Prostatavergrößerung: Interview
Wann wird welche Behandlungsmethode eingesetzt? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Dr. Matthias Oelke.
Video starten (05:31 min)Es ist das Männerleiden schlechthin: Mit 60 Jahren hat jeder zweite Mann Probleme mit seiner Prostata (Vorsteherdrüse). Sie ist ein kleines Organ, das die männliche Harnröhre direkt am Blasenausgang umschließt. Im Laufe des Lebens wächst das Drüsengewebe bei vielen Männern und engt die Harnröhre immer weiter ein. Der Harn kann dann nicht mehr richtig abfließen. Das kann gefährlich sein, wenn eine solche Prostatavergrößerung zu Restharnbildung in der Blase führt – Harnwegsinfekte und Nierenstauungen drohen. Im Alter von 80 Jahren leiden schon acht von zehn Männern unter Beschwerden wie ständigem Harndrang.
Etwa jeder zweite Mann über 50 leidet unter einer vergrößerten Prostata. Für die meisten bedeutet das eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Was hilft?
Pflanzliche Prostatamittel aus Brennnessel, kalifornischer Sägepalme und Arzneikürbis sind Umsatzrenner in den Apotheken. Einige der pflanzlichen Präparate können bei leichteren Fällen die Blasenentleerung wohl verbessern – doch es gibt noch keine verlässlichen Studien über die Wirksamkeit.
Bei stärkeren Beschwerden kommen zwei Arten von Medikamenten zum Einsatz: Sogenannte Alphablocker entspannen die kleinen Muskelzellen der Prostata und erweitern so die Harnröhre. Die 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können eine vergrößerte Prostata sogar schrumpfen lassen – um etwa 20 Prozent. Ihre Wirkung tritt jedoch oft erst nach Monaten ein. Helfen kann in leichteren Fällen auch eine Verhaltenstherapie mit Beckenbodentraining, Blasenmuskeltraining, Blasentagebuch und Änderung der Trinkgewohnheiten. Auch Blasen- oder Nierenprobleme können hinter den Beschwerden stecken. So fehlt den Nieren manchmal ein sogenanntes antidiuretisches Hormon. Die Folge ist ein besonders starker nächtlicher Harndrang.
In schweren Fällen, wenn Medikamente nicht helfen, ist eine Operation der Prostata allerdings unumgänglich. Das Standardverfahren ist noch immer die Ausschälung der Prostata (Bipolare Turp): Mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop wird störendes Gewebe mit einer Schlingenelektrode abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. Der Eingriff eignet sich jedoch nicht für Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko – zum Beispiel bei Einnahme von Marcumar. Ist die Prostata sehr groß, kann die Innendrüse über einen kleinen Bauchschnitt entfernt werden.
Außerdem gibt es verschiedene Lasertherapieverfahren. Dabei wird das überschüssige Prostatagewebe schonend entfernt. Während herkömmliche Laser das Gewebe einfach komplett verdampfen, schneiden die modernsten Lichtskalpelle das Gewebe zunächst heraus. Die Tulium-Laserenukleation eignet sich besonders für Patienten mit hohem Blutungsrisiko. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre. Mit einem Laserstrahl wird die Prostata aus ihrer Kapsel herausgelöst, Blutungen verschweißt der Laser sofort. Ein spezielles Instrument zerkleinert das abgetragene Gewebe dann in der Blase, sodass es herausgespült und feingeweblich untersucht werden kann. So kann eine Krebserkrankung sicher ausgeschlossen werden.
Um eine Prostatavergrößerung und auch bösartige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können, sollten sich Männer mit Prostataleiden in der Familie regelmäßig, sonst ab dem 45. Lebensjahr, einmal jährlich untersuchen lassen. Spätestens wenn Männer mehrmals nachts auf die Toilette müssen oder unter Harndrang leiden, sollten sie den Arzt aufsuchen, denn je früher ein Prostataleiden behandelt wird, desto geringer sind die Risiken.
PD Dr. Matthias Oelke
Stellv. Direktor Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Dr. Thomas RW Herrmann
Oberarzt Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Dr. Hans-Jürgen Matz
Urologie am Lister Platz
Bödekerstraße 88
30161 Hannover
Tel. (0511) 66 17 84
Fax (0511) 66 18 18
Autor des Fernsehbeitrags:
Dr. Tilman Hassenstein