Weltbilder

Dienstag, 20. Juni 2017, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 22. Juni 2017, 01:45 bis 02:15 Uhr

Moderatoin Julia Sen.

3,5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Indien: Kinderarbeit für den Fußball

Sofia lebt in Sisola, einem Dorf nördlich von Delhi. Fußbälle sind ihr Leben. Nicht, weil sie damit spielt, sondern weil sie Bälle näht, die anschließend an Großhändler weiterverkauft und exportiert werden. Für umgerechnet weniger als einen Euro am Tag. Die Armut ihrer Familie zwingt sie und ihre jüngeren Geschwister angeblich dazu. Vor zwei Jahren haben wir Sofia besucht und ihr Elend für den Weltspiegel gezeigt. Immerhin konnte so erreicht werden, dass ihr Vater ihr morgens den Schulbesuch erlaubt; ab dem frühen Nachmittag musste sie dann weiter stundenlang Fußbälle nähen. Inzwischen ist Sofia 13 Jahre. Der erneute Besuch zeigt ein Mädchen, das jetzt zur Koranschule geht und dennoch weiter in ihrer Freizeit Fußbälle näht. Ihr Traum sei es, erzählt Sofia, Ärztin zu werden und dass auch ihre Kinder einmal studieren können und keine Fußbälle nähen müssen.
Autor: Markus Spieker

Spanien: Touristenansturm auf Mallorca

Alle 80 Sekunden landet in Mallorcas Hauptstadt Palma ein Ferienflieger. Für die Hauptsaison sind 90.000 Mietwagen auf die Insel verschifft worden. Und jeden Tag gehen mehrere Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 20.000 Menschen vor Anker. In Palma formiert sich jetzt Widerstand gegen den Tourismus. Der brachte nicht etwa tolle Jobs, sondern nur Verträge, die über höchstens ein paar Wochen laufen. Und das häufig zu schlechteren Konditionen als vor der Krise. Immer öfter fehlen Unterkünfte für Servicekräfte und Krankenpfleger, der Wohnraum wird auch für Inselbewohner immer teurer. Aus dem Segen des Tourismus ist für viele Einheimische längst ein Fluch geworden.
Autor: Sebastian Kisters

Ungarn: Vermeidbare Flüchtlingskatastrophe?

Es ist ein Telefonat wie es unmenschlicher nicht sein kann: An einem Ende der Leitung ist der Schleuser Metodi G.: "Ich denke, dass die Leute im Laster keine Luft bekommen, ich bin mir 100 Prozent sicher. Du musst nur weiterfahren! Das ist das Wichtigste." Am anderen Ende ist der Fahrer Ivaylo S. am Handy: "Sie schreien einfach die ganze Zeit, du kannst dir gar nicht vorstellen, was hier los ist, wie sie schreien. Scheiße!" Das abgehörte Telefonat der ungarischen Polizei half den Menschen im Lkw nicht: 71 Menschen ersticken im August 2015, der Fahrer lässt den Lkw in Österreich auf dem Standstreifen der Autobahn stehen. Jetzt beginnt in Ungarn der Prozess gegen die Schleuserbande und auch die ungarischen Ermittler müssen die Frage beantworten, warum trotz Abhöreinsatz Menschen sterben mussten.
Autoren: Elena Kuch, Sebastian Pittelkow, Volkmar Kabisch, Amir Musawy, Katrin Kampling

Philippinen: Kinder von Sextouristen

Angeles, die Stadt der Engel, liegt nördlich von Manila. Sie ist bekannt, weil Männer hier zum billigen Spaßhaben herkommen. Meist interessiert es sie nicht, wohin der Spaß dann führt. Mehr als 1.500 Frauen allein in Angeles haben Kinder von Sextouristen. Diese Männer kommen aus den USA, Großbritannien, Norwegen oder Deutschland, sie schwängern philippinische Frauen und machen sich dann aus dem Staub. Unterhalt zahlen sie nur in den seltensten Fällen. Zurück lassen sie verzweifelte Mütter und traumatisierte Kinder.
Autor: Uwe Schwering

Westjordanland: Siedler in Hebron

50 Jahre ist der Sechs-Tage-Krieg her. Die Menschen in Israel und den palästinensischen Gebieten leben schon seit fünf Jahrzehnten mit der Besatzung und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Siedlungsbau im Westjordanland wird massiv ausgeweitet. Hebron, die größte Stadt in diesem Gebiet, ist seit Jahrtausenden besiedelt. Hier liegen die Gräber der israelischen Stammväter Abraham, Isaak, Jakob und ihrer Frauen. Weil Abraham auch im Islam als Urvater gilt, ist die Stadt vielen heilig. Der Nahost-Konflikt spiegelt sich in Hebron wie in einem Brennglas wider: Das israelische Militär hat weite Teile der Innenstadt zum Sperrgebiet erklärt. Zwölf Checkpoints und ein ausgeklügeltes System abgestufter Ausgrenzung regeln den Zugang für die rund 200.000 palästinensischen Einwohner, denn inmitten der arabischen Altstadt leben 800 jüdische Siedler. Einblicke in eine Stadt mit tiefen Wunden.
Autorin: Susanne Glass

Redaktionsleiter/in
Claudia Buckenmaier
Redaktion
Christiane Justus
Moderation
Julia-Niharika Sen
Redaktion
Daniel Satra
Nicole Bölhoff
Produktionsleiter/in
Friederike Körner
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/Weltbilder,sendung652964.html