Stand: 15.07.2015 11:00 Uhr

Der fragwürdige Erfolg von Restaurant-Coach Rosin

von Gita Datta

Jan Schönherr hatte große Hoffnungen in Frank Rosin und sein Coaching gesetzt. Schönherrs Lokal "Prisma" in Nürnberg lief nicht, er stand mit seiner Mannschaft kurz vor dem Aus. "Rosins Restaurants", das Coaching-Format von Kabel 1, sollte Abhilfe schaffen. Schönherr hoffte nicht nur auf einen möglichen Werbeeffekt durch die Sendung, sondern wollte auch lernen und Tipps bekommen vom erfolgreichen Zwei-Sterne-Koch. Das war im Sommer 2014.

Restaurantkritiker Frank Rosin

Kritik an Restaurantkritiker Rosin

ZAPP -

Im TV präsentiert sich Sterne-Koch Frank Rosin als Retter in der Not, der Restaurants auf Vordermann bringt. Doch die Bilanz ist nicht so toll wie dargestellt.

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Umsatz nach kurzer Zeit wieder rückläufig

Die Erfahrungen sind ernüchternd. Das Haus hat kaum Laufkundschaft, liegt nahe einem Bürokomplex. Das Konzept bestand deshalb darin, möglichst viele verschiedene Kunden anzusprechen, mit einer breit aufgestellten Karte, sei es zum Essen, auf einen Kaffee, ein Cocktail oder das Feierabendbier. Für Frank Rosin anscheinend die falsche Idee. Er baute das "Prisma" um in ein reines Speiselokal: die "Pasta Galerie". Das Konzept: Nudeln in allen Varianten. Das Problem: Für den Mittagstisch war es zu teuer, als Speiselokal am Abend liegt das Haus nicht sehr günstig, und die Feierabendbiere und Cocktails trinkt man nicht gerne an einem gut gedeckten Tisch. Die Folge: nach sechs bis sieben Wochen, in denen das neue Restaurant sehr gut besucht war, brach der Umsatz ein.

Teilnehmer beklagen erfundene Geschichten

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Die Website der TV-Sendung "Rosins Restaurants" verspricht in einem Film "Große Emotionen im kleinen Casino".

Eine Erfahrung, die viele Gastronomen machen, nachdem sie bei "Rosins Restaurants" teilgenommen haben. Zuerst bringt die Neugier die Leute in das umgestaltete Restaurant, doch nach ein paar Wochen ist für viele dann doch wieder Schluss. Von über 60 in den vergangenen sechs Jahren gecoachten Restaurants sind noch 37 übrig, der Rest ist geschlossen oder hat einen neuen Chef. Und auch das Coaching selbst ist nicht bei allen Gastronomen in guter Erinnerung. Zahlreiche ehemalige Teilnehmer beklagen sich gegenüber Zapp über fragwürdige Methoden bei den Dreharbeiten, über erfundene Geschichten und gestellte Situationen.

Beratung folgt fast immer demselben Muster

Das Coaching funktioniert fast immer nach demselben Muster: Das Haus wird vorgestellt, das erste Testessen wird in der Regel zerrissen, dann kommt Frank Rosin und baut die Trümmer wieder zusammen. Oft geht das einher mit einem neuen Namen, einer erweiterten oder oftmals komplett veränderten Speisekarte, manchmal sogar mit neuem Mobiliar in Speiseraum oder Küche. Dieses bezahlt die Produktion. Dann folgt ein weiteres Testessen, das viel besser gelingt. Dazwischen zwischenmenschliche Konflikte, Streitereien um Speiseplan und Küchenarbeit sowie oftmals am Boden zerstörte Restaurantbesitzer und Familien.

Jan Schönherr hat sich von der "Pasta Galerie" inzwischen wieder verabschiedet. Er steckt mit seinem wieder zu "Prisma" umbenannten Restaurant mitten in der Insolvenz. Der Insolvenzberater knobelt jetzt mit ihm an einem neuen Konzept - mit breiterem Angebot und dem Fokus auf mögliche neue Kunden.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.07.2015 | 23:15 Uhr