Sendedatum: 12.05.2010 23:05 Uhr  | Archiv

Wie BP jahrelang ein grünes Image vortäuschte

von Mareike Fuchs, Anne Ruprecht

Das sind Horror-Bilder: verklebte Vögel, tote Tiere, ertränkt im Öl. Wir kennen sie von zahlreichen Ölkatastrophen. Seit drei Wochen nun laufen riesige Mengen Öl im Golf von Mexiko aus und hinterlassen ihre Spuren auch in den Nachrichten. Die Umweltkatastrophe ist täglich Thema. Die schlimmsten Bilder allerdings, die von den verklebten Tieren, gibt es nicht. Noch nicht. Trotzdem, für den Öl-Riesen BP ist die Umwelt-Katastrophe schon jetzt ein PR Desaster. Zapp über ein verdrecktes Image. 

 

Löschschiffe versuchen nach einer Explosion dem Feuer auf der Bohrinsel Deepwater Horizon Herr zu werden © picture alliance / landov Fotograf: MICHAEL DEMOCKER

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Bis vor kurzem schien die BP-Welt noch fröhlich und beschwingt - zumindest in der Werbung. Cerstin Gammelin, Redakteurin der Süddeutsche Zeitung, meint: "Die Anzeigen, die BP schaltet, sind eigentlich dafür da, dass die Leute, die sie angucken, sagen 'ach schön BP, ne grüne Sonne oder eine Sonnenblume, das ist ein schöner grüner Konzern, ich will auch was für die Umwelt tun, also fahr ich tanken zu BP'."

Das vollmundige Werbeversprechen von BP: Den Tag ein bisschen besser zu machen - "Make the day a little better". Doch der 20. April war kein guter Tag für BP und auch nicht für die Umwelt. Eine Ölplattform im Golf von Mexiko explodiert und versinkt. Seither verschmutzen täglich hunderttausende Liter Rohöl den Ozean. Und BP ist bloßgestellt als Umweltsünder.  

 

Interview

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Toralf Staud von Klima-Lügendetektor.de: "Sie stehen schon ziemlich da wie ein begossener Pudel. Alles Geld, was in den Aufbau eines ökologischen Images geflossen ist, ist jetzt vertan. Hat sich in Luft aufgelöst. Die Seifenblase ist zerplatzt." Der grüne Lack schwer angekratzt. Dabei hatte BP es besser machen wollen als der Konkurrent Shell.

Brent Spar - Imageschaden für Shell

Rückblick: 1995, der Ölkonzern Shell will seine Plattform Brent Spar in der Nordsee versenken und so günstig entsorgen. Umweltschützer protestieren, empörte Bürger boykottieren Shell. Der Umsatz bricht dramatisch ein, Shell wird weltweit geächtet. Toralf Staud: "Da war es völlig egal, wie viel Öl oder Chemikalien in dieser Bohrplattform überhaupt waren. Die reine Symbolik, 'hier wird was versenkt, während jeder normale Bürger irgendwie seinen Müll trennen soll', war so verheerend, dass klar wurde: Als großes Unternehmen kann man sich von öffentlichen Erwartungen in Sachen Umwelt nicht mehr völlig abkoppeln, man muss irgendwie darauf reagieren."

Shell reagiert mit großen Anzeigen, will angeblich etwas ändern in Sachen Umwelt, beteuert seine Verantwortung. Und auch BP startet eine Öko-Offensive. Setzt fortan werbewirksam auf die Kraft der Sonne und Windenergie: Ausschließlich "Super, Benzin, Diesel", das war gestern, - nun kommen die "Kraftstoffe von morgen" plus neuer Slogan: "Beyond Petroleum" - Über Erdöl hinaus.

Millionen für ein grünes Image

Cerstin Gammelin sagt: "Es ist aber nicht so, dass der Ölkonzern deswegen grüner wird. Also wenn man die Erlöse aus dem grünen Geschäft in Verhältnis setzt mit den Erlösen aus dem Ölgeschäft, dann sind die einfach verschwindend gering." Stephan Holzinger, PR-Berater, erklärt: "Fakt ist aber, dass das Unternehmen mehr als 99 Prozent seines Umsatzes weiterhin mit Öl und Gas tätigt." 99 Prozent Umsatz stammen aus dem schmutzigen Ölgeschäft. Das hindert BP nicht daran, sich als Saubermann zu präsentieren. Der Konzern sponsert bei Spiegel-Online eine Artikelserie zu "Erneuerbaren-Energien". BP geht sogar an Schulen und erteilt dort Klimaunterricht. Inszeniert sich scheinheilig als großer Klimaschützer. Toralf Staud: "Es ist praktisch ein Besetzen eines Themas und ein Identifizieren des Unternehmens mit dem Thema. Auf die Inhalte guckt dann schon jemand, schon kaum jemand so genau."

Denn beim genauen Hingucken fällt etwas Interessantes auf: BP investiert tatsächlich in Windkraft und Solarenergie. So kaufte sich der Konzern 1999 ins Solargeschäft ein, mit 45 Millionen Dollar. Doch die grüne Imagekampagne, der neue Slogan, der neue Look, das freundliche Logo, das alles war BP viel mehr wert:  Der PR Coup kostete satte 200 Millionen Dollar. Toralf Staud: "Sie wollten sozusagen als Vertreter, als Teil der Lösung auftreten, und haben es dadurch über Jahre geschafft, immer wieder Auflagen zum Klimaschutz zu verwässern. Sie haben in der Öffentlichkeit ein grünes Bild erzeugt, sie haben sich dafür eingesetzt, dass Umweltauflagen gelockert wurden. Also alles das  war viel effektiver möglich mit dem Image ein grüner Konzern zu sein."

Pannenserie in den USA: Diskrepanz zwischen Image und Realität

Eine Zeit lang schien die grüne Strategie aufzugehen, doch die Realität holte das Unternehmen ein. Unfälle erschütterten das Bild vom klimafreundlichen Konzern. Cerstin Gammelin: "BP hatte in den USA in den vergangen Jahren schon sehr, sehr viel zu kämpfen mit dem Image. Nicht nur, weil es ein britischer Konzern ist und da die Amerikaner natürlich doppelt draufgucken, ist der denn wirklich grün oder ist er nicht grün. Sondern auch weil Im Vergleich zu  den anderen Konzernen ausgerechnet BP die meisten Unfälle passiert sind." Zum Beispiel 2005: Eine BP-Raffinerie in Texas geht in Flammen auf. Im gleichen Jahr im Golf von Mexico. Die Beinahe-Katastrophe: Eine Bohrinsel droht nach einem Hurricane zu sinken. 2006: Ein Leck in einer völlig verrosteten BP-Pipeline führt zu einer Ölpest in Alaska. Die Pannenserie zeigt drastisch, wie wenig verantwortungsvoll BP wirklich mit der Umwelt umgeht.

Cerstin Gammelin: "Es gab in den USA schon vor Jahren einen Bericht, der BP bescheinigt hat, dass das unternehmerische Risiko deutlich größer ist als die Vorsorge, die sie treffen für eventuelle Unfälle. Dieser Bericht liegt BP auch vor, der wurde natürlich von BP so nicht publiziert, weil, das widerspricht ja eigentlich dem öffentlichen Image, das sie aufbauen wollen." Und Stephan Holzinger: "Die Diskrepanz zwischen dem Tun und dem Sagen bei BP ist offensichtlich. Das Unternehmen hat trotz der Ankündigungen aus den Desastern 2005 und 2006, Alaska Pipeline und Texas Raffinerie, offensichtlich nicht die erforderlichen Maßnahmen getroffen, sonst wäre diese Katastrophe jetzt nicht passiert."

Denn trotz aller Pannen scheut BP weiterhin kaum ein Risiko. Tiefseebohrungen im Golf von Mexico: Eine gefährliche Operation, die nun im Desaster zu enden droht. Wieder einmal war der Profit offenbar wichtiger als Umweltschutz. BP, der strahlend grüne Konzern, ist  nun weltweit entlarvt.

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 12.05.2010 | 23:05 Uhr

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