Stand: 27.01.2016 17:30 Uhr

Raffiniert: Die Linie der Neuen Rechten

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Screenshot der Website "einprozent.de", deren Macher die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ablehnen.

Freilassing in Bayern. Bürger demonstrieren gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Einwohner marschieren neben offensichtlichen Neonazis, Rufe erschallen: "Invasoren bleibt zuhaus' - Flüchtlinge schauen anders aus!" Es gibt Gegendemonstranten, die Polizei trennt die Lager. Einige Tage später taucht im Netz ein Video auf, es zeigt die Demonstration als eine Art Bürgerspaziergang, ohne Sprechertext, unterlegt nur mit Musik. Die Bilder mit langer Brennweite aufgenommen, die Menge wirkt groß, das Meer der Fahnen durch die Musik pathetisch. Gegendemonstranten und Nazis fehlen. Ins Netz gestellt wurde es von der "Identitären Bewegung", einer rechten Gruppierung, die zu der Demonstration aufgerufen hatte.

Eine Demonstration.

Raffiniert: Die Linie der Neuen Rechten

ZAPP -

Auf einer neuen Plattform werden fremdenfeindliche Demonstrationen als harmlose Spaziergänge dargestellt. Die Botschaft: Wir sind nicht extrem - macht mit!

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Plattform will Bürgerbewegung gegen "Flüchtlingsinvasion" bilden

Und sie sind nicht die einzigen. Videos ähnlicher Machart finden sich auch auf der neuen Plattform "Ein Prozent". Eine Plattform, die eine Bürgerbewegung gegen die "Flüchtlingsinvasion" bilden will. Dafür will sie Aktivisten vernetzen, über Aktionen und Initiativen informieren, die rechten Bewegungen einen. Die Macher haben ein Kamerateam ausgestattet, das die Filme für die Plattform beisteuern soll. Unterstützt wird "Ein Prozent" unter anderem vom Publizisten und Journalisten Jürgen Elsässer, dem Islamwissenschaftler und AfD-Mitglied Hans-Thomas Tillschneider sowie dem Verleger Götz Kubitschek, einer der zentralen Figuren der sogenannten Neuen Rechten.

Form der Filmästhetik aus "Geschichte der europäischen Faschismen" bekannt

Die Ästhetik der Filme, die Machart und Anmutung kommt David Begrich, dem Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Vereins "Miteinander" in Sachsen-Anhalt, bekannt vor: "Alles, was getan wird, ob man demonstriert, ob man ein Buch schreibt oder im Garten arbeitet, das steht immer im heroischen Dienst der Sache. Die Sache, das ist ganz klar, ist das deutsche Volk. Es geht nie um irgendwas Banales, es geht immer um Deutschland. Darunter machen die es nicht. Und Deutschland wird verstanden als der zentrale Schicksalsbegriff, der zentrale Schicksalsort dieses Milieus, der Bezugspunkt allen Denken und Handelns. Natürlich ist das auch ein Bild, was man nach außen vermitteln will (...) Das ist diesem Milieu sehr eigen. Und dieses Setzen auf die Form, das kennen wir eigentlich aus der Geschichte der europäischen Faschismen sehr gut."

Schulterschluss mit der AfD

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Pegida und Co. bedrohen Journalisten

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Bedrohungen und tätliche Übergriffe auf Journalisten häufen sich. Viele gehen nur noch mit einem mulmigen Gefühl zu Demos von Pegida & Co. Doch klein beigeben will keiner. mehr

Die aktuelle Stimmung spielt der Neuen Rechten in die Hände. Es gibt einen Schulterschluss mit der AfD, ideologisch und personell. Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringischen Landtag, legte bei einem Vortrag im "Institut für Staatspolitik" von Götz Kubitschek seine Vorstellung des "Reproduktionsverhaltens" der Afrikaner dar, und Götz Kubitschek seinerseits tritt bei Pegida- und Legida-Veranstaltungen mit seinen rechtsnationalen Ideen auf.

Gefährliche "Intellektualisierung von antidemokratischen Inhalten"

So wird versucht, in einem bürgerlichen Milieu Fuß zu fassen, das sich bisher hat von lauten rechten Parolen eher abschrecken lassen. Die Videos der Identitären und von "Ein Prozent" tun das nicht mehr - sie laden dazu ein, sich einzureihen in einen friedlichen Spaziergang zur Rettung des Landes. David Begrich: "Die Gefährlichkeit besteht schlicht und ergreifend darin, dass wir es hier mit einem Prozess der Intellektualisierung von antidemokratischen Inhalten zu tun haben. Also, nicht mehr der platte Springerstiefel steht hier im Mittelpunkt, sondern Leute, die durchaus in einem bürgerlich-seriösen Kontext klare rassistische Inhalte zu argumentieren wissen und eben nicht nur Parolen."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.01.2016 | 23:20 Uhr