Stand: 10.07.2015 12:00 Uhr

China: "ZEIT"-Mitarbeiterin aus Haft entlassen

Wie die "ZEIT" am 10. Juli berichtet, ist die chinesische Mitarbeiterin Zhang Miao nach neun Monaten aus der Haft entlassen worden. "ZEIT"-Korrespondentin Angela Köckritz, die eng mit Zhang Miao zusammengearbeitet hat, twitterte bereits am Vorabend die freudige Nachricht:

Während es Zhang Miao soweit gut gehen soll, herrscht nun allerdings Sorge um ihren Anwalt, der offensichtlich von drei Männern aus dem Hotelzimmer verschleppt wurde. Hoffentlich wird auch er bald freigelassen. Hier unser Artikel vom 14. Januar, der die Geschichte um die Inhaftierung von Zhang Miao nacherzählt.

Inhaftiert: "ZEIT" kämpft für Kollegin in China

von Anette Leiterer

Es ist der 2. Oktober 2014, als die Chinesin Zhang Miao in Peking festgenommen wird. Ihre Familie erhält am 8. Oktober den Haftbefehl: wegen des Verdachts der Erregung öffentlichen Ärgernisses. Miao arbeitete eng mit der China-Korrespondentin der "ZEIT", Angela Köckritz, zusammen - ihr weiteres Schicksal ist nun ungewiss. Vor der Festnahme hatten die beiden Frauen gemeinsam von den "Occupy Central"-Protesten in Hongkong berichtet. Auf Wechat, der populärsten Social-Media-Plattform in China, postete Zhang Miao danach ein Foto: Das Bild zeigt sie gemeinsam mit drei Männern, die als Zeichen ihrer Sympathie für "Occupy Central" eine gelbe Schleife tragen. Ihre Arme sind vor der Brust gekreuzt, so wie es einer der Anführer der Hongkonger Proteste getan hat. Zu dem Zeitpunkt, als Miao das Foto verschickte, waren schon andere Festlandchinesen festgenommen worden, nachdem sie Bilder von den Hongkonger Protesten auf Wechat verbreitet hatten. Nun ereilt sie das gleiche Schicksal.

Im Fadenkreuz eines mächtigen Sicherheitsapparates

Auch Korrespondentin Angela Köckritz wird nun durch Mitarbeiter chinesischer Behörden verhört: viermal, teilweise über Stunden. Ihr wird dabei Spionage vorgeworfen. Je länger die Verhöre dauern, desto besser erscheinen sie Köckritz inszeniert und geplant: "Die Ermittler, die später kamen, waren sehr viel älter und erfahrener und da hat man auch gemerkt, dass die ganz andere psychologische Tricks und Spiele gemacht haben." Sie beschreibt ihre Situation im Verhör: "Es ist einfach ein sehr ungutes Gefühl, wenn Du weißt: Das ist ein mächtiger Sicherheitsapparat, dem keine Grenzen gesetzt werden, und Du bist gerade im Fadenkreuz davon." Irgendwann wird Köckritz Separatismus, Landesspaltung und Dissidententum vorgeworfen.

Ein neues Phänomen

Interview

Schwierige Bedingungen für Journalisten in China

Christine Adelhardt leitet das ARD-Studio in Peking. Im Interview berichtet sie über Repressalien gegenüber ausländischen Journalisten in China. mehr

Für Christine Adelhardt, ARD-Korrespondentin in China und gleichzeitig Vorsitzende des Media Freedom Committee des Foreign Correspondents Clubs of China, stellt dieses Vorgehen der Behörden gegen Köckritz einen traurigen Höhepunkt dar: "China ist ein Polizei- und Überwachungsstaat. Repressalien gegen ausländische Journalisten gehören zum Alltag. Aber dass nun Journalisten - wie im Fall von Angela Köckritz - vorgeworfen wird, sie seien ausländische Spione, hätten eine Agenda jenseits ihrer Berichterstattung und würden an der Destabilisierung des Regimes arbeiten, ist ein neues Phänomen."

Es bleibt nur die Flucht

Als Mitarbeiter der deutschen Botschaft, die Angela Köckritz über die ganze Zeit hinweg als "extrem unterstützend und hilfreich" wahrgenommen hat, ihr raten, das Land zu verlassen, flieht sie eilig nach Deutschland. Von dort aus setzt die Redaktion der "ZEIT" alle Hebel in Bewegung, die Freilassung von Zhang Miao zu erreichen. Sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll sich bei Chinas Premier Li Keqiang dafür eingesetzt haben.

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Mit dem Hashtag #freemiao wird mittlerweile auch auf Twitter zur Befreiung Zhang Miaos aufgerufen.

Im Januar 2015 haben all diese Bemühungen noch immer keinen Erfolg gebracht. Die Redaktion entschließt sich, das Schicksal von Zhang Miao öffentlich zu machen. Eine schwere Aufgabe für Angela Köckritz: "Ich habe nächtelang nicht geschlafen, weil ich mich gefragt habe, was hilft? Was tun? Das war eine, wie ich finde, sehr große Verantwortung."

Für ZAPP hat Angela Köckritz ihre Geschichte ausführlich erzählt und Fotos von Zhang Miao und sich zur Verfügung gestellt. In Absprache mit Köckritz zeigt ZAPP das betreffende Bild von der Demonstration jedoch nicht.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 14.01.2015 | 23:10 Uhr