Wie funktoniert eine Schnarchschiene?
Wie funktoniert eine Schnarchschiene? Moderatorin Susanne Kluge-Paustian im Interview mit Prof. Ingo Fietze.
Video starten (05:06 min)Schnarchen stellt so manche Partnerschaft auf die Probe. Rund 60 bis 80 Prozent der Männer über 50 schnarchen und viele Frauen stehen ihnen in nichts nach. Das sägende Geräusch entsteht im Nasen- oder Rachenraum, wenn im Schlaf erschlafftes Gewebe durch den Atem in tönende Schwingungen versetzt wird.
Meist ist Schnarchen zwar ungefährlich, aber extrem laut und lästig. Häufig wird Betroffenen zu einer Operation geraten, doch oft bleibt die erhoffte Besserung aus.
In den meisten Fällen ist Schnarchen zwar ungefährlich, aber extrem laut und lästig. Das sogenannte soziale Schnarchen schadet zwar nicht der Gesundheit, belastet aber die Beziehung und die Leistungsfähigkeit der Partner im Alltag, da die Erholung in der Nacht schwer beeinträchtigt wird. Das Schnarchen entsteht meist durch ein anatomisches Problem: flatternde Bewegungen des Gaumens und des Zäpfchens, zum Teil auch des Zungengrundes und des Rachens beim Atmen. Kommt es auch zu nächtlichen Atemaussetzern, liegt meist ein Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) vor.
Nicht selten raten Ärzte Schnarchern zu einer ambulanten Operation: Bei einer Gaumensegelplastik wird das schlaffe Gaumensegel gerafft und mit Hilfe einer speziellen Nahttechnik etwas gespannt. Dann wird die Schleimhaut des Zäpfchens an der Vorderseite gelöst und das Gaumensegelzäpfchen etwas nach oben genäht. Außerdem verdampft der Arzt mit einem Laser einen wenige Millimeter breiten Streifen an der Unterseite der untersten Nasenmuschel. Solche Operationen am Gaumensegel sind für viele Schnarcher eine große Hoffnung, doch häufig bleibt die erhoffte positive Wirkung aus: Viele Patienten leiden nach dem Eingriff mehr als vorher, haben starke Schmerzen und schnarchen weiter - nicht selten lauter als vorher.
Eine andere Methode ist die Radiofrequenztherapie. Dabei erzeugt der Arzt mit Hilfe hochdosierter Radiowellen gezielt künstliche Vernarbungen unter der Schleimhaut, die das zu weiche Gewebe straffen und trägt außerdem überschüssiges Gewebe ab. Die gesunde Umgebung soll dabei besser geschont werden als mit dem Skalpell oder Laser. Dennoch leiden viele Patienten auch nach diesem Eingriff unter Schmerzen und nicht immer ist sie von Erfolg gekrönt. Zudem ist es kein Zufall, dass die Gaumenregion viel weicher ist als die festeren Nasen - und unteren Atemwege. Erst dadurch werden das Schlucken und feine Nuancen beim Singen und Sprechen ermöglicht. Durch eine Operation kann es hier zu Beeinträchtigungen kommen.
Experten betonen daher, dass vor der Entscheidung für eine Operation unbedingt eine gründliche Untersuchung und eine sichere Diagnose stehen müssten. Nur selten sei ein operativer Eingriff wirklich die sinnvollste Strategie. Wer zum Beispiel aufgrund einer im Schlaf zurückfallenden Zunge schnarcht, kann sich vom Kieferchirurgen eine spezielle Schiene anpassen lassen, die den Unterkiefer nach vorne schiebt und so den Abstand zwischen Zunge und Gaumen vergrößert. Die Kosten von rund 900 bis 950 Euro werden von einigen Krankenkassen getragen. Bei nicht krankhaftem Schnarchen hilft oft auch schon eine verstellbare Protrusionsschiene, die schon für rund 100 Euro erhältlich ist und selbst angepasst werden kann. Auch diese schiebt den Unterkiefer nach vorne und vergrößern so den Abstand zwischen Zunge und Gaumen.
Außerdem sollten mögliche Risikofaktoren, die das Schnarchen begünstigen, beachtet und gegebenenfalls abgestellt werden. Dazu gehören unter anderem Übergewicht, Alkohol und Beruhigungstabletten, die die Muskelspannung reduzieren.
Prof. Dr. Ingo Fietze
Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums
Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte
Luisenstraße 13
10117 Berlin
Tel. (030) 450 51 31 22
E-Mail: schlaf.labor(at)charite.de
Prof. Dr. Wolfgang Kehrl
Chefarzt
Arnd Niehues
Belegarzt
Klinik für HNO-Krankheiten, Kopf-, Hals- und plastische Gesichtschirurgie
Katholisches Marienkrankenhaus gGmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
Tel. (040) 25 46 23 02
Autorin des Fernsehbeitrags:
Kerstin Michaelis