Stand: 06.06.2017 17:05 Uhr

Petra Reski verklagt Jakob Augstein

von Sabine Schaper
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Fühlt sich von Augstein diffamiert: Petra Reski.

Für Petra Reski hatte ihr "Freitag"-Artikel "Die Bosse mögen’s deutsch" vom 17. März 2016 nicht nur ein, sondern gleich zwei böse Nachspiele: Nicht nur, dass ein darin erwähnter Mann die freie Autorin daraufhin auf Unterlassung verklagte - der "Freitag"-Verleger und frühere Chefredakteur Jakob Augstein versagte ihr in dem Prozess auch jegliche Unterstützung. Sie habe der Redaktion Inhalte "untergejubelt", er fühle sich von ihr "getäuscht", äußerte sich Augstein über Reski. Außerdem brachte er sie mit "Fake News" in Verbindung und unterstellte ihr mangelhafte Recherche.

Dagegen geht Reski nun juristisch vor und hat beim Landgericht Hamburg eine Klage gegen Augstein wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte eingereicht. "Einen schwereren Vorwurf kann man einer Journalistin nicht machen", so Reski gegenüber ZAPP. "Das ist eine schwerwiegende Diffamierung meiner Arbeit."

Keine Unterstützung bei Rechtsstreit

Reski lebt seit knapp 20 Jahren in Italien und schreibt als freie Journalistin über die Mafia, auch über deren Verstrickungen in Deutschland. Im Zuge dessen berichtete sie im "Freitag" über ein Verfahren gegen den MDR und drei seiner Autoren. In diesem sah sich ein Mann in einer MDR-Dokumenation als Mafioso identifizierbar dargestellt. Das Gericht gab ihm recht, der Film darf nicht mehr gezeigt werden.

Reski hatte in ihrer Berichterstattung den Namen des Mannes genannt und war daraufhin ebenfalls von diesem belangt worden. Augstein distanzierte sich von ihr, von der Redaktion bekam sie keine Unterstützung. ZAPP berichtete am 12. April 2017 über den Fall. Augstein wollte sich auf Nachfrage ZAPP gegenüber nicht zu dem anstehenden Verfahren äußern. Die Klage gegen Augstein wird am 29. September 2017 vor dem Landgericht Hamburg verhandelt.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 12.04.2017 | 23:20 Uhr