Stand: 18.10.2017 17:00 Uhr

Nicht gelöschte Fahndungsfotos: Google vs. Medien

von Sabine Schaper

Es war eine ungewöhnliche Maßnahme, mit der die Polizei vergangene Woche einem Sexualstraftäter auf die Spur kam: Im Rahmen einer öffentlichen Fahndung veröffentlichte das Bundeskriminalamt (BKA) Fotos eines kleinen Mädchens, das als Missbrauchsopfer im Darknet zu sehen war. Innerhalb eines Tages war nicht nur die Identität des Mädchens geklärt, sondern auch der mutmaßliche Täter gefasst.

Ein verwischtes und verpixeltes Foto.

Fahndungsfotos noch online: Google vs. Medien

ZAPP -

Nach einer öffentlichen Fahndung mit dem Foto eines Missbrauchsopfers konnte ein Kinderschänder schnell gefasst werden. Das Foto ist jedoch noch im Netz zu finden. Wer ist schuld?

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Aufruf zur Unkenntlichmachung nach Fahndungserfolg

Nach dem schnellen Fahndungserfolg bat das BKA darum, die verbreiteten Bilder unverzüglich zu löschen - eine Bitte, der die meisten Medien schnell nachkamen und die Fotos entweder verpixelten oder durch Symbolbilder ersetzten.

Das Internet vergisst nichts

Dennoch sind über die Google-Bildersuche weiterhin zahlreiche Fotos zu finden, auf denen das Mädchen zu erkennen ist. "Wenn ein Bild einmal im Internet aufgetaucht ist, dann ist es de facto nicht mehr zurückzuholen, weil es eben kopierbar ist", gibt "c't"-Redakteur Holger Bleich zu bedenken. Hinzu kommt, dass Google für seine Vorschau von Suchergebnissen kleine Bilder in einem Zwischenspeicher, dem Cache, hinterlegt. So seien die Bilder auch über Google zu finden, wenn sie auf der ursprünglichen Seite längst gelöscht seien. "Es reicht nicht, wenn wir Inhalte von unserer Webseite löschen. Wenn sie wirklich raus sein sollen, dann müssen wir auch Google Bescheid sagen", mahnt Bleich.

Google lehnte Löschantrag von "Thüringen24" ab

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Als letzte Maßnahme zur Täterermittlung bei Kindesmissbrauch wird mit einem Foto nach dem Kind gefahndet. Danach sollen die Fotos unkenntlich gemacht werden. (Symbolbild)

Genau das hat die Redaktion von "Thüringen24", Teil der Funke-Mediengruppe, getan. ZAPP hatte sich bei der Redaktion erkundigt, da Google nach wie vor ein gelöschtes Bild des Mädchens anzeigte und mit "Thüringen24" in Verbindung brachte. Die Redaktion habe bei Google die Löschung des entsprechenden Bildes beantragt, heißt es. Der Antrag sei allerdings abgelehnt worden. Es handelt sich dabei um eine Standardantwort ohne konkrete Begründung, die ZAPP vorliegt. Das Bild ist dort also weiterhin zu sehen, bis ein Google-Automatismus das Vorschaubild aktualisiert.

Printmedien nach Fahndungserfolg ohne Löschmöglichkeit

Weiterhin existieren Kopien der Bilder, die private Nutzer gespeichert haben sowie Bilder in Zeitungen und Zeitschriften, die über Archive weiterhin einsehbar sind. Ein großes Problem für die Opfer, die in der Zukunft mit einem Stigma leben müssten, sagt der Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer. Er fordert ein Gesetz, das regelt, unter welchen Umständen eine öffentliche Fahndung anhand von Fotos stattfinden dürfe.

Staat soll durch Maßnahmen weitere Verbreitung unterbinden

"Der Staat hat eine Verantwortung für die Opfer. Und wenn im Interesse der Strafverfolgung ein solches Bild genutzt wird, dann hat der Staat die Mitverantwortung, dazu beizutragen, dass der Schaden begrenzt wird", so Pfeiffer. Dazu würde unter anderem das Angebot einer neuen Identität gehören. Und: "Dass der Staat unter Strafe stellt, wenn solche Bilder weiterhin im Internet verbreitet werden."

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ZAPP | 18.10.2017 | 23:20 Uhr