Sollten Personen mit niedrigem Blutdruck regelmäßig die Augen kontrollieren lassen?
Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Professor Carl Erb.
Video starten (03:57 min)Zunächst sind es nur Schatten am Rand, kleine Ausfälle - doch das Gesichtsfeld verschwindet immer mehr, bis zur vollständigen Erblindung: Das auch als Grüner Star bekannte Glaukom ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Die zunehmenden Gesichtsfeldausfälle (Skotome) sind Zeichen des kontinuierlichen Verlustes von Nervenfasern.
Niedriger Blutdruck kann Auslöser für die Entstehung des Grünen Stars sein. Dieses sogenannte Normaldruckglaukom wird allerdings oft erst sehr spät erkannt.
Als wichtigste Ursache gilt ein zu hoher Augeninnendruck: Das Auge produziert das sogenannte Kammerwasser, eine Art Nährlösung, die die Linse versorgt. Durch einen kleinen Kanal fließt das Kammerwasser nach außen, wo es vom Blutkreislauf aufgenommen wird. Ist dieser Abfluss gestört oder wird zu viel Flüssigkeit produziert, kommt es zum Stau und der Druck im Auge steigt. Dadurch stirbt der Sehnerv langsam ab, das Auge erblindet.
Zudem spielt auch die Dicke der Hornhaut eine entscheidende Rolle in der Beurteilung der Druckwerte. So gibt es Patienten, die nicht an einem erhöhten Augeninnendruck leiden und dennoch die typischen Symptome eines Glaukomschadens entwickeln. Sie leiden dann an einem sogenannten Normaldruckglaukom. Experten gehen davon aus, dass Normaldruckglaukome etwa die Hälfte aller Glaukome ausmachen. Ursache der fortschreitenden Schädigung des Sehnervs scheint dabei eine Dysregulation der Durchblutung zu sein.
Durch die Minderversorgung von Netzhaut und Sehnerv mit Blut kommt es zu einer Sauerstoffunterversorgung der empfindlichen Nervenzellen in dessen Folge die Nervenfasern zugrunde gehen. Außerdem scheinen autoimmune Vorgänge eine Rolle in der Entstehung des Normaldruckglaukoms zu spielen. Dabei schädigen Antikörper die körpereigenen Strukturen des Auges. Von einem Niederdruckglaukom sprechen Experten dann, wenn sich durch die medikamentöse Senkung eines zu hohen Blutdrucks glaukomtypische Veränderungen oder gar Sehstörungen am Auge zeigen.
Die Therapie des Glaukoms erfolgt in Form von Augentropfen mit verschiedenen Wirkstoffen wie Betablockern, Prostaglandinen und Carboanhydrasehemmer. Kann mit Hilfe dieser Medikamente der Augeninnendruck nicht ausreichend kontrolliert werden, stehen verschiedene lasertherapeutische sowie operative Behandlungsverfahren zur Verfügung. Ziel ist es, den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern und so den Augeninnendruck zu senken.
Da der Grüne Star keine Schmerzen verursacht und die Betroffenen den Sehverlust zunächst nicht wahrnehmen, wird er meist erst spät erkannt. Daher empfehlen Augenärzte regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen wie die Bestimmung des Augeninnendrucks, auch wenn die Kosten dafür in Höhe von etwa 40 Euro nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Bei jeder augenärztlichen Untersuchung sollte außerdem eine Beurteilung des Augenhintergrundes, des Sehnervenkopfes sowie des Kammerwinkels im vorderen Augenabschnitt und des Gesichtsfeldes (Perimetrie) erfolgen. Die Analyse des Augeninnendrucks sollte ein Tag-Nacht-Profil umfassen.
Prof. Dr. Carl Erb
Lasermed Zentrum, Augenklinik Wittenbergplatz
Kleiststraße 23-26
10787 Berlin
Tel. (030) 211 48 62
E-Mail: info(at)lasermed.de
Dr. Helena Tornow
Fachärztin für Augenheilkunde in der Berufsausübungsgemeinschaft Drs. Tornow
Osterstraße 120
20255 Hamburg
Tel. (040) 40 50 30
Prof. Dr. Maren Klemm
Fachärztin für Augenheilkunde
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: augenklinik(at)uke.uni-hamburg.de
Dr. Yorck Walpuski
Facharzt für Augenheilkunde
Wilhelminenhaus Kiel, Zentrum für Augenheilkunde
Wilhelminenstraße 43
24103 Kiel
Tel. (0431) 220 90 90
Autorin des Fernsehbeitrags:
Jutta Rosbach