Stand: 24.01.2017 11:25 Uhr

Jugendmedienschutz: "Vice" jetzt ab 18 Jahren

von Sabine Schaper
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Über 700 Artikel über Drogen gibt's auf den deutschen Seiten von Vice.com (Stand: 23.01.2017). Viele verharmlosen den Drogenkonsum.

Drogenkonsum und pornografische Inhalte auf den Seiten des Onlinemagazins "Vice" verstoßen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Nach einer Prüfung des Onlineangebots von Vice Media haben jugendschutz.net und die zuständige Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) die Inhalte als "potenziell entwicklungsbeeinträchtigend für Jugendliche" eingeschätzt und mit einer Alterskennzeichnung versehen.

Beitrag von ZAPP war Auslöser der Prüfung

Anlass für die Ermittlungen war ein ZAPP Beitrag von August 2016, in dem die Art der Berichterstattung bei "Vice" zum Thema Drogenkonsum infrage gestellt wurde. Unter den kritisierten Artikeln befanden sich beispielsweise Anleitungen, mit welchen Substanzen man am besten 24 Stunden durchfeiert, wie man die Beziehung zu seinen Eltern durch gemeinsamen Kokainkonsum verbessert oder Risotto-Rezepte, damit die Magic Mushrooms nach mehr als nur Sägemehl schmecken.

Einzelne Berichte "verführen zum Drogenkonsum"

"Im Grunde genommen geht es in diesen Artikeln darum, junge Menschen zum Drogenkonsum zu verführen," kritisierte der Hamburger Suchtexperte Rainer Thomasius damals auf Anfrage von ZAPP. Der Drogenkonsum werde als Normalität angeboten und so dargestellt, dass kritische Reflexion, gerade mit Blick auf das Gesundheitsgefährdungspotenzial, vollständig unterbleibe, so Thomasius. Auch die Jugendschutzexperten schlossen sich nun dem Urteil an, dass einzelne Artikel von "Vice" für Jugendliche gefährlich sein könnten.

Altersbeschränkung greift bei Jugendschutz-Software

In Folge der ZAPP Recherchen hatte die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg die zuständige Prüfstelle jugendschutz.net auf Vice.com hingewiesen. Diese hatte zahlreiche Artikel und Verlinkungen beanstandet, die nun von der Seite genommen wurden. "Vice" wurde zudem im Dezember mit einer "age-de.xml"-Datei versehen, die als Jugendschutz-Label fungiert. Ist ein Computer mit einer Jugendschutz-Software ausgestattet, sind die Seiten von Vice.com inklusive der Unterseiten wie Noisey, Thump, Munchies etc. nur noch einem Publikum über 18 Jahren zugänglich. Minderjährige sollen so vor dem Angebot geschützt werden.

Kein Statement von "Vice"

"Aus Sicht von jugendschutz.net sind damit alle Verstöße gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag beseitigt worden. Wir schließen uns diesem Ergebnis an", so die zuständige Referentin der Landesmedienanstalt nach Prüfung der Umsetzung. "Vice" wollte sich ZAPP gegenüber nicht zu den Jugendschutzmaßnahmen äußern. Im Impressum der Seite findet sich allerdings nun der Hinweis auf einen Jugendschutzbeauftragen.

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.01.2017 | 23:20 Uhr