, die Foht verantwortete, darunter das "Riverboat". Zuletzt schickte ihn der MDR für eine Unterhaltungssendung nach Australien. Auf Weidlings Internetseite findet sich als Kontaktadresse die Anschrift von JFF, "Just for Fun". Ein Interview will auch Weidling ZAPP nicht geben. Auch wenn es viele Fragen zu den undurchsichtigen Rechnungen von "Just for Fun" gibt.

Steffen Grimberg: "Da gibt es bis jetzt keinerlei Hinweis darauf, was es da für eine Gegenleistung gab. Der MDR hätte jede Möglichkeit sich da ganz schnell ehrlich zu machen indem er eben erklärt, was er dafür von „Just for Fun“ bekommen hat."

Geld für Beratungen

Doch auch der MDR will sich gegenüber ZAPP nicht erklären, verweist auf staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. Wegen Udo Fohts merkwürdigen Geldverschiebereien will der MDR Foht kündigen. Gegen den Schunkelkönig von einst ermittelt nun die Leipziger Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe: Betrug, Untreue, Bestechlichkeit. Aber Foht engagierte nicht nur Berater, sondern profitierte selbst von lukrativen Berater-Aufträgen. So unterstützte Udo Foht den SWR bei der Sendung "Immer wieder Sonntags". "Kollegial", wie der SWR sagt, also gratis. Doch neben einer Beratung des SWR, hielt er gleichzeitig die Hand beim Produzenten der Sendung, Werner Kimmig, auf. 10.000 Euro erhielt der festangestellte Unterhaltungschef damals für angebliche "Beratungen".

Marc Neller: "Und da liegt ein klarer Interessenkonflikt vor, denn ein Mann des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens, in diesem Fall MDR, berät einen Produzenten, der wiederum häufiger und gutgefragter Lieferant der ARD ist. Und da stellt sich natürlich die Frage, warum macht man das? Und da stellt sich die Frage nach der Distanz."

Foht und Kimmig kungelten, während weder der SWR noch der MDR davon wussten. Zudem hat Kimmig Foht offenbar finanziell ausgeholfen. Produzierte Kimmig auch deshalb so erfolgreich Großprojekte für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk?

Steffen Grimberg: "Es scheint da ein dichtes Netzwerk gegeben zu haben. Man kennt sich natürlich untereinander. Die Unterhaltungsbranche, das ist ein enges Geflecht."

Und es tauchen immer neue Fälle auf: Auch die "Super Illu", berichtet die "taz" heute, habe Zahlungen für Foht übernommen, im Zusammenhang mit der Verleihung der „Goldenen Henne“ 2008. Der jüngste MDR- Skandal ist noch lange nicht beendet.

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ZAPP | 07.09.2011 | 23:20 Uhr

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