Stand: 30.08.2017 18:00 Uhr

Jüterbogs Bürgermeister und die Medien

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Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue im Interview mit Gudrun Kirfel von ZAPP.

Jüterbog, eine Kleinstadt 60 Kilometer südlich von Berlin, kommt nicht zur Ruhe. Alles sollte 2017 im Zeichen des Luther-Jahres und der Versöhnung stehen, aber hinter den beschaulichen Fassaden brodelt es gewaltig. Grund ist der parteilose Bürgermeister Arne Raue, dessen Umgang mit den Medien immer wieder für Aufsehen sorgt in der Lokalpresse und bundesweit. "Bild online" schrieb vergangene Woche: "Skandal-Bürgermeister schließt Facebook-Seite!"

Arne Raue, Bürgermeister der Stadt Jüteborg.

Jüterbogs Bürgermeister und die Medien

ZAPP -

Der Bürgermeister von Jüterbog ist mit Postings gegen Flüchtlinge angeeckt, boykottierte eine Lokalzeitung - oder nicht? Er sieht alles ganz anders, verteidigt seine Kommunikation.

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Bürgermeister verärgerte mit umstrittenen Postings

Sowas hat es in Brandenburg bislang noch nicht gegeben. Wegen seiner umstrittenen Postings z.B. über Krankheiten, die angeblich von Flüchtlingen übertragen werden, oder straffällige Zuwanderer wird der Bürgermeister der Stadt dazu gezwungen, seinen offiziellen Account "Bürgermeister Stadt Jüterbog" zu schließen. Am 12. Januar schrieb Raue auf Facebook: "Ich schaue morgens ins Netz. Messerstecher, ficki-ficki, keine Einzelfälle mehr." Er lästerte über den Rechtsstaat: "Meine Meinung: Irrenanstalt!" (24. März 2017).

Dienstaufsichtsbeschwerde und Disziplinarverfahren

35 Bürger der Stadt hatten wegen dieser und vieler anderen Sätze eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Raue wegen Verleumdung und Volksverhetzung eingereicht. Die Stadtverordneten von Jüterbog stimmten der Beschwerde zu, weil sich ein Bürgermeister "verfassungstreu und neutral" verhalten müsse. In Zukunft soll es eine neue, von der Verwaltung betriebene Facebook-Seite für Jüterbog geben. Die Dienstaufsichtsbeschwerde gesellt sich zu einem Disziplinarverfahren, das gegen Raue läuft. Es wurde eingeleitet, weil der Bürgermeister Raue sich im März weigerte, mit der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" zu sprechen. Ein solches Vorgehen steht im Widerspruch zum Landespressegesetz in Brandenburg.

Schwieriges Verhältnis mit der Presse

Videos
04:59

Durchgezappt: Der deutsche Trump

01.03.2017 23:15 Uhr

Über das komische Presseverständnis eines deutschen Bürgermeisters und Trumps voraussichtliches Deutschlandbild, sollte er deutsches TV gucken. Video (04:59 min)

In einer Mitteilung, die auch auf der städtischen Internetseite veröffentlicht wurde, warf er der Zeitung "Falschmeldungen, Ungenauigkeiten, schlechte Recherchen und Vermutungen" vor. Auslöser war ein Artikel über die Versetzung einer langjährigen Mitarbeiterin seiner Verwaltung aus dem Bereich Wirtschaftsförderung ins Bauarchiv. Raue empörte sich, dass die Mitarbeiterin durch den Artikel verunglimpft worden wäre. ZAPP berichtete am 1. März 2017 erstmals über den Streit um den Bürgermeister. Unter dem Titel "Trump der Woche" nahmen wir das Gebaren des Bürgermeisters in unserem satirischen Wochenrückblick auf die Schippe. Arne Raue bedankte sich auf seiner Facebook-Seite am 17. März selbstironisch für den Bericht: "Ich (…) möchte mich beim NDR für den Titel 'kleiner Trump' bedanken. Ich fühle mich geehrt."

ZAPP-Interview im zweiten Anlauf

Jetzt sagt er im Interview, wir hätten damals zu Unrecht behauptet, "er wolle nicht mit uns sprechen". Wir hätten ihn angefragt und aus "terminlichen Gründen abgesagt". Belegt wird seine Aussage durch eine Notiz seiner Sekretärin, die er uns sogar vorlegte. Nun haben wir die Anfrage von damals anders in Erinnerung, nämlich so, dass Arne Raue aus terminlichen Gründen abgesagt habe. Mit Dokumenten belegen können wir das aber nicht. Umso mehr haben wir bei ZAPP uns darüber gefreut, dass nun das Interview mit Arne Raue zustande kam und stellen es aus diesem Grunde gern zur Gänze online.

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue © NDR

"Ich habe mich korrekt verhalten"

ZAPP -

Hetze gegen Flüchtlinge, Boykott gegen eine Zeitung - alles Missverständnisse? Jüterbogs Bürgermeister Raue sieht keine Fehler in seiner Kommunikation.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 30.08.2017 | 23:20 Uhr