Stand: 04.01.2016 10:06 Uhr

AfD: Zwischen Presseball und "Lügenpresse"

von Julian Feldmann
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Angespanntes Verhältnis: Medienvertreter und Delegierte auf dem AfD-Bundesparteitag.

Medien und die AfD geraten immer wieder aneinander - der Partei gefällt die Einordnung als "rechtspopulistisch" nicht, für Reporter werden AfD-Versammlungen derweil zum Spießrutenlauf.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry umschifft den nationalsozialistisch belasteten Begriff der "Lügenpresse", sie spricht von "Pinocchiopresse". Die Journalisten sollten die Anfeindungen aus den Reihen der AfD mit Humor nehmen. Viele Mitglieder ihrer Partei seien einfach über Etikettierungen durch Medien verärgert, sagt Petry. Deshalb müsse man solche Ausbrüche von Wut und Enttäuschung nachvollziehen.

"Rechtspopulistisch" oder nicht?

Während die AfD in der Anfangszeit überwiegend als "eurokritisch" eingeordnet wurde, hat sich inzwischen der Begriff des Rechtspopulismus’ durchgesetzt. Für Verwunderung sorgte da Anfang Dezember, dass der SWR per Dienstanweisung seinen Redaktionen auferlegt habe, die Partei künftig nicht mehr als so zu bezeichnen. Für den Mediendienst Kress rollt der Sender der AfD damit den roten Teppich aus. Die baden-württembergische Wochenzeitung "Kontext" nannte es eine "öffentlich-rechtliche Reinwaschung" der Partei.

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Zwischen Annäherung und Medienschelte: Frauke Petry.

Die AfD jubelte. "Unser Respekt gebührt dem SWR", schrieb ein Kreisverband aus Nordrhein-Westfalen, die Augsburger Parteikollegen führten aus: "Die AfD begrüßt die Entscheidung der Landessender-Direktion, empfanden viele Funktionsträger und Mitglieder die haltlosen Vorwürfe von 'rechtspopulistisch' bis 'rechtsextrem' persönlich verletzend und beleidigend." (Fehler im Original) Der SWR dagegen sieht sich falsch verstanden: "Es geht eben gerade nicht darum, auf eine Einordnung zu verzichten", sagt SWR-Sprecher Wolfgang Utz auf ZAPP-Anfrage. Vielmehr gehe es darum, vor allem bei kurzen Nachrichten zu verhindern, dass "als quasi Automatismus" die AfD mit dem Begriff "rechtspopulistisch" gekoppelt werde. Hausinterne Anweisungen, Parteien mit bestimmten Attributen zu charakterisieren, gab und gibt es nicht, so Utz. Tatsächlich wird in der Berichterstattung des Senders weiterhin das Attribut "rechtspopulistisch" gebraucht.

"Linkfaschistische Propaganda"

Selbst konservative Medien sind nicht vor radikaler Kritik gefeit: Als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) Ende November die Melange aus AfD und Pegida als eine "neue völkische Bewegung" charakterisierte und vor dem "Nukleus einer Bürgerkriegspartei" warnte, waren dem Blatt wüste Beschimpfungen aus den Reihen der AfD sicher. Dass die konservative FAS die AfD-Führung als "Brandstifter" bezeichnete, traf viele Parteianhänger schwer. AfD-Chefin Petry witterte gar "linksfaschistische Propaganda in der FAZ" und "Hetzjournalismus auf niedrigstem Niveau", wie sie auf Twitter kundtat.

Was genau an dem FAS-Beitrag für Petry "linksfaschistisch" ist und ob für sie jedwede Kritik an ihrer Partei "Propaganda" sei, blieb offen. Eine entsprechende Anfrage von ZAPP ließ sie unbeantwortet. Ihre Facebook-Anhängerschaft gab sich in Kommentaren derweil größte Mühe, die Vorwürfe der FAS zu bekräftigen. So rechtfertigen einige etwa Gewalt gegen Journalisten bei Pegida-Demos: "Aber solche leute die so nen müll von sich geben wundern sich noch wenn die auf ner pegida demo wat auf’s gesicht kriegen."

Der Verdruss, dass auch das konservative Leitmedium FAZ über ihre Partei kritisch berichtet und gar von einer "völkischen Bewegung" spricht, scheint bei vielen AfD-Anhängern groß. Dabei ist die Frankfurter Allgemeine für viele der sich als Konservative verstehenden AfD-Mitglieder schon lange nicht mehr die Instanz. Abgelöst hat sie die neurechte Wochenzeitung "Junge Freiheit". Doch Printmedien genießen unter AfD-Anhängern insgesamt nicht mehr viel Vertrauen. Viele informieren sich zusätzlich im Netz durch "Alternativmedien", wie sie es nennen.

Rechte Internet-Plattformen als Alternative

Durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und große Pressehäuser fühlen sich viele Anhänger nicht mehr ausreichend informiert. Vor allem wird auf das Internet gesetzt: "Meine Informationen beziehe ich nicht nur aus Presse und Rundfunk, sondern auch aus dem Internet, aber dort auch sehr breitgefächert", sagte ein Teilnehmer einer AfD-Demonstration in Hamburg zu ZAPP. Eine Frau kritisiert die "Propaganda" vom ZDF, die sich kaum vom russischen Fernsehen unterscheide: "Ansonsten gehe ich lieber ins Internet und lese dort nach. Dort können sich die Bürger frei äußern." Immer wieder wird der Blog "Politically Incorrect" als Informationsquelle genannt, eine rechte Plattform, auf der etwa Gerüchte über Flüchtlinge verbreitet werden.

Während bei der Kundgebung in Hamburg viele Teilnehmer bereitwillig Interviews geben wollten, übten sich die Ordner in Abwehrmaßnahmen gegen Journalisten. Die Hildesheimer AfD-Kreisvorsitzende Alexandra Kriesinger gab dann auch die Losung aus: "Keine Interviews!". Offenbar war eine selbstauferlegte Auflage, dass Teilnehmer nicht mehr mit der Presse reden sollen.

Angriffe auf Journalisten

Immer wieder werden laut "Reporter ohne Grenzen" Journalisten bei AfD-Veranstaltungen angegangen. Nach einer Attacke auf eine ZDF-Reporterin bei einer AfD-Demo in Cottbus, entschuldigte sich Parteivize Alexander Gauland bei der Journalistin - nicht ohne jedoch den "wahren Grund" für Angriffe dieser Art zu benennen: "Die Leute, die auf die Straße gehen, wollen das Willkommensfernsehen von ARD und ZDF nicht sehen." Dies brachte Gauland wiederum viel Kritik von Seiten der Medien ein.

Das Verhältnis zwischen AfD und Medien ist also angespannt. Zwar traut man Journalisten nicht wirklich über den Weg, doch die AfD-Führung bemüht sich derzeit um ein harmonischeres Miteinander. Ein Zeichen dieser Annäherung war auch Petrys Besuch beim Bundespresseball. Kompliziert wird die Beziehung dennoch bleiben.