Stand: 18.02.2015 06:00 Uhr

Österreich: Inserate für Hofberichterstattung?

Österreich ist das letzte Land in der europäischen Union mit einem  Amtsgeheimnis in der Verfassung. Ein Überbleibsel aus der Monarchie, das es Journalisten beinahe unmöglich macht, Informationen von Behörden einsehen zu können. Informanten sind oft ihre einzige Quelle.  Doch selbst wenn sie eine heikle Geschichte recherchiert haben, kann es sein, dass die Veröffentlichung gestoppt wird.

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

Österreich: Inserate für Hofberichterstattung?

ZAPP -

Investigative Journalisten müssen in Österreich große Hürden bewältigen. Inserate von Parteien und öffentlichen Stellen fördern vor allem den Boulevard.

4,81 bei 54 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Inserate gegen freundliche Schlagzeilen

Printmedien in Österreich werden zu einem großen Teil über politische Inserate finanziert. Zum Vergleich: Obwohl Deutschland ungefähr zehn Mal so viele Einwohner hat, werden von der öffentlichen Hand hier weniger Inserate in Zeitungen geschaltet, als in Österreich.

Bild vergrößern
Ausschnitte der Berichterstattung von "Heute" über Werner Faymann.

Wer dort kritisch berichtet, riskiert schnell die finanzielle Sicherheit seines Medienunternehmens. So hat die Partei ÖVP im August 2013 beispielsweise nach einem Bericht über ein geheimes Schwarzgeldkonto im Magazin "News" die Inseratenschaltungen storniert. "Die finanzielle Abhängigkeit österreichischer Medien von Österreichs Politik führt dazu, dass nicht Innovation, sondern eher Treue zu gewissen politischen Akteuren gefördert wird", sagt Florian Skrabal von der Rechercheplattform dossier.at.

Aller Hürden zum Trotz: dossier.at publiziert 

Die Journalisten von dossier.at haben sich vom mangelnden Informationsfluss und durch finanzielle Abhängigkeiten nicht einschüchtern lassen. Sie untersuchten den politischen Einfluss auf die Gratis-Boulevard-Zeitung "Heute". Der Marktführer in Wien finanziert sich ausschließlich über Inserate. Florian Skrabal und sein Team griffen bei ihrer Recherche zu einer aufwändigen Methode: Sie zählten alle Inserate von Parteien und öffentlichen Stellen. Für den Zeitraum von 2004 - dem Gründungsjahr der "Heute-Zeitung" - bis 2014 ermittelten sie einen Wert von 84 Millionen Euro, die in Form von Inseraten der "Heute-Zeitung" zu Gute kamen. Da ihnen Kenntnisse über mögliche Rabatte fehlen, handelt es sich hierbei jedoch um einen geschätzten Wert.

Kritik von Heute-Herausgeberin Eva Dichand

Bereits vor der Veröffentlichung drohte "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand den Journalisten von dossier.at mit einer Klage. "Die Zahlen sind weit überhöht. Sie wurden nicht mit jenen anderer Marktteilnehmer verglichen", kommentiert Eva Dichand, die auch Geschäftsführerin der Zeitung ist, die Recherche. Das Journalistenkollektiv von dossier.at recherchiert derweil weiter. Auch die Gründung  der "Heute"-Zeitung am 1. Juni 2004 wirft noch Fragen auf, so Skrabal gegenüber Zapp.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 18.02.2015 | 23:20 Uhr