Sendedatum: 12.04.2017 23:15 Uhr

Journalisten in der "Nervösen Republik"

von Daniel Bouhs und Nicola von Hollander
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Filmemacher Stephan Lamby hat u.a. AfD-Politikerin Frauke Petry für die Doku "Nervöse Republik" ein Jahr lang begleitet.

Nachdenklich, geradezu reflektiert und vor allem eines: ungewohnt zugänglich. Für seine Dokumentation "Nervöse Republik" (19. April, Das Erste) hat Filmemacher Stephan Lamby auch AfD-Vorsitzende Frauke Petry gleich mehrfach getroffen. "Ich habe mir Mühe gegeben. Ich bin extra nach Dresden gereist, um Frauke Petry dieses Projekt zu erklären", berichtet Lamby gegenüber ZAPP. "Es gab eine Neugierde auf meiner Seite. Ich glaube, es gab auch eine Neugierde auf ihrer Seite. Und das führte dann schließlich zu der Beteiligung von ihr an diesem Projekt."

Julian Reichelt, Sahra Wagenknecht, Frauke Petry und Anne Will in einer Talkrunde

Journalisten in der "Nervösen Republik"

ZAPP -

Doku-Filmer Stephan Lamby hat für die "Nervöse Republik" ein Jahr lang Spitzenpolitiker und Medienmacher begleitet. Herausgekommen ist ein Blick hinter die Fassaden des Politikbetriebs.

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Einmalige Einblicke hinter die politische Fassade

Petry ist eine von mehreren Spitzenpolitikern, die Lamby ein Jahr lang immer wieder mit der Kamera begleitet hat - genauso wie Journalisten. Das Ergebnis ist - darauf hat Lamby offensichtlich ein Abo - ein einmaliger Einblick hinter die politische Fassade. Petry bekommt dafür Raum, sich ausführlich für populistische Äußerungen ihrer Partei zu rechtfertigen, gegen etablierte Politiker genauso wie gegen Medien. "Das Parteivolk braucht auch ein bisschen, sagen wir mal, eigene Befriedigung", sagt Petry dann etwa. Lamby zufolge ohne Bedingungen, ohne Autorisierung, "ein ganz normales professionelles Verhältnis". Der Dokumentarfilmer kommt ihr nah und kann sein Bild ungefiltert widergeben.

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09:30 min

Lamby: "AfD braucht Journalisten als Feindbild"

12.04.2017 23:20 Uhr

Doku-Filmer Stephan Lamby konnte die AfD-Vorsitzende Frauke Petry lange begleiten. Für ihn war sie sehr zugänglich. Andere schließt sie aus. Die Partei insgesamt nutzt Journalisten als Feindbild. Video (09:30 min)

Kritischen Journalisten wird Arbeit erschwert

Aber: Im Umgang mit Journalisten kann Petry auch anders. Besonders deutlich bekommt das Melanie Amann zu spüren, die Hauptstadtjournalistin des "Spiegel", die die AfD seit der Parteigründung im Jahr 2013 begleitet und gerade ein Buch über die Partei veröffentlich hat. "Ich bekomme praktisch keinen Kontakt zu Frau Petry", sagt die Journalistin gegenüber ZAPP. Sie ist gleich mehrfach von eigentlich presseöffentlichen Veranstaltungen der Partei ausgeschlossen worden und bekomme auch keine Interviews mit der AfD-Vorsitzenden.

"Ich gehe mit der Haltung einer kritischen AfD-Berichterstatterin an Frau Petry heran", sagt Amann. "Das ist eine andere Rolle, als sie ein Dokumentarfilmer hat. Und deswegen ergibt sich zwangsläufig ein viel spannungsreicheres Verhältnis zu Frau Petry als für jemanden, der sie nur mit der Kamera beobachtet."

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Amann: "Ich bekomme keinen Kontakt zu Petry"

12.04.2017 23:20 Uhr

In "Nervöse Republik" zeigt sich Frauke Petry zugänglich und offen. Doch die kritische Journalistin Amann erlebt die AfD-Vorsitzende anders: aggressiv und kurz angebunden. Video (11:05 min)

AfD kanzelt Kritiker öffentlich ab

Amann wird von Petry und deren Mann, dem AfD-Politiker Marcus Pretzell, sogar vor Publikum angegangen. Als die Journalistin Zugang zu einer Veranstaltung bekam, begrüßte Pretzell sie zu Beginn eines Vortrags mit den Worten: "Besonders lieb ist uns selbstverständlich unsere Frau Amann vom 'Spiegel'. Weit bekannt in der AfD dafür, dass sie vertrauliche Gespräche ungern vertraulich behandelt und ganz besonders bekannt dafür, dass sie innerhalb der Partei auch gerne mal private Ratschläge zu Frauke Petry und mir verteilt. Frau Amann ist der Meinung, wir sollten uns dringend mal trennen."

"Wenn solche Vorwürfe erhoben werden und man sitzt in einem Raum voller Hhunderter empörter AfD-Mitglieder, dann ist das alles andere als angenehm", sagt Amann - und vermutet, Petry und Pretzell machten "im Prinzip ihren privaten Ärger über mich zu einem Thema für die Partei". Letztlich sei es "schon ein Problem", wenn sie als Berichterstatterin zur Spitzenfrau der Partei "keine Gesprächsebene" mehr finde, räumt Amann ein. "Aber ich glaube, es ist jetzt auch nicht die richtige Reaktion, zu sagen, dann lass' ich es eben."

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Podiumsdiskussion zur TV-Doku "Nervöse Republik"

Das Erste: Anne Will

Der Dokumentarfilm "Nervöse Republik" porträtiert Politiker und Journalisten zwischen Hasskommentaren und Eilmeldungen. Am 29. März 2017 moderierte Anne Will dazu eine prominent besetzte Podiumsdiskussion. extern

Beziehung Petry/Pretzell interessant "aus politischer Sicht"

Petry wiederum nutzte eine Diskussion zu "Nervösen Republik" dafür, zu bekräftigen, dass sie Amanns Arbeit behindert: "Wenn es Protagonisten gibt, die sich auch in das Privatleben von Politikern eingemischt haben - und das ist in dem Fall auch mehrfach zu belegen -, dann kann man die Entscheidung treffen. Und wir haben sie auch getroffen." Amann hatte sich zuvor im "Spiegel" unter anderem mit Pretzells finanzieller Situation und seinem Vorgänger, Petrys Ex-Mann Sven, beschäftigt, sagt dazu aber: "Im Privatleben von Frau Petry habe ich nie gewühlt in dem Sinne, dass ich mich dafür interessiere, was sie im Schlafzimmer macht." Sie habe sich die Beziehung "aus politischer Sicht" angesehen. Hier sei eine führende Politikerin mit einem führenden Politiker zusammen - das interessiere eben.

Dokumentarfilmer Lamby hält sich mit Kritik eigentlich zurück. Zu Petrys Umgang mit Amann sagt er aber, Petry sei "offenkundig nicht bereit, das auszuhalten". Lamby mahnt zudem: "Ich denke, man muss Pressevertreter bei öffentlichen Veranstaltungen einer Partei ertragen, selbst wenn man mit der Berichterstattung nicht einverstanden ist. So bin ich das gewohnt von anderen Parteien, und da unterscheidet sich die AfD."

Keine klare Medienstrategie der AfD erkennbar

Lamby und Amann eint, dass sie bei der AfD auch im Jahr der Bundestagswahl keine klare Medienstrategie ausmachen können. "Auf Bundesebene macht jeder, was er will", analysiert die "Spiegel"-Journalistin. Jeder habe seine eigene Facebook-Seite, manch einer verbreite auch auf Twitter eigene Botschaften oder nutze Landesverbände dafür. "Man findet sehr selten eine Erklärung, hinter der wirklich die gesamte Partei steht. Das passiert fast nie."

Auch Lamby erkennt nach gut einem Jahr intensiver Begleitung der AfD-Vorsitzenden vor allem, dass "sehr unterschiedlich von den jeweiligen Protagonisten der AfD gespielt" werde. Fast allen hätten aber gemeinsam, dass sie über Journalisten schimpften, Journalisten aber auch bräuchten. "Und ich glaube, sie wären schrecklich enttäuscht, wahrscheinlich sogar beleidigt, wenn wir ihnen den Rücken zukehren würden."

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ZAPP | 12.04.2017 | 23:15 Uhr