Stand: 02.03.2016 18:21 Uhr

Im Prozess: Recht und Geld für Urheber

von Daniel Bouhs & Daniel Schmidthäussler

Ob Drucker, Kopierer oder Scanner: Mit dem Kauf vieler alltäglicher Geräte finanzieren Verbraucher und Unternehmen - oft völlig unbemerkt - die mit, die für Zeitschriften, Zeitungen und Bücher arbeiten. Tantiemen für Kopien, die hierzulande die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) einzieht, um sie dann an ihre Mitglieder auszuschütten. Dazu kommen Gebühren, die etwa Universitäten oder Unternehmen für Bibliotheken und Pressespiegel zahlen. Allein 2014 kamen so mehr als 100 Millionen Euro zusammen - Geld, das für den einen ein zweiter Jahresurlaub ist, schlecht bezahlten Autoren aber die Existenz sichert.

Martin Vogel, Autor und Kläger gegen die VG Wort. © NDR

Im Prozess: Recht und Geld für Urheber

ZAPP -

Der Urheberrechtsexperte und Autor Martin Vogel klagt seit Jahren gegen die Verwertungsgesellschaft Wort. Am 10. März fällt der Bundesgerichtshof nun sein Urteil.

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Der Urheberrechtsexperte und wissenschaftliche Autor Martin Vogel hat mit dem seit Jahrzehnten etablierten Modell allerdings ein Problem: Er stört sich daran, dass die VG Wort noch immer nicht nur die eigentlichen Urheber der Texte, sondern auch Verlage versorgt - obwohl das überarbeitete Urheberrecht das inzwischen anders sehe. "Das ist doch unglaublich!", empört sich Vogel im Interview mit ZAPP. Es würden "wildeste Konstruktionen entwickelt, warum das doch rechtmäßig ist".

BGH-Urteil fällt am 10. März

Vogel klagt seit Jahren gegen die VG Wort. Vor zwei Gerichten hat er bereits Recht bekommen, nun geht es am 10. März vor dem Bundesgerichtshof (BGH) weiter. Der Münchner, der aus einer Autorenfamilie stammt, stellt ein ganzes System infrage. Die VG Wort sieht sich wiederum im Recht, schließlich vertrete sie schon seit 1958 sowohl Autoren als auch Verlage. Tatsächlich sieht die VG Wort aber in dem Verfahren durchaus eine Bedrohung: Sie schüttet die Tantiemen nur noch unter Vorbehalt aus.

Verwertungsgesellschaft ist besorgt

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Befürchtet eine Spaltung der VG Wort: Robert Staats.

Der geschäftsführende Vorstand der VG Wort, Robert Staats, bezeichnet die Arbeit seiner Gesellschaft als "ein Massengeschäft" und hofft ebenfalls auf eine Grundsatzentscheidung. "Wir verteilen eine ganze Menge Geld an viele Autoren und an viele Verlage und brauchen hier eine ganz sichere rechtliche Basis."

Mit Sorge sieht der VG Wort-Chef, dass die Autorenschaft gespalten ist, denn: Es gibt die Fraktion "Vogel", die Verlagen die Tantiemen streitig machen. Eine andere Initiative fordern wiederum, auch Verlage - vor allem die klammen kleinen Häuser - zu vergüten. "Das ist eine Entwicklung, die nicht gut ist", sagt Staats. "Wir nehmen das sehr ernst und werden auch versuchen, entsprechend aufzuklären, um für das Modell VG Wort zu werben."

VG Wort könnte zur Disposition stehen

Vogel geht es aber nicht um Aufklärung, er ist selbst Profi. Am aktuellen Urheberrecht hat er sogar mitgewirkt. Sollte der BGH seiner Sicht folgen, könnte das gleich mehrere größere Folgen haben: Die Verlage müssten sich überlegen, ob sie überhaupt noch Teil der VG Wort sein wollen - die im krassesten Fall damit wiederum infrage stünde. Und die Politik müsste drüber nachdenken, ob sie Verlagen ein eigenständiges Vergütungsrecht, ein sogenanntes Leistungsschutzrecht, zugesteht.

In der Film- und Musikindustrie gibt es ein solches Schutzrecht bereits, für Verlage derzeit nur für Veröffentlichungen im Internet. Bei Gedrucktem hat sich die Politik hier eine dezidierte Regelung gespart, denn: An dem etablierten System hat lange niemand gerüttelt. Zumindest bis Martin Vogel kam.

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ZAPP | 02.03.2016 | 23:20 Uhr