Migräne bei Kindern
Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche leiden gelegentlich unter Migräne - geschätzt jeder Zehnte. Christina Sartori hat recherchiert: Was sind typische Symptome?
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Jeder zehnte Deutsche leidet unter Migräne.
Jeder zehnte Mensch in Deutschland leidet unter anfallartig auftretenden, quälenden Kopfschmerzen - häufig mit Übelkeit und Erbrechen: Migräne. Etwa 15 Prozent der Betroffenen spüren bereits ein bis zwei Stunden vor eine Migräneanfall die sogenannte Aura, das sind Vorboten wie Seh- oder Sprachstörungen oder ein Kribbeln in Armen oder Beinen. Die Nervenzellen im Gehirn von Migränepatienten sind leichter erregbar und haben eine niedrigere Schmerzschwelle.
Ausgelöst werden die Attacken im Hirnstamm: Bei einem Migräneanfall sendet ein bestimmtes Areal Nervenimpulse aus, die zu einer Entzündung von Blutgefäßen führen. Sie schwellen an und setzen Entzündungsstoffe frei. Das wiederum reizt Nervenbahnen in der Nähe und verursacht die Migräneschmerzen.
Die Anfälle selbst dauern bis zu drei Tagen, in denen die Betroffenen kein normales Leben mehr führen können. Meist pulsiert der Schmerz auf einer Seite des Kopfes, er kann aber auch hin und her wechseln oder beidseitig vorhanden sein. Jedes Geräusch, jede Berührung, jede Bewegung und jeder Lichtstrahl verschlimmern die Qualen. Bei Frauen hängt die Migräne oft mit Hormonschwankungen zusammen. In diesem Fall lassen die Anfälle nach den Wechseljahren deutlich nach.
Die Behandlung einer Migräne ist nicht einfach, denn die üblichen Schmerzmittel können einen schweren Anfall nicht stoppen. Hier werden vor allem sogenannte Triptane eingesetzt. Die Patienten spritzen sie bei Bedarf unter die Haut, nehmen sie als Tablette oder Nasenspray ein. Bei häufigen Anfällen kann auch eine vorbeugende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, die die Frequenz der Attacken deutlich senkt. Für Kinder und Jugendliche sind die Medikamente allerdings nicht geeignet. Für Jugendliche ab zwölf Jahren gibt es ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Sumatriptan, der speziell bei Migräne wirken soll.
Auch nicht-medikamentöse Therapien können helfen: Das Wichtigste ist, dass die Patienten lernen, gelassener mit "nervigen" Umwelteinflüssen umzugehen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen. Denn die Vermeidung störender Einflüsse führt nur zu steigender Empfindlichkeit.
Wird zum Beispiel ein tickender Wecker entfernt, stören andere leise Geräusche umso mehr. Biofeedback und Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelentspannung helfen, zwischen den Attacken die Empfindlichkeit zu dämpfen. Nicht geeignet ist Autogenes Training, es verschlimmert die Migräne eher. Mit zunehmendem Alter sinkt das Migränerisiko meist von selbst, die Anfälle können auch ganz verschwinden, wenn zum Beispiel im Ruhestand der Stress nachlässt. Während Stress und körperliche Überforderung vor allem in der anschließenden Erholungsphase Migräneanfälle auslösen können, wirkt ein angemessenes körperliches Training vorbeugend.
Studien zeigten, dass Patienten ohne Aura zwei Tage vor dem Anfall ein erhöhtes Aufmerksamkeitsniveau haben: Sie sind wacher, klarer, können gut denken, sind aber auch nervöser und reizbarer. In dieser Phase können die Betroffenen gezielt etwas gegen die drohende Migräne unternehmen, indem sie der Erregung durch bewusste Entspannung entgegensteuern. Erste Ergebnisse weiterer Untersuchungen zeigen, dass sich der Aufmerksamkeitspegel in dieser Phase auch mit niedrig dosierten Beruhigungsmitteln senken lässt.
Göttinger Forscher haben einen ganz anderen Weg eingeschlagen, um Migränepatienten zu helfen, bei denen die Medikamente nicht ausreichend anschlagen: Sie versuchen, mit elektrischem Strom von außen die Erregbarkeit des Gehirns zu beeinflussen. Zwar wurde die Gleichstrombehandlung bereits vor fast 50 Jahren erfolglos getestet, doch die Mediziner gehen davon aus, dass die Methode im Prinzip funktioniert. Sie erproben das Verfahren nun mit anderen Stromstärken und hoffen, damit doch noch zum Ziel zu gelangen.