Stand: 11.10.2017 15:26 Uhr

Misere: "Fake News" bei der Google-Suche

von Timo Robben
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Google zeigt dem User, wonach er vermeintlich sucht - "Fake News" dürften nicht dazu gehören, doch die sind vom Algorithmus nicht so leicht zu erkennen.

Der Mörder von Las Vegas heißt Stephen Paddock. Er hat Anfang Oktober 58 Menschen erschossen - das Motiv ist weiterhin unklar. Soweit die Fakten. Doch schon kurz nach dem Anschlag geisterte ein anderer Name durch das Netz: Geary Danley. Wenn man diesen bei Google eingab, erschienen für einige Stunden bei "Top Stories" zwei Einträge des umstrittenen Internetforums "4Chan", die diesen Mann als Täter identifizierten, mit Schlagzeile und Foto. Ein Fake - so wie zahlreiche andere Fakes zum Attentat, die im Netz zu finden waren.

Bürogebäude von Google.

Misere: "Fake News" bei der Google-Suche

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Nach dem Attentat von Las Vegas gab es viele "Fake News" im Netz, sogar in den Google News. Die Fakes sind ein Problem für den Algorithmus - und für einen fälschlich Beschuldigten.

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"Fake News" ein Problem für die Google-Suche

"Fake News" sind nicht nur ein Problem von Facebook und Twitter, sondern auch für Google, was mit dem angewandten Algorithmus zusammenhängt. Dieser wird aktiv, wenn ein Nutzer ein Schlagwort in die Suchmaschine eingibt. Google durchsucht dann seine Datenbank. Hat der Algorithmus Treffer gefunden, in denen die Schlagworte auftauchen, werden diese bewertet und sortiert. Nach über 200 Faktoren beurteilt Google, wie relevant ein Treffer für die Suchanfrage ist. Der Algorithmus schaut, ob zum Beispiel das Schlagwort in der Schlagzeile oder im Text auftaucht. Oder von wie viel anderen Seiten auf diese Seite verlinkt wird. Je mehr dieser Faktoren passen, desto höher das Ranking. Zudem spielen auch noch persönliche Interessen, vorherige Abfragen bei Google und allgemeine Klickzahlen einer Seite eine Rolle. Ein Faktencheck der Inhalte findet nicht statt.

Stecken rechte Trolle hinter dem Las-Vegas-Täter-Fake?

Matthias Spielkamp, der mit anderen Mitstreitern AlgorithmWatch.org gegründet hat und sich die Suchoperatoren und -ergebnisse der großen Konzerne genauer anschaut, vermutet, dass hinter dem hohen Ranking der "Fake News" über Geary Danley rechte Trolle gesteckt haben. Mit einer eigenen Agenda haben sie über geschickt gemachte Posts auf der dubiosen Plattform "4Chan" dafür gesorgt, dass der Algorithmus diese Einträge nach oben in die Anzeigeliste spült. Geary Danley tauchte vorher fast gar nicht im Internet auf - kein Zufall.

"Die haben bewusst einen Nobody ausgewählt. Wahrscheinlich weil sie genau wussten, dass es dann möglich ist, dass der Name ganz oben in der Google-Suche auftaucht." Und das hat funktioniert: Die "4Chan"-Posts sind sogar an prominenter Stelle in den sogenannten Google-Schlagzeilen aufgetaucht. Und Geary Danley ist kein Einzelfall. Erst im vergangenen Jahr musste Google den Algorithmus überarbeiten, als in den USA auf die Frage "Did the Holocaust really happen?" die Ergebnisliste von einer rechtsradikalen Seite angeführt wurde, die den Holocaust verleugnete.

Richard Gingras von Google räumt Fehler ein - teilweise

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Richard Gingras, Leiter von Google News, ist ein großer Verfechter der Meinungsfreiheit.

Auch Google News, die Nachrichtensparte von Google, arbeitet mit Algorithmen. Dessen Leiter, Richard Gingras, räumt im Zusammenhang mit Geary Danley einen Fehler ein. Allerdings sei es nicht grundsätzlich falsch, dass Google diese falschen Nachrichten über den Unbeteiligten im Internet zutage förderte. "Es gab diese Informationen, deswegen war es kein Fehler, sie zu zeigen. Der Fehler war, dass sie in den Google-Schlagzeilen aufgetaucht sind." Der Verfechter der Meinungsfreiheit ist der Ansicht, dass man alles, was es im Internet gibt, gleichberechtigt behandeln muss. "Wir müssen aber in Zukunft vermeiden, dass solche Inhalte in den Schlagzeilen auftauchen."

Auch bei YouTube, das ebenfalls zu Google gehört, gab es nach dem Attentat viele Videos, die Verschwörungstheorien bedienten. Inzwischen wurde der YouTube-Algorithmus angepasst, so dass in Krisenfällen vor allem vertrauenswürdige Quellen zuerst angezeigt werden. Die Wissenschaft fordert von Google unterdessen mehr Transparenz. Google sollte eine Schnittstelle für die Forschung freigeben. Hier könnten dann Außenstehende die Wirkweise von Algorithmen untersuchen. "Wir müssen nicht im Detail wissen, wie jeder Schritt der digitalen Verarbeitung funktioniert. Aber ein Grundwissen, wie hier Google filtert und auswählt, da kann sich Google meiner Ansicht nach einfach nicht versperren", meint dazu Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut.

"Fake News" führte zu Todesdrohungen

Welchen Einfluss Google und sein Algorithmus inzwischen auf das Leben der Nutzer haben, musste Geary Danley inzwischen am eigenen Leibe feststellen. Nachdem die Einträge ihn als Täter von Las Vegas gebrandmarkt hatten, bekam er laut Medienberichten Todesdrohungen. 

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ZAPP | 11.10.2017 | 23:20 Uhr