Stand: 11.10.2017 18:00 Uhr

Ratlos im Rathaus: "Mopo" spart Redakteure ein

von Stefanie Groth und Anna Mundt
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Spart sich die "Mopo" kaputt? Die neuen Stellenstreichungen werden von vielen Seiten kritisiert, der Verlag verteidigt sie.

Bei der "Hamburger Morgenpost" - in Hamburg liebevoll "Mopo" genannt - wird weiter an der Sparschraube gedreht. Nachdem in den vergangenen Jahren schon diverse Stellen gestrichen wurden, trifft es nun auch den Kernbereich des Hamburger Traditionsblattes: die Lokalredaktion. Von der Kündigungswelle betroffen ist auch Renate Pinzke, die Rathausreporterin des Blattes. Diese Personalie sorgt für viel Aufregung und Empörung.

Büroraum des Betriebrates der MOPO.

Ratlos im Rathaus: "Mopo" spart Redakteure ein

ZAPP -

Ausgerechnet im Lokalteil soll gespart werden: Die DuMont-Mediengruppe will bei der "Hamburger Morgenpost" elf Stellen streichen. Mit dabei auch Rathaus-Reporterin Renate Pinzke.

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Heuer: "'Mopo' schießt sich ins eigene Knie"

Seit 17 Jahren berichtet Renate Pinzke für die "Hamburger Morgenpost" aus der Bürgerschaft, sie ist so etwas wie das Gesicht der Zeitung in der Hansestadt. Der Vorsitzende der Landespressekonferenz, Jürgen Heuer, erklärt: "Ich glaube, die 'Mopo' schießt sich damit ins eigene Knie. Wenn sie ausgerechnet ihre Stärken schwächt, wo sie sie noch hat. Wer soll die 'Mopo' noch lesen, wenn es Leute wie Renate Pinzke nicht mehr gibt?" Und Hamburgs Justizsenator, Till Steffen, meinte lapidar: "'Mopo' ohne Pinzke? Möglich, aber sinnlos. Von der publizistischen Konkurrenz bis in die Politik hinein reichen die Solidaritätsbekundungen, die ein Überdenken der Sparmaßnahmen fordern.

DuMont spricht von neuem publizistischem Konzept

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Auch Marco Carini von der "taz" kritisiert die Stelleneinsparungen bei der "Mopo": "Das hat nichts mit Konzept zu tun."

Spätestens vom kommenden Jahr an sollen die nationalen Politikseiten von "Hamburger Morgenpost", "Berliner Kurier" und "Express" in Berlin produziert werden statt wie bisher in Hamburg. Was dann noch von der "Mopo" bleibt, fragen sich viele Beschäftigte. Die Kölner DuMont-Mediengruppe, zu der auch die "Hamburger Morgenpost" gehört, erklärt gegenüber ZAPP, dass die Zeitung auf ein "neues publizistisches Konzept" setze. Zudem würden bessere technische Strukturen zu Überkapazitäten führen.

Sparmaßnahmen setzen Kernkompetenz aufs Spiel

In der Redaktion der "Mopo" kann man dieser Logik nicht folgen. Dort fragt man sich, wie man mit der gesunkenen Personaldecke noch eine gute Zeitung produzieren soll. Gerade die Kürzungen in den Bereichen "Lokales" und "Sport" schwächten die Kernkompetenz der Zeitung. Die Verantwortlichen würden die Zukunft des Boulevardblattes mit ihren Sparmaßnahmen aufs Spiel setzen. Bei der Zeitung sollen insgesamt elf Stellen gestrichen werden. Von den betroffenen Mitarbeitern gehören aber vier dem Betriebsrat an. Diesen Kollegen kann gar nicht gekündigt werden. An ihrer Stelle werden wohl andere Mitarbeiter entlassen werden.

Die "Mopo" hat seit geraumer Zeit mit stark sinkenden Auflagenzahlen zu kämpfen. Im 2. Quartal 2017 lag die verkaufte Auflage nur noch bei 71.300 Exemplaren pro Tag. Das digitale Angebot ist mit rund 14 Millionen Visits im Monat dagegen ein Erfolgsmodell, das aber die Print-Rückgänge, so die Geschäftsleitung, nicht kompensieren könne.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 11.10.2017 | 23:20 Uhr