Stand: 21.06.2017 21:00 Uhr

Unter Beschuss: Starjournalist Armin Wolf

von Caroline Schmidt

Der österreichische Moderator Armin Wolf gilt in der Branche als Vorbild. Er ist bekannt für seine hartnäckigen Interviews, mehrfach ausgezeichnet, in Deutschland gefeiert. In seiner Heimat dagegen wird er für die gleichen Interviews zusehends angefeindet. Kritik kommt nicht nur von Politikern ("Lynchjustiz"), sondern neuerdings auch aus den eigenen Reihen: aus dem ORF. Thomas Prantner, der Online-Chef, bemängelte in aller Öffentlichkeit, dass ein TV-Studio "keine Anklagebank" sei. Ein Mitglied des obersten Zuschauergremiums, des Publikumsrates, urteilte: Wolf betreibe "destruktiven Journalismus". Und der ORF-Manager Roland Brunhofer warf dem Nachrichtenprogramm gar "Zersetzung der Demokratie" vor, bestritt dann aber, den Moderator gemeint zu haben.

Armin Wolf

Unter Beschuss: Starjournalist Armin Wolf

ZAPP -

Der österreichische Moderator Armin Wolf gilt in der Branche als Vorbild, ist bekannt für seine hartnäckigen Interviews. Das stört offenbar viele, vor allem einige Politiker.

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Politiker versuchen Einfluss zu nehmen

Die Lage spitzt sich zu, seit der ehemalige Landeshauptmann Niederösterreichs, Erwin Pröll, ein Volksbegehren für einen "objektiveren ORF" angeregt hat und andere Politiker diese Forderung aufgegriffen haben. "Ich verstehe", so Wolf, "die Dynamik selber nur zum Teil, aber ich erkläre sie mir schon damit, dass in Österreich gerade eine sehr angespannte innenpolitische Atmosphäre herrscht. Wir haben im Oktober Neuwahlen. Niemand weiß, wie diese Wahlen ausgehen. Jetzt haben politische Parteien auf Zeitungen, auf private Medien überhaupt keinen Zugriff. Sie sollten natürlich auch auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk keinen Zugriff haben, aber offenbar haben Politiker noch immer das Gefühl, irgendwie gehört der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon noch irgendwie ihnen oder dem Staat."

ORF kämpfte bisher erfolgreich gegen politische Einmischung

Seit Jahrzehnten will die Politik den ORF auf Linie bringen. Dagegen rebellieren die Redakteure regelmäßig. Der letzte große Aufstand war 2006, als im ORF viele wichtige Positionen mit regierungsnahen Leuten neu besetzt werden sollten. Die Bürger haben das in einer Unterschriftenaktion abgewehrt. Sie stehen bis heute hinter dem ORF, bislang jedenfalls. Denn die öffentliche Hetze durch diverse Politiker irritiert sie sehr. "Ich bekomme plötzlich so viel mehr Mails von Leuten, die sich beschweren über Dinge, die sie so offensichtlich gar nicht gesehen haben", so Wolf, "und das ist allein schon deswegen unangenehm, weil ich ja versuche, alles zu beantworten und damit in den letzten Monaten wirklich Stunden um Stunden jeden Tag verbracht habe." Er erklärt sich ständig, auch via Facebook und Twitter, wo er fast so viele Follower hat wie die größte Boulevardzeitung in Österreich Leser.

Diese Popularität ist einer der Gründe, warum es nicht gelingt, ihn abzusägen.

Wolf rügt übergriffige Politiker

An diesem Mittwochabend nimmt Wolf in Wien den renommierten Axel-Corti-Preis entgegen, den die Österreichischen Volkshochschulen verleihen. Seine Rede, die ZAPP vorliegt, nutzt er, um die Politik in die Schranken zu weisen: Der Rundfunk sei nicht dazu da "Politiker glücklich zu machen", sondern die Bürger zu informieren.  

Weitere Informationen

Axel-Corti-Preis: Dankesrede von Armin Wolf

21.06.2017 23:20 Uhr

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.06.2017 | 23:20 Uhr