Die Millionenstadt Pjöngyang ist ab den 1950er Jahren nach dem Koreakrieg auf dem Reißbrett entstanden. Es ist eine spektakuläre Ansammlung von Plattenbauten.
An vielen Alltagsdingen herrscht Mangel. Essen, Kleidung, aber auch Nahverkehr. Schlangen sieht man allerorten – darf sie aber eigentlich nicht fotografieren. Das Land will jedes Zeichen verhindern, das als rückständig oder schwach gelten könnte.
Beschattung kann auch schön sein! In aller Regel sind die Reisebegleiter gut ausgebildete und noch besser ausgewählte Kader, die den Besucher sehr freundlich überall hinführen, wo es erlaubt ist. Nur wenn man zu viel fotografiert, nachfragt oder eigene Ideen einbringt, dann kann die Stimmung schnell umschlagen.
Riesige Monumente, die Führer und Volk zeigen, sind in unvorstellbarer Dichte und Größe bis ins letzte Dorf präsent. Meist ist die Botschaft: Das Volk hat der Kim-Dynastie fast alles zu verdanken und huldigt sie, wo immer es geht.
So wird in einer großen Blumenschau Kim Yong Ill Ehre entgegen gebracht, indem die rote Blume unter seinem Porträt auch nach ihm benannt wurde: KimYongIllia. Ähnliche Blumen gibt es auch für den Staatsgründer Kim Il Sung. Sogar Soldaten kommen in Gruppen, um sich vor den Blumenporträts fotografieren zu lassen.
Zumindest in der Hauptstadt hat man der Bevölkerung in den letzten Jahren große Sportarenen gebaut. Auch Schlittschuhlaufen ist Volkssport. Soldaten legen in ihrer Freizeit die Uniform gar nicht erst ab. Sie sind in jeder Alltagssituation präsent.
Auch am Flussufer trifft man mitten am Tag ganze Bataillone oder Frauengruppen in Uniform. Manche scherzen locker, einige kommen sogar mit Gitarre und singen Soldatenlieder. Nur: Fotografieren darf man sie bei Strafe eigentlich nicht. Noch nicht mal als Teil der Landschaft.
Nur an der Grenze zu Südkorea ist es anders. Hier zeigt man seine Wehrbereitschaft gerne her. Ein Soldaten-Guide erklärt den Grenzverlauf am 38. Breitengrad, wo sich seit Jahrzehnten Nord- und Südkorea bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstehen. Es kommt immer wieder zu Scharmützelen. Auch wenn man bis an den Grenzstreifen vorgelassen wird: die Lage ist äußerst angespannt.
Der Triumphbogen von Pjöngayng ist sogar ein paar Meter höher als das Original in Paris. Natürlich! Er wurde zu Ehren der Kim-Dynastie gebaut. In allem geht es Nordkorea immer darum, im Chor der großen Nationen mit zu spielen und ernst genommen zu werden.
Das Symbole der Kommunisten Hammer und Sichel hat Nordkorea um den Pinsel ergänzt: auch Intellektuelle sollen den Arbeiter und Bauernstaat mit aufbauen helfen. So die Theorie.
Dafür sollen in der Großen Halle des Volkes auch alle Bürger Nordkoreas studieren können. So wird dem Besucher erklärt. Nach welchen Kriterien die vorgezeigten Studenten tatsächlich ausgewählt werden bleibt im Dunkeln. Gespräche mit den Studenten sind eher nicht erwünscht – sie wirken auch eher eingeschüchtert.
Fährt man über Land, so trifft man kaum auf Autos oder Busse. Leere Straßen enden im Nichts und das Volk geht meistens zu Fuß, oft kilometerlang.
Die Autobahnen sind meist sechs Spuren breit – aber ohne Autos. Hier wurde wohl für den Verteidigungsfall mitgedacht. Man sieht aber häufig ganze Ortsgruppen oder Bataillone, die abkommandiert sind, um die Straße mit Schaufeln und Kehrblechen schneefrei zu halten.
Nordkorea hat ein Nahrungsmittelproblem. Es gibt immer wieder offizielle Zahlen von Hilfsorganisationen, dass ein großer Teil der Bevölkerung hungert. Auf der Schiene und gut bewacht werden Grundnahrungsmittel in entlegene Dörfer gebracht – darüber berichten soll der Reisende möglichst nicht.
In der Hauptstadt gibt es auch Luxusläden. Mit Devisen kann man in von außen nicht sichtbaren Kaufhäusern alles kaufen, was aus dem Ausland kommt.
Propagandatafeln und Militär bis ins letzte Dorf: Nordkorea verfügt über die viertgrößte Armee der Welt.
Am Grenzfluss zu Nordchina treffen dann Welten auf einander. Während die Grenzstadt Dandong bommt und Waren in Hülle und Fülle zu bieten hat bietet, die andere Seite des Flusses ein trauriges Bild. Tag und Nacht schieben nordkoreanische Grenzsoldaten an einem Erdbunker einsam wache.